Was hat die WM uns Frauen gebracht?

Ana Bilandzija

Natürlich ist Fußball reine Männersache. Oder kam jemals eine halbwegs intelligente Aussage zu diesem Thema aus dem Mund einer Frau? Selbstverständlich ist das passiert. Und gewiss strotzt die Einleitung nur so vor Verachtung und Klischees. Nichtsdestotrotz steht die Frage im Raum: Was hat uns Frauen die WM gebracht?

Von Ana Bilandzija

Wenn man die letzten Wochen innerlich noch einmal kurz aufleben lässt, sieht man vor allem eines: Die Farbe Fußballfeldgrün. In 99 von 100 Häusern beziehungsweise Lokalen konnten wir verfolgen, wie ein Haufen großer Männer dem runden Leder nachlief. 90 Minuten lang. Oder länger. Und wer hockte angespannt vor dem Bildschirm, mit aufgerissenen Augen und einem kalten Bier in der Hand? Ja, die auch. Und Frauen, die genauso mitfieberten. Meistens waren sie in der Unterzahl, aber sie waren da. Man stelle sich das einmal vor, am Ort des Geschehens, in den Stadien, gab es sie auch, die Frauen.

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Männlein und Weiblein in zwei verschiedene Töpfe zu werfen und den Deckel fest zuzumachen ist inzwischen üblich geworden. Dabei gibt es immense Unterschiede – Männer, die Fußball lieben. Männer, an denen die WM vorbeizieht, ohne, dass sie mitgerissen werden. Frauen, die voller Begeisterung sind. Frauen, die jedes Mal auf den Gnadenschuss hoffen, wenn sie von WM-Gerede und Gebrüll überflutet werden. Aber nun zurück zur Frage, was uns Frauen die Weltmeisterschaft gebracht hat. Denjenigen, die Freude an der Massenhysterie hatten, hat der Kampf um den Titel viel geschenkt: Spaß, Spannung, Freude, Ausgelassenheit, Ablenkung, Kontakt zu anderen Fußballfreunden /-innen.

Jene Frauen, die froh sind, dass die Siegermannschaft nach einem langen Monat endlich feststeht, haben auch profitiert: Geld wurde gespart, da Bars und Lokale erst dann wieder aufgesucht wurden, als die Flachbildschirme, wie sonst auch, als Staubfänger dienten.

Außerdem unterzogen sich unsere Geduld und unser Durchhaltevermögen einem beinharten Test – halten wir dem penetranten Trubel stand, ohne Revolten, Auftragsmorde, aufgeschlitzte Bälle und feuerteuflische Gedanken? Es war schwer, aber wir haben es geschafft, der Fußballweltmeister steht fest und wir warten mehr oder weniger sehnsüchtig auf das nächste große Meisterschaftsspektakel.
Also stoßen wir doch alle ein letztes Mal auf die Fußball-WM 2010 an. Oder auch nicht.

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