Ulrike Wurzer: Unterwegs mit mir

Ulrike Wurzer

Ulrike Wurzer | Foto: © Marcel Wurzer

Ulrike Wurzer: Unterwegs mit mir

Autor: Ulrike Wurzer
Titel: Unterwegs mit mir
Taschenbuch: 84 Seiten
Verlag: INNSALZ
Erschienen am 30. Juni 2020
ISBN-10: 3903321303
ISBN-13: 978-3903321304

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Klappentext

Liebe, Leidenschaft, Verlust – davon handeln die bildreichen Fahrgeschichten von „Unterwegs mit mir“.

Im Rahmen ihrer Altersbilanz erzählt eine Frau während Bahn- Bus- und Autofahrten von ihren Beziehungen zu Männern.

Sie beschäftigt sich mit Trennungen, versucht offene Begegnungen für sich zu beenden und verbindet sich dabei immer mehr mit sich selbst.

Dabei blickt sie auch zurück auf die Prägungen, die sie beeinflussten, versucht Unlösbares anzunehmen und lässt sich den Glauben an die Liebe nicht nehmen.

Peter Reutterer

Rezension von Peter Reutterer

Endstation Sehnsucht brandneu

Frisch aus der Presse kommt ein schmaler, aber lesenswerter Band der Oberndorfer Autorin Ulrike Wurzer. Darin versammelt sie 14 Erzählungen, die alle vom Unterwegssein erzählen.

Ankommen abgesagt. Die Autorin nimmt uns mit auf eine Reise zu ihr, wie der Titel verspricht, v.a. in ihre Beziehungswelt. Die Geschichten erzählen von Sehnsucht, Sehnsucht nach wirklich zufrieden stellender Liebe, nach der Eigentlichkeit des eigenen Ichs, oft auch von Sehnsucht nach dem eigenen Körper, in dem beglückendes Fühlen zu Hause ist. Die Geschichten werden von Männern bewegt, die unverlässlich sind und davon gehen. Das beginnt bereits in der Erzählung vom Vater, der eine Parallelbeziehung aufrecht hält. Ein verstorbener Mann und ein bereits erwachsener Sohn vervollständigen den familiären Hintergrund. Beziehungen bleiben ungelebt, unabgeschlossen. Wohltuend zwischendurch Gegenentwürfe, wie z.B. der 83jährige Heilpraktiker, der nicht nur einen Alfa fährt, sondern auch aus den „glänzenden Augen eines kleinen wartende Kindes“ zu lachen versteht. Ein „Fernwärmenetz“ dominiert diese Beziehungswelt, die als „Ich“ oder „Sie“ auftretenden Protagonistinnen hoffen auf Magie oder kosmische Konstellationen, um tatsächlich erwärmende Nähe zu erfahren. Aber es bleibt bei Dreiecksbeziehungen in „anderen Städten“. Struktur gebend ist die Hauptfigur durchgehend mit Bahn oder Bus unterwegs. Sehnsüchtig reisend, aber Ankommen abgesagt.  Der Mann in der „anderen Stadt“ verströmt sich parallel in eine andere, jüngere Geliebte.

Dass die Autorin ihren zweiten produktiven Schwerpunkt in der bildenden Kunst hat, bezeugt nicht nur das einnehmende Cover samt den gelungenen Illustrationen, auch sie selbst verweist in der Geschichte „Mit der Linie 180“ darauf. Kunst bedeute Schutzraum und Unvergänglichkeit. Die Bilder aus den Bahnfahrten, einzelne Gegenstände bekommen im Rahmen dieser emotionalen Achterbahn symbolischen Wert, z.B. der Halteknopf, der dem „Haltewunsch“ Ausdruck verleiht. Leben und Liebe bleiben eine Fahrt ins Nirgendwo, reduziert auf einzelne schöne Augenblicke, die bald von negativen Gefühlen verschluckt werden. Zwischendurch Hoffnung, doch trotz allem und der fortgeschrittenen Lebenszeit noch einmal erotisch leicht und lebendig lieben zu dürfen. Zuletzt ein Bekenntnis zum schriftstellerischen Ausdruck. Und der ist vielversprechend in vielen sehr prägnant formulierten Szenen. Vielleicht wird ein Roman folgen, wie es im letzten Text „Ein neuer Tag“ ausgesprochen wird. Die Leserschaft darf sich darauf freuen.

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