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Arshaluys Mardigian

Arshaluys Mardigian: …. meine Seele sterben lassen, damit mein Körper weiterleben kann

Autorin: Arshaluys Mardigian
(aus dem Englischen von Walpurga Seul / mit einer Einordnung von Tessa Hofmann)
Titel: …. meine Seele sterben lassen, damit mein Körper weiterleben kann – Ein Zeitzeugenbericht vom Völkermord an den Armeniern 1915/16
ISBN: 978-3-86674-772-2
Verlag: zu Klampen! Verlag
Erschienen: 31.08. 2020 (Deutsche Erstausgabe)

Klappentext

Unmittelbar nachdem sie 1917 den Türken entkommen ist, beginnt Arshaluys Mardigian als eine der wenigen Überlebenden des Völkermords an den Armeniern, von ihren Erfahrungen während des Genozids zu berichten.

Ihr authentischer Augenzeugenbericht wurde seit seiner Erstveröffentlichung 1918 bereits in zwanzig Sprachen übersetzt und 1919 erfolgreich verfilmt; sie selbst spielte in dem Stummfilm die Hauptrolle. Der Leidensweg des Mädchens erscheint nun nach hundert Jahren erstmals auf Deutsch und lässt uns auch hierzulande, wo eine gründliche historische Aufarbeitung des türkischen Völkermords an den Armeniern nach wie vor aussteht, die Schrecken jener Ereignisse erahnen.

Schonungslos und eindringlich erzählt Arshaluys Mardigian von ihren Erlebnissen während der Todesmärsche, der Gefangenschaft in den Häusern reicher Türken, den Raubzügen kurdischer Reiter, den Massakern an ihrem Volk, ihrem sechsmonatigen Umher irren in der Steppe und schließlich ihrer Rettung und Übersiedlung nach Amerika.

Anni Lemberger

Rezension von Anni Lemberger

Wie wenig bei uns über den Genozid am armenischen Volk bekannt ist, wurde mir erst klar, als ich die ersten Zeilen dieses erschütternden Buches las. Natürlich hatte ich von der Verfolgung und Deportation der Armenier durch die Osmanen gehört. Aber ich hatte kaum eine Möglichkeit mehr darüber zu erfahren, weil es kaum deutschsprachige Literatur dazu gab. Umso erfreulicher (im traurigen Sinn), dass es seit einigen Tagen diese aufklärende, informative, deutsche Übersetzung des Originalwerkes (Ravished Armenia) aus dem Jahr 1918 gibt.

Die Verfolgung dieses Volkes erfolgte aufgrund ihres Glaubens – die Armenier sind Christen und deshalb wurden sie von der „mohammedanischen“ Mehrheit in der Türkei verfolgt, deportiert und getötet. Nur wer viel Glück hatte, dem Christentum abschwor und „Allah als alleinigen Gott und Mohammed als seinen Propheten“ anerkannte, konnte vielleicht dieses Massaker überleben. Meistens handelte es sich um junge Frauen, die als Sexsklavinnen verkauft wurden oder gar als (islamische) 2.und/oder 3. Frauen in einem Harem verschwanden.

Das Buch besteht aus zwei Elementen: Zum einen ist es die Übersetzung des Augenzeugenberichtes von der Überlebenden Arshaluys Mardigian – schonungslos und schon beim Lesen emotional belastend, zum anderen die Einordnung von Tessa Hofmann aus heutiger Sicht auf den Genozid.