Herbst – Die Zeit der Ernte und Weinlese

Weinernte

Weinernte | Foto: KTraintinger

Das Wort Herbst leitet sich von germanisch *harbista- ab und bezeichnet die dritte Jahreszeit, die Zeit der Ernte und die Weinlese.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Herbst ist seit dem 8. Jahrhundert belegt. Das Wort geht zurück auf germanisch *harbista- „Herbst“, für das eine ältere Bedeutung „Ernte“ angenommen wird. Althochdeutsch herbist bezeichnete die dritte Jahreszeit, die Zeit der Ernte und die Monate September, Oktober, November. Noch im Mittelhochdeutschen sind die Bezeichnungen der erst herbst für September, der ander herbst für Oktober und der drit herbst für November belegt.

Mit Herbst wurde jedoch nicht nur die dritte Jahreszeit benannt, sondern auch die Zeit und der Vorgang der Ernte. Im speziellen stand Herbst für die Weinlese, die im 16. Jahrhundert auch Herbstung genannt wurde. In den Wörtern Weinlese und Traubenlese hat sich die ursprüngliche Bedeutung von lesen „sammeln“ erhalten. Die heutige Verwendung von lesen „ein Buch, einen Text, usw. lesen“ entwickelte sich aus der Bedeutung „den Schriftzeichen folgen, die Schriftzeichen auflesen“. Schon im Mittelhochdeutschen wurde das Traubenlesen mit dem Wort herbesten „herbsten“ bezeichnet. In der deutschen Winzersprache ist das Wort herbsten mit der Bedeutung „Wein lesen, Trauben lesen“ bis heute lebendig. ___STEADY_PAYWALL___

Die Grundherren beaufsichtigten die Weinlese oft nicht selbst, sondern schickten einen Vertreter, der Herbstherr genannt wurde. Der Herbstherr musste von den Pächtern verpflegt oder mit Naturalabgaben bezahlt werden. Ab dem 16. Jahrhundert begegnet das Wort Herbster „Traubenleser, Weinleser“ als Bezeichnung für Personen, die Trauben ernten. In der deutschen Winzersprache ist das Wort Herbster bis heute im Gebrauch, ebenso wie das Wort Herbsthelfer „Weinlesehelfer“. Und auch bei den Bezeichnungen der Gerätschaften, die bei der Weinlese verwendet werden, begegnet das Wort Herbst in Zusammensetzungen bis heute in der Bedeutung „Ernte, Lese“, wie beispielsweise Herbstkübel und Herbsteimer „Gefäß, in das die geernteten Trauben hineingegeben werden“, Herbstschere „Schere zum Abschneiden der Trauben“ oder Herbstleiter „Leiter am Lesewagen“.

Mancherorts waren im Herbst auch Naturalabgaben zu erbringen. Diese Abgaben wurden nach der Jahreszeit benannt, in der sie abzuliefern waren. So finden sich in den Belegen Herbstgans, Herbsthahn, Herbsthuhn oder Herbsthenne, Herbsthammel, Herbstschaf, Herbstschwein, Herbstsau und Herbstkuh.

Und schließlich begegnet in den Schiffordnungen des Landes Salzburg das Wort Herbstmeister. Die Schiffordnungen waren Regelwerke für die Salzschifffahrt auf der Salzach und der Abnahme der Salzlieferungen in Laufen und Bayern. Mit Meister oder Meistersalz wurde ein bestimmte Menge Salz bezeichnet, die im Schiffskonvoi von Hallein nach Laufen gebracht wurde.

Die Erneuerte Schiffordnung des Erzstifts Salzburg vom 1. März 1616 findet sich in der Sammlung des bairischen Bergrechts, die der Hof-Münz und Bergrat Johann Georg Lori im Jahr 1764 zusammenstellte. Hier steht zu lesen: Es ist von Alters hero die Ordnung des salzburgischen Schifrechts gewesen […], daß der gehenden Schif, so salzburgerische erzbischöfliche Schif genennet werden, […], zu allerzeit in einer richtigen und gewissen Anzahl auf die Hallfarthen, und Meistersalz gewiedmet seyn sollen […].

Eine genaue Definition von Meistersalz und Herbstmeister findet sich dann im angehängten dritten Register, in dem Lori Sonderbare baierische Bergwörter erklärt. Meistersalz bezeichnete 15 Fahrten von Hallein nach Laufen, die Hallfahrten genannt wurden, und im Sommer bis zum St. Rupertsfest am 24. September stattfanden. Diese Fahrten wurden auch Sommermeister oder Sommersalz genannt. Mit Herbstmeister oder Wintersalz wurden die 12 Hallfahrten bezeichnet, die zwischen St. Rupert und Weihnachten durchgeführt wurden.

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Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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