Irina Badavi mit Angela Kandt: Wenn der Pfau weint

Die Autorin lebt anonym in Deutschland

Die Autorin lebt anonym in Deutschland | Foto: KTraintinger

Autorinnen: Irina Badavi mit Angela Kandt
Titel: Wenn der Pfau weint – wie ich mich als Jesidin aus der Gewalt einer Parallelgesellschaft in Deutschland befreien konnte
ISBN: 978-3-641-19848-0
Verlag: Gütersloher Verlagshaus in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Erschienen: 2016

Im Online – Buch – Shop vorort kaufen

Klappentext

Eine Jesidin in Deutschland – mehr als ein Erfahrungsbericht

»Wenn ich nicht weggehe, sind wir bald tot!« Die Lebensgeschichte der Jesidin Irina handelt von Zwangsheirat, Demütigung, Gewalt und Verfolgung. Mitten in Deutschland war sie den Mechanismen einer kruden Parallelgesellschaft ausgeliefert. Doch die junge Frau wehrt sich und befreit sich aus der ihr aufgezwungenen Ehe mit einem unfassbaren Überlebenswillen, viel Mut und einer Kraft, die aus Wut, Entschlossenheit und der Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung erwächst. Auf diesem Weg hatte sie das Glück, in entscheidenden Momenten die richtigen Menschen zu treffen, die ihr geholfen haben. Eine zentrale Frage dieses Buches ist auch, warum sich gerade in unserer liberalen und offenen Gesellschaft immer wieder frauenverachtende Parallelgesellschaften bilden können.

Info:
Die Jesiden sind eine religiöse Minderheit im nördlichen Irak mit mehreren hunderttausend Angehörigen. Im Zentrum dieses monotheistischen Glaubens steht u.a. Melek Taus, der »Engel Pfau«.
– Ein Einblick in die verschlossene Welt der Jesiden
– Zwangsheirat, Gewalt, Verfolgung und Befreiung: die erschütternde Geschichte einer starken Frau

„Es ist diese Kultur des Wegschauens, die es auch in Deutschland gebe, die Irina Badavi anprangert.“

Irina Badavi, geb. 1980 in Tiflis, Georgien, als das zweite von vier Kindern. Ihre Eltern sind zu jenem Zeitpunkt 18 und 17 Jahre alt. Die Familie kommt Mitte der 90er-Jahre nach Deutschland, nachdem Irina gerade ihren georgischen Realschulabschluss gemacht hat. Im Alter von 16 Jahren wird sie mit einem Jesiden verheiratet, der bereits Ende 20 ist und als psychisch instabil gilt. Irina bekommt erst einen Sohn, dann eine Tochter. Am 1. Oktober 2004 gelangt sie nach einigen Jahren, die geprägt waren von Demütigungen, Gewalt und Vergewaltigungen, über die Ausländerbehörde mit ihren Kindern in ein Frauenhaus. Es folgen jahrelange Prozesse, Verfolgungen, Bedrohungen, Mordversuche, immer wieder Ängste. Aber mit viel fremder Unterstützung, mit Therapien und noch mehr eigener Entschlossenheit schafft sie es, für sich und ihre beiden Kinder ein neues Leben aufzubauen. Irina lebt heute mit ihren beiden Teenagerkindern in in einer norddeutschen Großstadt. Sie arbeitet als Traumaberaterin und in der Flüchtlingsarbeit als Dolmetscherin.

Anni Lemberger

Rezension von Anni Lemberger

Das Buch handelt von einer besonders starken Frau – einer Frau, die in einem patriarchalischen System sozialisiert wurde, von diesem genutzt und benutzt wurde und es trotzdem nach jahrelangem Martyrium schaffte, davon los zu kommen und ihr eigenes Leben zu führen.

Obwohl die Ersterscheinung des Buches schon 4 Jahre zurückliegt, ist das Thema aktueller denn je: Die Bildung  von Parallelgesellschaften, wenn Integration nicht gelingt. Für viele Menschen in diesen Parallelgesellschaften scheinen geltende Gesetze und Rechte nicht vorhanden zu sein, sie machten ihre eigenen Gesetze und verteidigen diese massiv gegenüber ihrem Gastland.

Als weiteres Thema greift dieses erschütternde und aufrüttelnde Buch auch das Thema „Patriarchat“ auf – ein System in dem Frauen rechtlos sind. Während Feministinnen in einer Demokratie um „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ kämpfen, übersehen sie oftmals die wirklichen Probleme und Menschenrechtsverletzungen von Frauen in Parallelgesellschaften  – das inmitten von demokratischen Ländern. Hier werden Ethnien und/oder Religionen und ihre Traditionen missbraucht, um Macht gegenüber Frauen auszuüben und diese dabei massiv zu unterdrücken.

Die dritte Botschaft des Buches ist ein gefährlicher Rosenkrieg im Rahmen einer Scheidung, der nichts mit der Ethnie oder Kultur zu tun hat.

Bewusst habe ich die Kultur der Jesiden in meiner Beschreibung nicht erwählt, weil die Unterdrückung von Frauen fast in jedem Patriarchat ähnlich ist  und auf ähnliche System übertragbar ist.

image_pdfimage_print

Dorfladen

Über den Autor

Anna Lemberger
Geboren in Zederhaus/L ungau/ Salzburg. Seit dem Ende ihrer aktiven Berufslaufbahn als Diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester 2017 (nach 42 Berufsjahren) liest sie vorwiegend Bücher Österreichischer Autorinnen und Autoren und schreibt Rezensionen dazu. Anni Lemberger betreibt außerdem eine FB Seite, auf der sich LeserInnen und AutorInnen virtuell treffen und austauschen können.

Kommentar hinterlassen zu "Irina Badavi mit Angela Kandt: Wenn der Pfau weint"

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.