„Die Blume von Hawai“ – Turbulenzen im Südseeparadies

„Die Blume von Hawaii“ – Turbulenzen im Südseeparadies

Zum Saisonauftakt begeisterte Marco Dotts schwungvolle, farbenfrohe Neufassung von Paul Abrahams 1931 uraufgeführter Jazzoperette das Publikum im Salzburger Landestheater. Laut Intendant Carl Philip von Maldeghem ist das „derzeit die sicherste Möglichkeit, nach Hawaii zu reisen“. Bei der Premiere am 19. September 2020 wurde kräftig applaudiert, Standing Ovations waren leider nicht erlaubt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

In dem von den USA besetzten Hawaii wollen Separatisten der „Royal family“ wieder auf den Thron verhelfen. Gouverneur Harrison hält die Truppe zwar nur für harmlose Spinner und lächerliche Querulanten, hat jedoch zwei Hollywoodstars zur Unterstützung seines Wahlkampfes nach Honolulu eingeladen.

Suzanne Provence mit ihren hawaiianischen Wurzeln wäre dafür ideal, doch sie will sich politisch nicht vereinnahmen lassen. Auch Prinz Taro und der Separatistenführer Kaluna versuchen, sie für ihre Zwecke einzuspannen, sieht sie doch der verschwundenen Prinzessin Laya zum Verwechseln ähnlich. Suzanne soll sich daher beim jährlich stattfindenden Blumenfest zur Blumenkönigin wählen lassen und anschließend ihre Verlobung mit Prinz Taro bekanntgeben. Sie fühlt sich jedoch zu Kapitän Stone hingezogen, hatte sie doch auf der Überfahrt eine prickelnde Affäre mit ihm. Ihr Bühnenpartner, der smarte Will Roy, will sich auf der Insel einfach nur amüsieren und hat die Wahl zwischen der quirligen Cousine des Gouverneurs, Bessie, und der hübschen Hawaiianerin Raka. Die beiden emanzipierten Damen machen ihm die Wahl nicht leicht und auch Buffy, der etwas einfältige Assistent des Gouverneurs, mischt noch ordentlich mit. Das große Blumenfest endet im Chaos und erst im 3. Akt finden bei einer Filmpreisverleihung in Los Angeles die richtigen Paare zueinander. ___STEADY_PAYWALL___

Schilder mit Aufschriften wie „Free Hawaii“, „We don‘t need the US“ und „Hawaiiexit now“ sorgen für Unruhe im tropischen Inselparadies. Der gewiefte Gouverneur (Marco Dott) hat einen Plan. Er will seine Cousine Bessie mit Prinz Taro (Franz Supper) verheiraten, denn dann wäre er alle Probleme los. Die temperamentvolle junge Dame (hinreißend Sophie Mefan) sucht jedoch einen Mann wie ein Cocktail und keinen Prinzen. Lieber steppt sie gemeinsam mit dem berühmten Jazzsänger Will Roy (großartig Andreas Wolfram) zu den Klängen des Ohrwurms „My little boy“. Doch auch die kleine Hawaiianerin Raka (Hazel McBain) hat ein Auge auf den smarten, wenn auch anfangs etwas oberflächlichen jungen Mann geworfen. Kapitän Stone (Luke Sinclair) schmachtet einzig und allein nach der schönen Suzanne Provence (Laura Incko). Für sie setzt er sogar seinen Job aufs Spiel.

Für unfreiwillige Komik sorgt immer wieder der gutherzige, aber etwas trottelige Buffy, den Alexander Hüttner glaubhaft und überzeugend verkörpert. Zum richtigen Hawaii-Feeling gehören natürlich tanzende Hula-Mädchen und kräftige Männer in Baströckchen. Drei Damen und drei Herren des Ballettensembles sorgen in der mitreißenden Choreographie von Josef Vesely und Kate Watson für bestes Südseestimmung.

Dramaturgin Friederike Bernau und Regisseur Marco Dott haben Paul Abrahams Original gekürzt, aktualisiert und ein Paar Namensänderungen vorgenommen. So wird der  abwertend klingende Jim Boy zu Will Ray und der königstreuen Kanako Hilo zu Kaluna. Das Mozarteumorchester unter der Leitung von Gabriel Venzago bringt die früher als „blechern“ verschrienen jazzigen Operettenklänge kraftvoll zum Swingen. Christian Floeren hat das „Paradies am Meeresstrand“ mit Showtreppe, Glitzerpalmen und großflächigen Projektionen auf die Bühne gezaubert.

Man sollte sich diese witzige, spritzige Jazzoperette mit ihren feurigen Rhythmen nicht entgehen lassen, denn die gute Stimmung auf der Bühne schwappt direkt in den Zuschauerraum über und lässt die derzeitigen Einschränkungen fast vergessen.

„Die Blume von Hawaii“ – Operette in drei Akten von Alfred Grünwald, Fritz Löhner-Beda und Imre Földes. Musik von Paul Abraham. Musikalische Leitung: Gabriel Venzago. Inszenierung: Marco Dott. Choreographie: Josef Vesely und Kate Watson. Bühne: Christian Floeren. Kostüme: Bettina Richter. Mit: Franz Supper, Samuel Pantcheff/George Humphreys, Marco Dott, Alexander Hüttner, Sophie Mefan, Luke Sinclair, Hazel McBain, Laura Incko, Andreas Wolfram. Chor und Ballett des Salzburger Landestheaters. Mozarteumorchester Salzburg. Fotos: SLT/ Anna-Maria Löffelberger

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Dorfladen

Über den Autor

Elisabeth Pichler
Geb. 1946 in Salzburg,1964 Matura im Realgymnasium. Abiturientenlehrgang HAK. 2000 Ausbildung zur ehrenamtlichen Bibliothekarin und seither in der öffentlichen Bibliothek Hallwang tätig. “Theater war schon immer meine große Leidenschaft und scheinbar ist es mir auch gelungen, diese Begeisterung an meine Kinder weiterzugeben.” Elisabeth Pichler besucht für die Dorfzeitung Theateraufführungen und Konzerte und liest neue Bücher.

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