Schrank und Schranken – Abgeschlossener Raum und Absperrung

Drösing Schutzdamm

Drösing, Marsch, Schranke am Hochwasserschutzdamm | Foto: Karl Traintinger, Dorfbild

Die Worte Schrank und Schranken bezeichneten ursprünglich eine Absperrung, ein Gitter oder eine Einfriedung und gehen auf die Tätigkeitsbezeichnung schränken zurück.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort schränken hatte ursprünglich die Bedeutung „etwas über Kreuz setzen, schräg stellen, flechten“. Da Absperrungen und Zäune oft aus gekreuzten Ästen errichtet wurden, Gitter aus übereinanderliegenden Einzelteilen bestehen, erhielten diese Absperrungen die Bezeichnung Schrank oder Schranke mit der eigentlichen Bedeutung „etwas über Kreuz gesetztes, Geflochtenes, das zur Absperrung, Abgrenzung dient“. So konnten mittelhochdeutsch schranc und schranke eine Absperrung, die Abgrenzung der Kampfbahnen am Turnierplatz, ein Gitter, eine Einfriedung, einen abgeschlossenen Raum oder Ort, aber auch eine Umarmung bezeichnen. ___STEDY_PAYWALL___

Die Bedeutung „abgeschlossener Raum, Ort“ wurde auch auf Gegenstände übertragen, in die etwas eingeschlossen werden kann. So erhielt das Wort Schrank die Bedeutung „(abgeschlossenes) Behältnis“. Heute finden sich in unserem Sprachgebrauch eine Vielzahl von Schränken, wie beispielsweise Aktenschrank, Bücherschrank, Einbauschrank, Geldschrank, Giftschrank, Kleiderschrank, Küchenschrank, Kühlschrank, Wandschrank oder Wäscheschrank.

Das Wort Schranke und die Variante Schranken bezeichnen in unserem heutigen Sprachgebrauch lange Stangen oder Gatter, die waagrecht oder senkrecht bewegbar sind und Durchgänge und Übergänge absperren. Die alte Bedeutung von Schranke bzw. Schranken hat sich jedoch bis heute in verschiedenen Redewendungen erhalten.

Die Redewendung jemanden in seine Schranken weisen für „jemanden zurechtweisen, jemanden seine Grenzen zeigen“ entstammt dem Sprachgebrauch vor Gericht. In germanischer Zeit fanden Gerichtsverhandlungen unter freiem Himmel statt. Die Gerichtsorte wurden vor den Zusammenkünften mit Zäunen aus Zweigen, Ästen und Geländern abgegrenzt, die Schranken genannt wurden. Die Zuschauer mussten hinter diesen Absperrungen bleiben und durften die Schranken nicht übertreten. Wenn die Zuschauer nicht hinter den Schranken blieben, wurden sie von den Richtern in die Schranken verwiesen. Eine Variante dazu ist die Redewendung jemandem oder einer Sache Schranken setzen für „jemandem oder einer Sache Grenzen setzen, etwas verhindern oder unterbinden“.

Anders als die Worte Schrank und Schranke ist das Wort schränken aus unserem allgemeinen Sprachgebrauch weitgehend verschwunden, hat jedoch in Zusammensetzungen wie verschränken, einschränken, beschränken oder beschränkt überlebt.

In dem Wort verschränken hat sich die alte Bedeutung „etwas schräg übereinander legen, flechten“ erhalten. So sagen wir heute die Arme verschränken oder die Beine verschränken, wenn wir Arme oder Beine übereinander legen.

Das Bedeutungselement des Begrenzens hat sich in dem Wort einschränken erhalten. Ursprünglich bedeutete einschränken „mit Schranken zurückhalten“. Im 18. Jahrhundert entstand die übertragene Bedeutung „einengen, sich begnügen“. So sagen wir heute wir müssen uns einschränken für „sich mit weniger begnügen, bescheidener leben“.

Das Wort beschränken hatte im Mittelalter die Bedeutung „mit Schranken umgeben, umklammern, versperren, verstopfen“. Erst im 18. Jahrhundert kam für beschränken die Bedeutung „einengen, begrenzen, sich begnügen“ dazu. Für das Wort beschränkt entwickelte sich daraus die Bedeutung „engstirnig, geistig unbeweglich“.

Es wurden aber auch Zusammensetzungen mit schränken gebildet, die das Gegenteil von Grenzen setzen oder eingrenzen ausdrücken, nämlich die Worte unbeschränkt, unumschränkt und uneingeschränkt. Diese drei Worte sind Ausdrücke, die Unbegrenztheit und Schrankenlosigkeit (!) ausdrücken und in beliebigen Kontexten verwendbar sind, wie zum Beispiel unbeschränkte Macht, unbeschränkte Kapazitäten, unbeschränkte Dauer, unumschränkte Vollmacht, unumschränkte Herrschaft, uneingeschränktes Vertrauen, uneingeschränktes Recht und uneingeschränkte Freiheit.

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Dorfladen

Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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