„Die schwarze Witwe“ – La Femme Finale

Witwe

Nach „Der Begleiter“ hat Jurek Milewski wiederum eine schwarzhumorige Komödie der in ihrem Heimatland viel gespielten polnischen Autorin Anna Burzynska übersetzt. In dem turbulenten Zwei-Personen-Stück versucht er, sich als verklemmter Angestellter gegen ein temperamentvolles Vollblutweib (seine bewährte Partnerin Judith Brandstätter) durchzusetzen. Die Premiere fand am 14. Oktober 2020 im Kleinen Theater statt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Georg Dezember ist ein echter Unglücksrabe, denn in seinem Leben lief bisher so gut wie alles schief. Da er als Nachtportier für eine große Firma arbeitet, fasst er den Beschluss, seinem erbärmlichen Dasein im Büro ein Ende zu setzen. Hier gibt es nämlich ein großartiges Putzteam und er will ja keine Umstände bereiten. Natürlich misslingt auch der letzte Anruf bei seiner Mutter und so besteigt er zu den Klängen von „Time to Say Goodbye“ (Con te partirò) seinen Schreibtisch, um sich die selbstgebastelte Schlinge über den Kopf zu ziehen. Das Buch „Letzte Worte großer Persönlichkeiten“ hat er genauestens studiert und so will er mit den Worten Zar Alexanders „Was für ein schöner Tag!“ aus dem Leben scheiden. Genau in diesem Moment stolpert eine schwarzgekleidete Dame ins Zimmer, kippt den Kleiderständer um und verteilt den Inhalt ihrer Handtasche quer durchs Zimmer. Dass sie „den sich erhängen Wollenden“ gestört hat, tut ihr zwar sehr leid, doch fordert sie ihn auf, ruhig weiterzumachen, denn sie sei eine begnadete „Augenverschließerin“. Aber jetzt ist er nicht mehr in der Stimmung und will sein Vorhaben erst mal verschieben.

Was hat die schwarze Lady eigentlich hier zu suchen? Bei Recherchen im Internet ist sie auf seinen Namen gestoßen, denn auf www.unglueck.com ist er unangefochten die Nummer 1. Nachdem bisher alle ihre Männer im Grab gelandet sind, will sie sich jetzt mit einem echten Unglücksraben verbinden. Jemand, der so viel Pech hatte, müsste doch eigentlich schon immun sein. Der Kampf dieser „Femme Finale“ um die Seele des Versagers kann also beginnen.

Jurek Milewski gibt den glücklosen armen Wicht, der laut seiner Gegnerin auch „nicht allzu viel Hirn“ abbekommen hat. Wenn es aber wirklich zur Sache geht, schafft er es doch, die schwarze Witwe auszutricksen. Judith Brandstätter versteht es in ihrer Rolle, all ihre offensichtlichen Reize auszuspielen, und bringt so den verklemmten Nachtportier völlig aus der Ruhe. Sie verspricht ihm ein neues, aufregendes Leben, kein Wunder also, dass er da schwach wird. Das Stück hat aber noch weitere Überraschungen parat. Warum sitzt der Chef der Firma plötzlich rauchend vor der Tür? Steckt wirklich die Mafia hinter dem feigen Attentat mit der faulen Kiwi?

Susanna Szameit hat die Komödie mit viel Tempo und Gespür für das richtige Timing in Szene gesetzt. Spannung und Humor halten sich die Waage und garantieren einen unterhaltsamen Theaterabend, den wir alle in Zeiten wie diesen dringend brauchen können.

„Die schwarze Witwe“ – La Femme Finale. Miluna Theater. Komödie von Anna Burzynska. Übersetzer: Jurek Milewski. Regie: Susanna Szameit. Bühne: Alois Ellmauer. Mit: Judith Brandstätter & Jurek Milewski | Fotos: Christian Traweller

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Dorfladen

Über den Autor

Elisabeth Pichler
Geb. 1946 in Salzburg,1964 Matura im Realgymnasium. Abiturientenlehrgang HAK. 2000 Ausbildung zur ehrenamtlichen Bibliothekarin und seither in der öffentlichen Bibliothek Hallwang tätig. “Theater war schon immer meine große Leidenschaft und scheinbar ist es mir auch gelungen, diese Begeisterung an meine Kinder weiterzugeben.” Elisabeth Pichler besucht für die Dorfzeitung Theateraufführungen und Konzerte und liest neue Bücher.

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