„Tanto … Tango!“ – Alles ist möglich!

Reginaldo Oliveira und Flavio Salamanka haben sich von der spannenden und komplexen Geschichte des Tangos inspirieren lassen und dann ihre ganz eigene Interpretation kreiert. Der Rhythmus des Tangos und die hervorragende Performance des Ballettensembles des Salzburger Landestheaters begeisterten am 18. Oktober 2020 das Premierenpublikum.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Eigentlich war die Premiere dieses Tango-Abends für Mai dieses Jahres geplant. Doch dann kam Corona und es ging plötzlich gar nichts mehr. Nun sieht es Intendant Carl Philip von Maldeghem als Privileg, dass überhaupt gespielt werden darf. Natürlich ist alles streng reglementiert, die Tänzerinnen und Tänzer führen ein Gesundheitstagebuch und so müssen sie auf der Bühne auch keine Abstandsregeln einhalten.

Nach einer grandiosen, spannungsgeladenen Gruppenchoreographie vor einer Lagerhalle geht es ab in einen schummrigen Tango-Salon. Hier lümmeln die Herren breitbeinig auf ihren Stühlen, während sich die Damen äußerst aufreizend geben. Sechs ganz unterschiedliche Paare zeigen ihr Können und machen die enorme Erotik und Aggression dieses Tanzes deutlich. Besonders kraftvoll zeigen zwei Herren, Flavio Salamanka und Klevis Neza, in ihrer Performance die vielen Möglichkeiten des Tangos, denn „in der Abwechslung von heftigen Bewegungen und plötzlichen spannungsgeladenen Pausen entsteht der Eindruck von zurückgehaltener Kraft und gebändigter Leidenschaft“.

Wenn sich der Schleier hebt und die Bühne in hellem Licht erstrahlt, kann man auch die raffinierten Kostüme der Tänzerinnen und Tänzer bewundern. Anfangs tragen die Herren graue Bundfaltenhosen mit Hosenträgern und weiße Unterhemden, die Damen flatternde Blusen über goldenen Corsagen. Nach und nach ändert sich das und schließlich stecken die Herren in den Corsagen und die Damen tragen Bundfaltenhosen, eine überaus interessante und amüsante Mischung. Auch in dieser Produktion spielen Stühle eine große Rolle, denn Reginaldo Oliveira ist ein Meister in der artistischen Nutzung dieses ganz alltäglichen Möbelstücks. Diesmal lässt er die Stühle auch wie in einem surrealistischen Bild an den Wänden kleben. Die Bühnenkonstruktion (Ausstattung: Flavio Salamanka und Reginaldo Oliveira; Realisation Bühne: Eva-Maria Hinteregger) sorgt ebenfalls immer wieder für Überraschungen, denn mal wird in einem kleinen, intimen Holzstübchen getanzt, dann wieder auf Treppen geturnt und über Dächer geklettert. In den massiven Wänden verstecken sich Klapptüren, aus denen zum Finale die Tänzerinnen und Tänzer herauspurzeln und nun nach dieser durchtanzten Tango-Nacht leicht beschwipst nach Hause torkeln.

Für diesen hinreißenden Abend voll Erotik, Melancholie, Erregung und Leidenschaft erntete das gesamte Ensemble viel Applaus. Ein Wermutstropfen war jedoch die anschließende Verabschiedung von Primaballerina Márcia Jaqueline, die in den letzten drei Jahren als Medea, Cinderella, Desdemona und Julia das Publikum begeistert hat. Nun verlässt sie Salzburg und kehrt nach Rio de Janeiro zurück.

„Tanto…Tango!“ – Idee, Choreographie und Ausstattung: Flavio Salamanka und Reginaldo Oliveira. Kostüme: Stephanie Bäuerle. Realisation Bühne: Eva-Maria Hinteregger. Licht: Lukas Breitfuss. Mit: Valbona Bushkola, Karine de Matos, Chigusa Fujiyoshi, Márcia Jaqueline, Mikino Karube, Moeka Katsuki, Harriet Mills, Larissa Mota, Diego da Cunha, Iure de Castro, Lucas Leonardo, Niccolò Masini, Paulo Muniz, Klevis Neza, Cassiano Rodrigues, Flavio Salamanka. Fotos: © Tobias Witzgall / SLT

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Dorfladen

Über den Autor

Karl Traintinger
Dr. Karl Traintinger ist der Herausgeber und leitende Redakteur der Dorfzeitung. Die Dorfzeitung ist seit September 1998 unter dem Motto: "Dorf ist überall" online. 2018 kam das Dorfradio, das Radiomagazin der Dorfzeitung dazu. Es wird jeden ersten Montag im Monat von der Radiofabrik in Salzburg ausgestrahlt und kann zudem weltweit gestreamt werden.

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