Polizei im Geburtshaus von Adolf Hitler

Hitlerhaus

Braunau am Inn,Hitlerhaus | Foto: KTraintinger

Ein offener Brief an den für das Hitlerhaus zuständingen Innenminister Karl Nehammer, MSc.

Sehr geehrter Herr Bundesminister Nehammer,

bitte fassen Sie die folgenden Zeilen nicht als persönliche Attacke auf – ich weiß sehr wohl, dass die Entscheidung, im Geburthaus Hitlers eine Polizeistation einzurichten, nicht von Ihnen ausgeht, sondern von Ihrem Vorgänger Wolfgang Peschorn entschieden wurde. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch Sie von dieser Lösung nicht besonders angetan sind. Erlauben Sie mir deshalb bitte die folgenden Anmerkungen. 

Der Abriss oder die unpassende Umnutzung geschichtlich betroffener Architektur oder Gebäude löscht die Geschichte nicht aus, sondern verunklärt die notwendige Erinnerung.

Es gibt gute Beispiele, wie solche Monumente eine neue, aber auf die Geschichte bezogene Deutung erhalten können – ohne das Hitlerhaus als Monument zu bezeichnen, eher als Gedächtnisstütze – sind etwa folgende Architekturen, die durch geschichtsbezogene Umdeutung zu wahren Denkmälern geworden sind, Denkmäler in dem Sinne, dass der vorangegangenen unguten Geschehnisse gedacht wird: 

Da ist einmal das Siegestor auf der Ludwigstraße in München. Es wurde aus militärischem Hochmut vor dem Ersten Weltkrieg zu “Ehren” des Bayerischen Heeres – also der siegesbewussten kriegerischen Auseinandersetzung – geweiht. Während der Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg wurde dieses “Siegestor” schwer beschädigt. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde eine architektonische Lösung gefunden, welche die Beschädigungen durch einfache Ausbesserungen kenntlich ließen. Entscheidend war aber die geänderte Inschrift über dem Torbogen: “Dem Siege geweiht, im Kriege zerstört, zum Frieden mahnend“. Eine hervorragende gedankliche Umdeutung der Katastrophe militärischen Hochmuts statt friedlicher Lösungen. 

Zum anderen zeigt das Siegestor in Bozen, dass es grundfalsch ist, die Erinnerungen an das geschichtliche Unrecht zu löschen und so zu tun, als sei nichts geschehen. Gegen den Wunsch vieler durch dieses Bauwerk mit der beleidigenden Inschrift “Hic siste signa…(weiter auf Deutsch) von hier aus haben wird den anderen (Südtirolern) Sitte und Kultur beigebracht” in ihrer Würde getroffenen Südtiroler ist es nicht abgesrissen worden, sondern man hat in ihm ein Informationszentrum über den Nationalsozialismus und den Faschismus eingerichtet (sehr zum Ärger mancher Italiener, die sich immer noch als Herrenmenschen in Südtirol fühlen und durch ein Referendum verhinderten, dass der Siegesplatz in Friedensplatz umbenannt werden konnte). 

Man kann Geschichte nicht einfach auslöschen. Man muss sie umwandeln in ein Verständnis für das schreckliche Geschehen, auf das spätere Generationen daraus lernen. Leider wollen die wenigsten etwas lernen, sondern lieber Unliebsames verdrängen. 

Das sollte übrigens mit den Nazibauten in Berlin zum Umzug der Bundesregierung aus Bonn auch geschehen: Ursprünglich war der Abriss dieser Architekturen (z.B. des Reichsluftfahrtministeriums) geplant. In meiner Zeit als Präsident des Bundes Deutscher Architekten BDA konnte ich bei Gesprächen mit dem damaligen Bundesbauminister mitwirken, dass die Bauten erhalten und einer neuen demokratischen Nutzung zugeführt werden konnten. 

Der Sinn dieser Erwähnung guter Beispiele soll dazu beitragen, sich eine geschichtsbewusste Nutzung für das Geburtshaus Hitlers zu überlegen, etwa als Haus der Versöhnung und der Verantwortung dafür, dass sich solche dämonischen Entgleisungen, die Hitler bewirkt hat, nicht wiederholen können. Dafür könnten Sie sich als Innenminister einsetzen und sich als moralische Instanz würdevoll profilieren.

Das wünsche ich mir als 1941 geborenes Kriegskind, traumatisiert in Bombennächten und im Gedenken an in KZs umgekommene Familienmitglieder. 

Ich wünsche Ihnen aber auch Erfolg in Ihrer Arbeit, vor allem nach den tragischen Geschehnissen islamistischen Terrors in Wien.

Mit hochachtungsvollen Grüßen

Ihr
Andreas Gottlieb Hempel

Das Hitlerhaus in der Dorfzeitung >

Info zum Autor:
Prof. Dr. arch. Andreas Gottlieb Hempel
Publizist, Architekt und Buchautor
Präsident des BDA 1995-1999
Dipl.-Sommelier AIS
Bierexperte
Genussbotschafter Südtirol
Natur- und Landschaftsführer

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