Mein Besuch bei alten Bäumen (1) Die Kaiserbuche auf dem Haunsberg

Kaiserbuche

Die Kaiserbuche 2001 | Foto: Karl Traintinger

Wann immer ich in der Natur unterwegs bin, gilt mein besonderes Augenmerk alten Bäumen. Diese Riesen im Pflanzenreich haben oft eine bewegte Geschichte und könnten uns so manches erzählen.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Manche sind ziemlich bekannt und wurden zum Gedenken an besondere Ereignisse gepflanzt, andere fand ich nur durch etwas Glück. Sie hielten oft Jahrhunderte lang Stürmen und Schnee stand und manchmal wurden sie nur durch Zufall vor der Gier der Menschen nach besonderem Holz gerettet.

In ihrem Schutz oder Schatten lagerten Soldaten, Fuhrleute und Bauern, Wanderer die von einem Gewitter überrascht wurden, suchten Schutz darunter weil sie dachten, wenn Jahrhunderte kein Blitz eingeschlagen hatte, konnte es dort nicht so gefährlich sein. Wilderer versteckten sich dahinter und Liebespaare trafen sich dort. Auch so manches Kind ist wohl unter ihrer Krone gezeugt worden.

Das Alter der von mir besuchten Bäume reicht dabei von hundert bis über 4.000 Jahre. Leider sind viele von den Methusalems inzwischen verschwunden: Von Stürmen umgerissen, vom Schnee beschädigt, der Umweltverschmutzung zum Opfer gefallen oder von einem Grundbesitzer umgeschnitten, um zu Bau- oder Möbelholz verarbeitet zu werden.

Die Kaiserbuche auf dem Haunsberg

Wer von der Lamprechtshausener Straße in Weitwörth abfährt, in die Nußdorfer Landesstraße einbiegend, der kommt nach kurzer Strecke zur Abzweigung der Haunsberger Landesstraße. Wenige Meter weiter auf der Nußdorfer Landesstraße würde es nach oben zum Schlößl gehen. In Schlößl steht eine kleine Kirche, die aber trotz ihrer geringen Größe zwei Kanzeln hat. Hinter der Kirche ein Gasthaus. Vom Vorplatz der Kirche hat man einen prächtigen Ausblick bis ins Innviertel.

Ausblick von der Kirche St. Pankraz über das Oichtental, Foto: Wolfgang Bauer
Filialkirche St. Pankraz, Foto: Wolfgang Bauer

Dort wo heute ein Parkplatz ist, stand früher ein Schloß der Haunsperger. das längst verschwunden ist. Von hier aus fraß sich ein mächtiger Steinbruch in den Berg, der eigentlich eine Sandgrube ist. Hier wurde ab 1872 jahrzehntelang Quarzsand für die Glashütte in Bürmoos gewonnen, mit dem man Tafelglas in hervorragender Qualität erzeugen konnte. Eine Viertelstunde dem hier beginnenden Wanderweg entlang laufend kommt man zu einer senkrechten Wand aus der man früher Mühlsteine herausmeißelte, wie noch an den Spuren zu sehen ist.

Spuren von der Mühlsteingewinnung, Foto: Wolfgang Bauer

Wir aber fahren auf der in Serpentinen aufwärts führenden Straße nach einem kurzen Waldstück auf dem Kamm des Haunsberges zu einer Kapelle, einem Gedenkstein und einen kleinen Baum auf 766 Meter Seehöhe. Hier soll Kaiser Joseph II. im Jahr 1779 gestanden sein um das im Frieden zu Teschen von Bayern an Österreich gekommene Innviertel teilweise überblicken zu können. In seinen persönlichen Aufzeichnungen hat der Kaiser zwar jedes Bauerndorf auf seiner Rundreise im Innviertel und einigen Salzburger Orten erwähnt – von welchem Besuch der Landesherr, der Salzburger Erzbischof, nichts wissen sollte – kein Wort jedoch von der beeindruckenden Fernsicht am Kamm des Haunsberges geschrieben.

Von hier aus hat man eine prächtige Aussicht sowohl in das Trumer Seengebiet, wie auch auf der anderen Seite bis ins Bayrische und ins Innviertel.

An diesem Platz stand bis ins Jahr 2004 die weitum wohl allen Leuten bekannte Kaiserbuche. Obwohl „erst“ 225 Jahre alt, (wahrscheinlich aber erst 1791, ein Jahr nach dem Tod des Kaisers Joseph II. gepflanzt) konnte sie sich so alleinstehend ungehindert ausbreiten und wachsen. Sie erreichte einen Stammumfang von 6,75 Metern. 1865 errichtete man neben dem Baum eine Pyramide mit Gedenktafel, die auf den Besuch des Kaisers hinwies. Zum 50jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Josef I. im Jahr 1898 kam dann daneben noch eine kleine Kapelle dazu. 1932 ist die Rotbuche zum Kulturdenkmal erklärt worden.

Die Kaiserbuche 1999, Foto: Karl Traintinger

In einem gewaltigen Sturm im August 2004 wurde die schon länger kränkelnde Kaiserbuche entwurzelt und beschädigte dabei die Gedenk-Pyramide. Das Holz des Baumes wurde an verschiedene Heimatmuseen der Umgebung verteilt und ein Innviertler Tischler fertigte daraus exklusive Tischplatten, wie eine Zeitung berichtet.

Bilder (Wolfgang Bauer): Alte Aufnahme der Kaiserbuche mit Kapelle bei Sonnenaufgang – der Umfang der Kaiserbuche in 1 Meter Höhe betrug 1990 6,75 Meter – in Sturm hatte die Buche entwurzelt – das blieb von der einst mächtigen Rotbuche – Gedenkstein in Pyramidenform – Requiem für einen Baum – viele wollten ein Stück als Andenken mitnehmen

Wer nach dem Besuch der neuen Kaiserbuche noch wandern möchte, kann zum Gipfel des Haunsberges gehen. Vorbei an der Riesenkugel der Radarstation kommt man zu dem unspektakulär aussehenden höchsten Punkt. Diese Bergkuppe war schon um 1300 v. Chr. zumindest zeitweise bewohnt. Wer genau schaut, kann hier noch eine Wall- und Grabenanlage im Gelände erkennen.

Prähistorische Wall und Grabenanlage ist auf dem Gipfel noch sichtbar, Foto: Wolfgang Bauer

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