Herberge – Vom Heerlager zum Gästehaus

Krippenfiguren - Stille Nacht Museum Arnsdorf

Herbergsuche - Krippenfiguren - Stille Nacht Museum Arnsdorf | Foto: Karl Traintinger, Dorfbild

Das Wort Herberge bezeichnete ursprünglich eine Unterkunft für Soldaten und ist eine Zusammensetzung aus den Worten Heer „Armee“ und bergen mit der alten Bedeutung „(auf)bewahren, unterbringen, bergen“.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das althochdeutsche Wort heriberga bezeichnete anfänglich den Ort, an dem ein Heer lagerte, später das Heerlager selbst und die Menschen im Heerlager. Die Bedeutung des Wortes wurde schon früh verallgemeinert. So zeigen sich bereits im Althochdeutschen weitere Bedeutungselemente. Neben Heerlager bezeichnete heriberga auch eine Raststätte für Reisende, eine Hütte, ein Zelt, aber auch einen Aufenthaltsort oder Standort. Von heriberga wurde die Tätigkeitsbezeichnung heribergōn gebildet, die sowohl „ein Heerlager errichten; lagern“ als auch „sich in einer Herberge aufhalten, als Gast verweilen“ bedeutete. In mittelhochdeutscher Zeit wurde heribergōn zu herbërgen verändert. Die Verwendungsmöglichkeit des Wortes erweiterte sich und konnte nun „Lagerhütten aufschlagen, sich niederlassen, sein Nachtlager nehmen; Wohnung geben, beherbergen“ bedeuten. Das Wort beherbergen findet sich in mittelhochdeutscher Zeit mit der Bedeutung „mit Gästen, mit Fremden versehen“. ___STEADY_PAYWALL___

Die Herbergen im frühen Mittelalter waren zunächst Unterkünfte für Reisende, die nicht auf die Gastfreundschaft von Privatpersonen oder Klöstern zählen wollten oder konnten. Herberge „Unterkunft“ gewährten zu dieser Zeit in den Städten die Bürger. Sie erhielten dafür von den Reisenden ein Geschenk oder etwas Geld. Im ausgehenden Mittelalter wurde mit Herberge eine befristete Unterkunft für Fremde bezeichnet, aber auch ein einfaches Nachtlager oder Quartier. So bedeutete in jemandes Haus zur Herberge liegen „in jemandes Haus ein Nachtlager, ein Quartier haben“, jemanden um Herberge bitten „jemanden um ein Nachtlager bitten“. Als die Städte größer wurden und mehr Fremde und Reisende Nächtigungsmöglichkeiten benötigten, entwickelte sich daraus ein Gewerbe. Die Herbergen boten nun nicht mehr nur Schlafstellen, sondern auch Nahrung für Mensch und Pferd. Herberge bezeichnete nun eine Unterkunft, die ein Wirtshaus oder Gasthaus gegen Bezahlung gewährte.

In den Städten richteten die Zünfte eigene Herbergen ein. Der Leiter einer Zunftherberge wurde Herbergvater genannt. In diesen Herbergen fanden die Zunftversammlungen statt und sie boten Wandergesellen und Gesellen, die keine Arbeit hatten, eine Unterkunft.

Ab dem 14. Jahrhundert wurden auch Mietwohnungen und Miethäuser als Herberge bezeichnet, die Ortsfremde mieten konnten, die sich länger in der Stadt aufhielten. Ebenso Mietwohnungen oder Miethäuser für arme Familien, die sich kein eigenes Haus leisten konnten. So bedeutete jemanden von seiner Herberge vertreiben „jemanden aus der Mietwohnung, aus dem Miethaus vertreiben“.

Heute begegnet das Wort Herberge zumeist nur noch in der Zusammensetzung Jugendherberge. Die Jugendherbergen sind einfach ausgestattete, kostengünstige Unterkünfte für reisende Jugendliche.

In der christlichen Überlieferung ist die Herbergssuche ein Teil der Weihnachtsgeschichte. Im Lukasevangelium wird berichtet, wie Josef mit seiner hochschwangeren Frau Maria nach Bethlehem in Judäa reiste, weil Kaiser Augustus eine Steuerschätzung angeordnet hatte und jeder Einwohner sich in seiner Heimatstadt eintragen lassen musste. In Bethlehem fanden Maria und Josef keine Unterkunft. Deshalb legte Maria ihr neugeborenes Kind in eine Krippe.

Die Herbergssuche von Maria und Josef wird in der Vorweihnachtszeit in szenischen Darstellungen nachgespielt, die von Wechselgesängen begleitet werden. Maria und Josef ziehen auf ihrer Suche nach einer Unterkunft von einer Herberge zur nächsten. Da alle Herbergen mit Reisenden überfüllt sind, finden sie keinen Platz für die Nacht. Schließlich erbarmt sich ein Wirt des Paares und lässt sie in seinem Stall Quartier nehmen. Dort bringt Maria ihr Kind zur Welt, das später der Christus werden sollte. Daher auch die Bezeichnung Christuskind, aus der im Zeitverlauf die gekürzte Form Christkind entstand.

image_pdfimage_print

Dorfladen

Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

Kommentar hinterlassen zu "Herberge – Vom Heerlager zum Gästehaus"

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.