Schloss – Vom Türverschluss zum Prunkbau

Ein Vorhängeschloss am Makartsteg verbindet

Ein Vorhängeschloss am Makartsteg verbindet | Foto: Karl Traintinger, Dorfbild

Das Wort Schloss ist seit dem 8. Jahrhundert belegt und leitet sich von der Tätigkeitsbezeichnung schließen ab. Die ursprüngliche Bedeutung von schließen war „etwas einen Riegel geben“. Althochdeutsch slōz war daher eine Bezeichnung für einen Türverschluss.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Die ältesten Türverschlüsse waren Holzbalken, die an der Innenseite der Türen quer vorgelegt werden konnten und Riegel genannt wurden. Eine Weiterentwicklung dieser Riegel waren im Mittelalter Türverschlüsse, bei denen der Riegel in mittlerer Höhe zum Öffnen der Tür mit einem Riemen gezogen wurde. Die Technik der Türverschlüsse wurde mit der Zeit verbessert und schließlich durch Eisenschlösser ersetzt, die mit einem Schlüssel gesperrt werden konnten. Die Bedeutung von Schloss erweiterte sich mit der technischen Weiterentwicklung der Verschlüsse und bezeichnete in mittelhochdeutscher Zeit sowohl das Schloss selbst als auch den Riegel an Türen. Die alte Verbindung von Riegel und Schloss hat sich sprachlich bis heute in der Redewendung hinter Schloss und Riegel erhalten. Jemanden hinter Schloss und Riegel bringen bedeutet „jemanden ins Gefängnis bringen“ und jemand sitzt hinter Schloss und Riegel „jemand sitzt im Gefängnis“.

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Heute bezeichnet Schloss im Allgemeinen eine Vorrichtung zum Verschließen, die mit einem Schlüssel geöffnet werden kann. Um die Vielzahl der zur Verfügung stehenden Schlösser näher zu bezeichnen, wurden mit Schloss zahlreiche Zusammensetzungen gebildet, die sich auf den zu verschließenden Gegenstand beziehen, auf die Machart oder auf die Form des Schlosses. Hier sei genannt Fahrradschloss, Kofferschloss, Lenkradschloss, Speichenschloss oder Türschloss, Bügelschloss, Hängeschloss, Kastenschloss, Kettenschloss, Kombinationsschloss, Ringschloss, Sicherheitsschloss, Steckschloss, Vorhängeschloss, Zahlenschloss, Zylinderschloss und Zündschloss.

Ab dem 13. Jahrhundert wurden mit dem Wort Schloss auch Burgen bezeichnet. Diese Übertragung der Bezeichnung basiert auf der Vorstellung von Burgen als befestigte Bauten, die einerseits gut verschließbar sind und andererseits als Sperre für Täler, Straßen oder Flüsse dienten. Beispiel hierfür ist die Burg in Goldegg, die als Wehranlage konzipiert ist und den Namen Schloss Goldegg trägt. Schlösser wurden aber nicht nur auf festem Boden erbaut, sondern auch im Wasser. Diese Schlösser werden Seeschloss oder Wasserschloss genannt, wie beispielsweise Schloss Ort in Gmunden, das im Traunsee steht, oder Schloss Anif bei Salzburg, das in einem Weiher errichtet wurde.

Im 15. und 16. Jahrhundert veränderte sich die Architektur der Burgen. Die umgebenden Befestigungsanlagen wurden weniger und mit der Zeit vollständig aufgegeben. Die Bauwerke, die mit dem Wort Schloss bezeichnet wurden, erhielten ein prachtvolleres Aussehen und dienten zur Repräsentation als Fürsten- und Herrschersitze. Einhergehend mit diesen baulichen Veränderungen entwickelte sich für das Wort Schloss die Bedeutung „Palast“.

Für ihre Sommersitze ließen Fürsten und Herrscher eigene Schlösser errichten, die Lustschlösser genannt wurden. Diese Schlösser waren Privathäuser, in denen sich Fürsten und Adelige mit ihren Familien (oder Mätressen) vom Hofzeremoniell zurückziehen konnten. Prominente Beispiele dafür sind Schloss Hellbrunn in Salzburg und Schloss Schönbrunn in Wien. Die ersten Schlösser dieser Art entstanden in Frankreich im 17. Jahrhundert und wurden maison de plaisance „Haus des Vergnügens“ genannt. Nach französischem Vorbild ließ auch im deutschsprachigen Raum der Adel solche Schlösser errichten und übernahm die französische Bezeichnung maison de plaisance ins Deutsche als Lustschloss.

Und schließlich begegnet ab dem 17. Jahrhundert das Wort Luftschloss. Dieses Wort ist keine Bezeichnung eines realen Bauwerks, sondern geht auf die Redewendung Schlösser in die Luft bauen zurück, die seit dem 16. Jahrhundert belegt ist. Das Wort Luftschloss bezeichnet etwas, was sich jemand in seiner Phantasie ausmalt, aber nicht realisierbar ist und findet sich heute zumeist in den Ausdrücken Luftschlösser bauen oder das sind doch alles Luftschlösser für „das sind unrealistische Vorstellungen, Hirngespinste“.

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Dorfladen

Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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