Was ist los mit Hochburg?

Überschätzende Gigantomanie in Hochburg-Ach.

Ich habe den Bericht über die 50.000 Euro-Spende der Stadt Burghausen für den geplanten Franz Xaver Gruber Weg in Hochburg-Ach gelesen. Schön, dass sich die Gruber-Heimatgemeinde im Kreis der Stille-Nacht-Gemeinden positionieren will. Schön, dass man dazu die Bildende Kunst mit einbindet. Friede, Weltgemeinschaft, Geburtstagsanlass usw.

Von Thomas Stadler

Alles andere ist meiner Einschätzung nach allerdings in grobem Widerspruch zum Stille Nacht Lied und dessen Geisteshaltung.

Soweit ich die teils unscharfen Bilder richtig verstehe, handelt es sich um monumentale Skulpturen, deren Ausformungen jeweils die schablonenhafte Umriss-Form eines Kontinents umschlingen. Groß und golden. „Abstrahierte Engelsflügel“ ist da zu lesen. Darüber kann man streiten – zweifellos. Dann erfahre ich von mehreren Seiten, dass dafür Kosten in der Höhe von 450000 Euro veranschlagt sind. Darüber muss man streiten. Als Künstler und Kunstvermittler lässt mich diese Meldung aufschreien. Nicht aus Neid, mir geht es gut und meine Aufträge kamen immer nach öffentlichen Ausschreibungen und Wettbewerben, die ich gewonnen habe zustande. Der Hintergrund dieser Auftragsvergabe ist mir genauso wenig bekannt, wie der Künstler. Ich sehe darüber auch keine ausreichende Information. Ich lese nur einen immensen Betrag, der wesentlich aus der öffentlichen Hand mitfinanziert wird. Ich lese seit Jahren von einer Wirtschaftskrise und von Sparbudgets, ich lese, wie um Kulturbudgets wesentlich namhafterer Kunstprojekte gestritten wird. Kulturvereine, die großartige Stille Nacht Projekte initiieren, bekommen gerade einmal 600 Euro.

Wo ist Hochburg? In Paris? In London? In Salzburg gibt es zu jedem Euro Kunstförderung hart geführte Debatten – und zwar öffentliche – und das ist gut so. Stille Nacht, heilige Nacht: Ein Lied dessen schlichtes Zustandekommen seinen Charakter und Reiz ausmacht wird jetzt verkörpert durch eine Anordnung monumentaler Skulpturen um 450.000 Euro? Die Schlichtheit der Stillen Weihnacht wird jetzt mittels imperialistischer Kontinentaltafeln-Welt erobernd illustriert? Das ist in jeder Faser gegen den Geist des Liedes, das ein armer Hilfspriester und ein Dorfschullehrer im Dialog hervorbringen, (das die Herzen in aller Welt erobert, nicht die Kontinente).

Was ist los mit Hochburg? Glaubt man dort, ein Image zu schaffen? Das was transportiert werden wird, ist maßlose Geldverschwendung im Gedächtnis an den armen Dorfschullehrer und das Lied von der einfachen Weihnacht.

Die Sponsoring-Idee scheint wirtschaftsliberaler Gießkannen Ideologie abgeschaut. Demokratische Entscheidungsprozesse in öffentlichen Aufträgen sind aber längst Usus in der Kulturpolitik. Weiß man das in Hochburg? Was will man transportieren? Um welche Botschaft geht es? Ich kenne auf Anhieb zehn anerkannte Künstler, die Stille Nacht Friedenswege zu einem Zehntel dieses Preises gestalten. Hat man die auch gefragt, wenn man schon universalistisch sich als Mittelpunkt der Welt versteht?

Ist da am Ende selbst überschätzende Gigantomanie am Werk? So hinterwäldlerisch kann Hochburg doch nicht sein. Das Bildmaterial kenne ich irgend woher: War da nicht einer, der von Schlangen erdrosselt wurde, als er gegen ein hölzernes Pferd auftrat, dessen Dimension ihm verdächtg vor kam? Der Papst (mit dessen Bild der Künstler auf seiner Homepage wirbt) kennt dieses Bildnis auch. Die Botschaft der Stillen Nacht wird er so nicht lesen, davon bin ich sicher überzeugt.

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5 Kommentare zu "Was ist los mit Hochburg?"

  1. Franz Fuchs | 31. August 2010 um 22:27 |

    Man tut wohl tatsächlich der Stille Nacht-Sache nichts Gutes, wenn so übertriebene Skulpturen geschaffen werden, die mit dem Inhalt des Liedes nicht real vereinbar erscheinen. Ich finde den Beitrag von Herrn Traintinger als richtig und zur rechten Zeit.

  2. Jakob Buchner | 1. September 2010 um 19:59 |

    Gründe warum die Kritik am Stille-Nacht-Weg berechtigt ist

    Als ich die Kritik von Thomas Stadler bezüglich des Stille-Nacht-Weges gelesen habe, kam mir sofort die Situation um das Projekt Stuttgart 21 (der Umbau des Stuttgarter Bahnhofes) in den Sinn.
    Das klingt nach dem ewig alten Spiel: Ein Ort will sich ein kostenintensives „Wahrzeichen“ schaffen und prompt wird dagegen protestiert: Für gigantomanische Projekte werde Steuergeld verbraten, der Minderwertigkeitskomplex eines Ortes müsse mit teuren Bauten kompensiert werden, etc.
    Hier stelle ich mich auf die Seite der Visionäre und frage: Warum nicht Steuergelder für kleine Gemeinden im großen Stil ausgeben, um die Identität eines Ortes hervor zu streichen.
    Doch die Kritik von Thomas Stadler versucht nicht mit Stammtisch-Niveau-Argumenten dieses Projekt zu kippen. Er ist Künstler und hat reiche Erfahrung mit Kunst am Bau Projekten und weiß sehr wohl, dass die Kosten, die entstehen, um der Kunst willen zu akzeptieren sind. Abgesehen von seinem Urteil über die Ästhetik des Weges (dem ich persönlich als Kunststudent durchaus zustimmen kann) zielt seine Kritik darauf ab, wie das Projekt auf Freunderlwirtschaft-Basis zustande kam.

    Und das ist der wesentliche Unterschied zwischen Hochburg-Ach und dem einleitend von mir erwähnten Bahnhofsumbau in Stuttgart.
    Das Projekt Stuttgart 21 wurde nach einer ordentlichen Ausschreibung im Jahr 1997 an den Architekten Christoph Ingenhoven vergeben und es gibt einen parlamentarischen Beschluss für dieses Projekt. Die 20 000 Stuttgarter Demonstranten können zwar gegen die demokratische Entscheidung protestieren, der parlamentarische Beschluss ist rechtmäßig.
    In Hochburg-Ach hingegen geht irgend ein Künstler mit einer Idee zum Bürgermeister, welcher dann zum Hörer greift und kurze Zeit später liegen dann 450 000 Euro am Tisch.
    Die Höhe der Summe ist nicht zu kritisieren. Kunst kostet so viel wie sie kostet. Außerdem ist es sehr erfreulich, dass (großteils) öffentliche Gelder zur Realisierung von Kunstprojekten eingesetzt werden.
    Der Skandal besteht darin, dass so eine Summe ohne öffentlichen Wettbewerb vergeben wurde. Dass für ein Projekt mit einem Budget von 450 000 Euro nur ein einziges Entwurfsangebot eingeholt worden ist.

    Eine Ausschreibung ist dringend notwendig. Einerseits um allen Künstlerinnen die Chance und Plattform zu geben ihre Ideen und Entwürfe zu präsentieren. Andererseits auch um Kunst dieser Qualität nicht die Möglichkeit zu geben einen Ort auf Dauer zu verschandeln.

  3. Nicht weit weg von Hochburg hat der Franz Jägerstätter gewohnt, aber eben nicht mehr in Hochburg, sondern Sankt Radegund. Hochburg ist demnach in der Nähe von Sankt Radegund. Was in Sankt Radegund kulturell geboten ist, weiß ich nicht. Jedenfalls ist das Bier dort im örtlichen Wirtshaus sensationell billig. Ein Franz Jägerstätter Friedensweg ist wahrscheinlich kommerziell weniger interessant und auf der Achse Wagrain- Hallein- Salzburg – Oberdorf und Hochburg viel zu abgelegen von der Weilharter Waldstraße. So hat jede Gemeinde ihre individuellen Interessen und Schwerpunkte.
    Otmar Hutya

  4. Da geht es den Seekirchnern und Lamprechtshausenern deutlich besser. Die Wallerseer gestalten gerade unter der künstlerischen Leitung von Michael Honzak ihren Skulturenpark, die Lhausener haben schon ihr steinernes Meer im Dorf mit der Plastiksammlung von Erwin Schleindl. Bürgermeister Hans Griessner hat die Präsentation des Lebenswerkes dieses Lhausener Künstlers im Dorfzentrum zu einem, wie man hört, sensationellen Preis ermöglicht.
    Grüße vom Moos!

  5. Ach
    du schönes Hochburg
    wohin geht Dein Weg?
    Du willst Kontinente umschlingen?
    Und hältst eine Kritik aus Oberndorf
    für eine „Einmischung“ von außen?
    Wie groß ist Deine Welt?
    Die Du nach Hochburg holen willst?
    Dein „mia san mia“
    feuert jedenfalls
    Salutschüsse zum neuen Friedensbezirk
    gegen alle „Feinde“?
    Wo?
    Ja!
    K. wie Kunst?

    Mag. Thomas Stadler

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