Die Turmuhr von Arnsdorf aus 1687

Kirche Arnsdorf

Michael Neureiter, Franz Kaserer, Eduard Fersterer - Wallfahrtskirche Maria i Mösl Kirche - Einbau Turmuhrwerk 19.03.2021 | Alle Fotos: Chris Hofer

Wieder aufgebaut und demobetriebsfähig

Die historische Turmuhr in der Wallfahrskirche Maria im Mösl in Arnsdorf/ Lamprechtshausen aus 1687 ist komplett restauriert und wieder zu bewundern. Das Werk zerlegt, gereinigt, oberflächengesichert und wieder aufgebaut.

Michael Neureiter

Von Michael Neureiter

Die Turmuhr ist eines der letzten Teilprojekte der großen Generalrenovierung der Wallfahrtskirche Maria im Mösl, die 1520 von Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee geweiht wurde.

Das Uhrwerk wurde im Jahre 1687 vom Salzburger Groß- und Kleinuhrmacher Jeremias Sauter erbaut, der im Jahr 1683 die neue Uhr für den Salzburger Dom baute und 1707 das Werk des Salzburger Glockenspiels fertigstellte  – in seiner Werkstatt im Michaelstor, heute am Mozartplatz. 1762 wurde das Arnsdorfer Werk vom Laufener Schlossermeister Joseph Schnöller das erste Mal repariert, es gab kleinere Änderungen.

Der Salzburger Großuhrmacher Johann Bentele sen. überarbeitete 1781 das Uhrwerk und fügte unter anderem einen „englischen Perpendickel, 4 neue Räder, 3 Drieb, Angger samt Spindel und Gabel und auch etliche Klöben und Gabeln“ dazu oder machte diese neu, so „dass solche noch sehr lang dauern und recht gute Dienste machen würde“. Es war also der Umbau von der Spindelhemmung auf den vorhandenen Ankergang.

1890 wurde das Uhrwerk schließlich von Jakob Fischer, einem örtlichen „Mechanicer“, noch einmal repariert. Er erneuerte vor allem die Aufzüge für das Gehwerk und die beiden Schlagwerke.

Maria im Mösl – Wallfahrtskirche Arnsdorf Einbau Turmuhrwerk

Das Werk machte zeigte die Zeit optisch mit vier Zifferblättern (drei am Turm und eines im Orgelprospekt) und akustisch mit Schlägen auf zwei Glocken an, bis es vermutlich 1968 von einer elektrischen Uhr abgelöst wurde.

Auf dem Uhrwerk thront seit 1687 ein Löwe, ein Markenzeichen von Sauter, der auch das Antriebswerk des Salzburger Glockenspiels gebaut hat, das 1707 fertiggestellt wurde. Dieser Löwe ist auch in Mühldorf am Inn und in Seeham zu finden. Johann Bentele baute die Ankerhemmung mit langem Pendel („Englischer Perpentikel“) ein, die noch erhalten ist. Jakob Fischer ersetzte dann die alten Aufzüge durch neue in Schmiede- und Gusseisen.

Edi Fersterer

Der monumentale Zeitmesser mit 140 cm Breite, 42 cm Tiefe und 75,5 cm Höhe musste von Franz Xaver Gruber, der von 1807 bis 1829 Lehrer, Organist und Mesner in Arnsdorf war, täglich aufgezogen werden: Er wird dazu den Turm insgesamt etwa 8.000 mal bestiegen und die (erhaltene) Kurbel etwa 3,5 Millionen Mal gedreht haben. Der Aufstieg und das Aufziehen der drei ca. 60 kg schweren Gewichte waren ein tägliches Konditionstraining, bis Gruber 1829 mit 42 Jahren samt Familie nach Berndorf wechselte.

Turmuhrmacher Michael Neureiter

Die Restaurierung der Turmuhr war eine der letzten Maßnahmen der Generalrenovierung: Die Rarität wurde Ende September 2020 komplett zerlegt und abgebaut. Danach wurden alle Teile gründlich und behutsam händisch gereinigt und die Oberflächen mit einem Spezialwachs gesichert. Am 19. März 2021 wurde es dann in der inzwischen ebenfalls restaurierten Uhrkammer im Turm wieder an originaler Stelle aufgebaut und ins rechte Licht gerückt. Ein Demonstrationsbetrieb des Werkes ist seither jederzeit möglich.

Die fachliche Leitung der Restaurierung wurde an den passionierten Spezialisten für alte Uhren, Mag. Michael Neureiter („horologium“), vergeben. Die Revitalisierung wurde in einer Gemeinschaftsarbeit mit den lokalen und mit Arnsdorf sehr verbundenen Uhrmachern Franz Kaserer und Eduard Fersterer durchgeführt. Eine wichtige Hilfe waren auch Günther Bloos und Mesner Sepp Hufnagl.

Mit Hilfe dieser – natürlich mit dem Denkmalamt abgestimmten und durch Fachexpertise und Leidenschaft bewerkstelligten – Restaurierung konnte ein wertvolles Monument historischer Zeitmessung für die Nachwelt erhalten werden.

Infos zu Maria im Mösl >

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