Woyzeck. Ein Mörder, ein Opfer.

"Woyzeck" Georg Büchner Schauspielhaus Salzburg 2008 Christoph Kail (Woyzeck) Oliver Hildebrandt (Andres) Marcus Marotte Georg Reiter Evelyn Ruzicka (Marie) Timo Senff

Ein Mörder, ein Opfer. Woyzeck: der Soldat, der Vater, die Versuchsperson, der chronisch Eifersüchtige, der Philosophierende, der Mörder. Das Opfer?

Nina Groß

Von Nina Groß

Opfer der Tyrannei des einsamen Hauptmannes, Opfer der Erbsendiät und Versuche des atheistischen Arztes, Opfer im Kampf gegen den Tambourmajor, Opfer im Kampf um seine Marie. Die Geschichte des Antihelden Woyzeck, inszeniert von Robert Pienz, feierte am 18.09.2008 im Schauspielhaus Premiere.

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Christopher Kail überzeugt als Woyzeck, der obwohl zwischen Hauptmann und Tambourmajor, zwischen Marie und dem Arzt hin- und hergestoßen, letztendlich seine Entscheidung bewusst trifft und die Bluttat, die Ermordung seiner untreuen Geliebten, ruhig und entschlossen zu Ende bringt.

Foto: Eva Maria Griese
Foto: Eva Maria Griese

Die Situation des Soldaten Woyzeck, sein soziales Umfeld und seine Hirngespinste werden um und in einem hölzernen Zylinder, der sich dreht, Türen und Fenster preisgibt, neue Landschaften und Häuser bildet, gezeigt. Der See, der Tatort des Mordes, liegt im Inneren  des Zylinders, um den sich herum noch kurz davor die Tanzgesellschaft amüsiert hat, der Tambourmajor die Marie geküsst  und Woyzeck den Hauptmann rasiert hat. Erst zur Tat öffnet sich der Holzturm und gibt den Blick frei auf das, was die ganze Zeit schon im Inneren verborgen lag, immer da und immer nah war.

Foto: Eva Maria Griese
Foto: Eva Maria Griese

Diese bühnenbildnerische Feinheit lässt sich mit dem Stück verbinden, der Mord, dessen Nähe das ganze eindreiviertel Stunden lange Spiel zum Greifen nahe scheint und doch erst am Ende enthüllt wird. Begleitet wird das Stück durch  eine  fünfköpfige Band und kommentiert von einem singenden, erzählenden und intervenierenden Narr (Timo Senff), der zur Eröffnung des Stückes, begleitet von Violine und Klarinette, von einem „guten Mord, einem schönen Mord“ singt.

Neben einem verzweifelt einsamen Hauptmann (Marcus Marotte) und einer (besonders in der vorletzten Szene) wunderbar übertrieben-euphorischen Margreth (Ute Hamm) und dem unfreiwillig witzigen, dumpfen und leicht tierischem Tambourmajor (Volker Wahl) sticht besonders die blonde Marie heraus. Die erst 26 jährige Evelyn Ruzicka spielt sie in kindlichem Staunen über die Welt, den Tambourmajor, ihren Woyzeck und was sie da eigentlich selbst tut.

Foto: Eva Maria Griese
Foto: Eva Maria Griese

Bevor der Tambourmajor wie ausgemacht in ihrem Haus erscheint, bringt sie den Sohn nach draußen und stellt sich in die einzige Ecke des Raumes und wartet. Ängstlich, gespannt, verwirrt. Geschmeichelt von der Zuneigung und Aufmerksamkeit des Tambourmajors plagt sie doch ein schlechtes Gewissen. Evelyn Ruzicka als Marie lehnt sich in der Nacht aus dem Fenster und singt mit zarter Stimme oder betet unsicher. Evelyn Ruzicka als Marie tanzt ausgelassen mit dem Tambourmajor, trunken vom Fest, der Nacht und der Musik. Evelyn Ruzicka als Marie sitzt dann ruhig und scheinbar zufrieden mit ihrem Woyzeck am Steg, kurz bevor der Soldat ihr mit dem Messer die Kehle durchtrennt. Marie ist eine ebenso traurige Person, wie Woyzeck es ist. Beide unfähig ihre Zufriedenheit zu erlangen und dann zu behalten. Beide hin- und hergerissen und beide Opfer der Hierarchie.

Georg BüchnerWoyzeck
SCHAUSPIELHAUS SALZBURG-  PREMIERE: 18. SEPTMBER2008 / MIT: UTE HAMM, OLIVER HILDEBRANDT, CHRISTOPH KAIL, MARCUS MAROTTE, GEORG REITER, EVELYN RUZICKA, TIMO SENFF, VOLKER WAHL. / REGIE: ROBERT PIENZ/AUSSTATTUNG: RAGNA HEINY /  MUSIK: FABIO BUCCAFUSCO. LIVEBAND: HANSI ANZENBEREGER (KLARINETTE), ALISCA BAUMANN (VIOLINE), MICHAEL BRANDL (GITARRE), SIGRID GERLACH – WALTENBERGER (AKKORDEON), SABINE LINECKER (KONTRABASS)

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Dorfladen

1 Kommentar zu "Woyzeck. Ein Mörder, ein Opfer."

  1. Ich bin immer wieder vom den Aufführungen im Schauspielhaus begeistert! Als treue Besucherin, ich war noch im Keller der Elisabethkirche, macht mir die Entwicklung dieses Hauses zum “gstandenen” Salzburger Theater sehr viel Freude. Dieser guten Inszenierung wünsche ich sehr viel Erfolg.

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