„Schöne Bescherungen“ – Chaos unterm Weihnachtsbaum

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Alan Ayckbourns Weihnachtsfarce hätte im November letzten Jahres im Salzburger Landestheater Premiere feiern sollen, wurde aber von der dritten Corona-Welle überrollt. Jetzt hat man jedoch die Möglichkeit, die ironisch-bissige Komödie, die am 18. und 19. November 2020 ohne Publikum aufgezeichnet wurde, im Stream zu genießen.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Drei Weihnachtsfeiertage gilt es im gutbürgerlichen Hause von Neville und seiner Frau Belinda zu überstehen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, denn man feiert das schönste Fest des Jahres wie immer mit der ganzen lieben Familie. Neben zwei verschwisterten bzw. verschwägerten Ehepaaren samt Kinderschar schleppt Belindas etwas verklemmte Schwester Rachel diesmal einen jungen, attraktiven Dichter an. Onkel Harvey, ein alter Militarist, der stets ein Wurfmesser im Socken trägt und den Kindern echte Gewehre schenken will, schaut sich, ungerührt vom weihnachtlichen Trubel, einen Actionfilm nach dem anderen an. Das Konfliktpotential ist enorm hoch, denn der gutmütige Bernard lässt sich nicht davon abbringen, sein heißgeliebtes Puppenspiel aufzubauen und damit Groß und Klein zu nerven. Alle haben noch die Vorstellung vom letzten Jahr im Kopf, als „Ali Baba und die 40 Räuber“ auf dem Programm stand und Bernard es sich nicht nehmen ließ, alle 40 Räuber vorzustellen. Diesmal stehen zwar nur „Die drei kleinen Schweinchen“ auf dem Spielplan, aber auch dieses Stück hat seine Tücken, besteht es doch aus 16 kleinen Szenen. Der weihnachtliche Albtraum kann also beginnen.

Als eingefleischter Macho ist Neville (Matthias Hermann) seiner emsigen Frau Belinda (Larissa Enzi) absolut keine Hilfe bei den Weihnachtsvorbereitungen. Seine etwas chaotische, nervenschwache Schwester Phyllis (Tina Eberhardt) lässt man in der Küche werken, während ihr Mann Bernard, „der schlechteste Arzt der Welt“, (Christoph Wieschke) sein Puppentheater aufbaut. Die hochschwangere Pattie (Nikola Jaritz-Rudle) und ihr Mann Eddy (Maximilian Paier) haben finanzielle Schwierigkeiten, denn der Weg in die Selbstständigkeit hat sich als Flop erwiesen. Belindas Schwester Rachel (Sophie Mefan) kämpft zwar heroisch um die Zuneigung ihres feschen Dichters (Skye MacDonald), doch die Konkurrenz schläft nicht. Onkel Harvey (Walter Sachers) gelingt es schließlich sogar, einen Dieb auf frischer Tat zu ertappen.

Toto (Ausstattung und Kostüme) hat im liebevoll weihnachtlich dekorierten Wohnzimmer einen riesigen Christbaum aufgebaut. Eine Treppe führt in den ersten Stock, wo die vielen Kinderlein schlafen, aber durch die lautstarken Diskussionen ständig Gefahr laufen, aufzuwachen.

„Schöne Bescherungen“ zeigt humorvoll auf, wie das Fest der Liebe zum Krisenfest werden kann, wenn vielschichtige Figuren an den Feiertagen aufeinandertreffen. Die Erwartungen sind groß, die Enttäuschungen umso größer. Man könnte daher jetzt im Frühling schon zu überlegen beginnen, wen man beim nächsten Weihnachtsfest wirklich dabei haben möchte. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht Corona wieder unser Weihnachtsfest diktiert.

„Schöne Bescherungen“  – Schauspiel von Alan Ayckbourn. Inszenierung: Thomas Enzinger. Bühne und Kostüme: Toto. Mit: Matthias Hermann, Larissa Enzi, Tina Eberhardt, Walter Sachers, Christoph Wieschke, Sophie Mefan, Maximilian Paier, Nikola Jaritz-Rudle, Skye MacDonald. Fotos: Tobias Witzgall/ SLT

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Über den Autor

Elisabeth Pichler
Geb. 1946 in Salzburg,1964 Matura im Realgymnasium. Abiturientenlehrgang HAK. 2000 Ausbildung zur ehrenamtlichen Bibliothekarin und seither in der öffentlichen Bibliothek Hallwang tätig. “Theater war schon immer meine große Leidenschaft und scheinbar ist es mir auch gelungen, diese Begeisterung an meine Kinder weiterzugeben.” Elisabeth Pichler besucht für die Dorfzeitung Theateraufführungen und Konzerte und liest neue Bücher.

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