Wurm, Heller: Marchfeldein

Marchfeldein

MARCH
FELD
EIN

Gedichte von Friedrich Heller – Linolschnitte von Gottfried “Laf” Wurm

Handgesetzt aus der Post-Antiqua und von den Original-Linolschnitten in einer Auflage von 500 nummerierten und handsignierten Exemplaren mit der Marchland-Presse zu Lassee auf Tosa-Bütten der Firma Stiassny, Wien, im Jahre 1980 gedruckt.

Ich habe das schon lange vergriffene Buch kurz nach seinem Erscheinen direkt bei Gottfried “Laf” Wurm in Lassee gekauft, es dann einem Freund geborgt und danach nie mehr wieder gesehen. 1916 entdeckte ich ein Exemplar in einem Wiener Antiquariat und erwarb es sofort. Seither ist es ein Schmuckstück in meiner Bibliothek. Verliehen wird es nie mehr wieder!

Friedrich Heller war zu Lebzeiten einer der bekanntesten Marchfelder Schriftsteller und wohnte in Groß Enzersdorf. Gottfried “Laf” Wurm lebt und arbeitet in Lassee.

Themen der Gedichte und Linolschnitte: Groß-Enzersdorfer Lied | Mühlleitner Allee im Frühling | Orth an der Donau | Schlosshof | Stempfelbach bei Lassee | Obersiebenbrunner Heide | Ruine bei Markgrafneusiedl | Deutsch-Wagram | Gänserndorf | Im Erdölgebiet | Siehdichfür | Marchegg | Marchfeld

Gottfried “Laf” Wurm in der Dorfzeitung >

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Marchfeld

Dort, wo im Morgen Berge dämmern,
die Lerche in den Mittag steigt,
Traktoren über Äcker hämmern
bis sich die Sonne in den Abend neigt,

wo Dörfer zwischen Bäumen stecken,
der Himmel und das weite Land
Ahnung des Ostens jäh erwecken,
fühl ich ein unsichtbares Band,

das mich an diese Gegend bindet –
obzwar es deren schönre gibt,
die wohl ein jeder reizend findet
und auf dem ersten Blicke liebt.

Was ich, Marchfeld, dir somit zolle
aus innigem Verwurzeltsein,
hat mit der Liebe zu der Scholle
des Bauern einiges gemein.

Wenn mir auch außer Lebensbürde
kein Joch gereicht zu meinem Ruhm,
betracht ich doch mit stiller Würde
manch Morgen Land als Eigentum.

Und während andre tonnenweise
aus deinem Herzen Schätze führ´n,
so ist die Absicht meiner Reise,
stets deinem Wesen nachzuspür´n.

Und wie der Bauer mit dem Karren,
so zieh auch ich von Rain zu Rain,
muß über deine Äcker fahren
und hole meine Worte ein.

Denn alles, was ich lieben lernte,
ad die, du hingestrecktes Land,
ist letzten Endes meine Ernte
aus deiner gabenfrohen Hand.

Es spricht aus allen deinen Dingen,
aus Halm, aus Blüte oder Stein.
Dein Reifen ist auch mein Gelingen,
dein Schweigen läßt mich schweigsam sein.

Welch ein geheimnisvolles Klingen
aus jedem Telegraphenmast.
Es gilt die Botschaft mitzusingen,
die du der Welt zu sagen hast.

Wo immer sie von Heimat sangen,
erstanden deine Bilder mir,
denn alles, was ich je empfangen,
empfing im Grunde ich von dir.

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Dorfladen

Über den Autor

Karl Traintinger
Dr. Karl Traintinger ist der Herausgeber und leitende Redakteur der Dorfzeitung. Die Dorfzeitung ist seit September 1998 unter dem Motto: "Dorf ist überall" online. 2018 kam das Dorfradio, das Radiomagazin der Dorfzeitung dazu. Es wird jeden ersten Montag im Monat von der Radiofabrik in Salzburg ausgestrahlt und kann zudem weltweit gestreamt werden.

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