Juni – Der Monat der Göttin Juno und der Brache

Erntezeit

Erntezeit | Foto: Karl Traintinger, Dorfbild

Der Name des sechsten Monats im Jahr leitet sich von der römischen Göttin Iuno ab und ist seit dem 16. Jahrhundert im Deutschen in Gebrauch. Der ältere Name des Monats ist Brachmonat.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Juni geht zurück auf die lateinische Monatsbezeichnung mēnsis (Monat) Iūnius. Der Name steht in Verbindung mit der römischen Göttin Iuno, der Göttin der Frauen, der Ehe und der Fruchtbarkeit. Iuno war die Gattin Iupiters, des obersten römischen Gottes und die Mutter von Mars, dem römischen Gott des Krieges. Die lateinische Monatsbezeichnung begegnet im Deutschen ab dem frühen 16. Jahrhundert in den Formen Junius und Junio. Bis ins 18. Jahrhundert wurde die Form zu Juni gekürzt. Regional ist jedoch bis heute in der gesprochenen Sprache die Form Juno in Gebrauch, zumeist um die beiden Monatsnamen Juni und Juli zu entähnlichen.

Bevor Juni als Bezeichnung für den sechsten Monat im Jahr ins Deutsche kam, wurde der Monat Brachmonat genannt. Dieser Name findet sich seit althochdeutscher Zeit und geht auf die Einführung einheitlicher deutscher Monatsnamen durch Kaiser Karl den Großen (747/748-814 n. Chr.) zurück. Althochdeutsch brāhmānōd „Brachmonat“ geht zurück auf althochdeutsch brāhha „brachen“, das in Zusammenhang mit der mittelalterlichen Dreifelderwirtschaft steht. Bei der Dreifelderwirtschaft wurde die Ackerfläche in drei Teile geteilt. Auf einem Teil wurde Wintergetreide angebaut, auf dem zweiten Teil Sommergetreide und der dritte Teil blieb unbebaut, ruhte für ein Jahr und diente dem Vieh als Weide.

Der Juni war der Monat, in dem die Feldarbeit begann und die Brachfelder nach dem Ruhejahr mit dem Pflug umgebrochen wurden. Dieses Umpflügen wurde im Althochdeutschen brāhha- oder brāhhōn „brachen“ genannt. Daher lautete die alte Bezeichnung für den Juni brāhmānōd „Brachmonat“.

In mittelhochdeutscher Zeit bezeichnete das Wort brache das Umbrechen des Bodens und das Resultat des Umbrechens, das umgebrochene, unbesäte Land. Felder, die in der Brache lagen, wurden brāchvëlt „Brachfeld“ genannt und die teilweise angelegten Wege, die durch diese Felder führten, brāchwëc „Brachweg“. Mancherorts war das Brachen Teil von Frondiensten, die mittelhochdeutsch brāchetvrœnde „Brachfron“ genannt wurden. Als alternativer Ausdruck zu Brachfeld findet sich ab dem 18. Jahrhundert auch das Wort Brachland mit der Bedeutung „unbestellter Acker“.

Bis Ende des Mittelalters entwickelte sich für brache eine allgemeine Bedeutung „unbebautes, unbesätes Land“. Dazu findet sich im Mittelhochdeutschen auch der Ausdruck in brāche ligen „in Brache liegen“ für Land, das umgebrochen und unbestellt war. Im Verlauf der Zeit wurde der Ausdruck zusammengezogen zu bracheliegen und dann gekürzt zu brachliegen mit der Bedeutung „unbebaut bleiben, unbestellt sein“. Die gekürzte Form begegnet ungefähr ab Mitte des 19. Jahrhunderts. In weiterer Folge entwickelte sich daraus die übertragene Bedeutung „ungenutzt bleiben, ungenutzt sein“, die heute in jedem beliebigen Zusammenhang verwendet werden kann, wie beispielsweise seine Talente liegen brach für „seine Talente sind ungenutzt“.

Der Zeitraum, in dem das Feld unbestellt blieb, wurde Brachzeit genannt. Auch hier wurde die Bedeutung des Wortes verallgemeinert. Ungefähr ab Anfang des 19. Jahrhunderts konnte Brachzeit auch als allgemeine Bezeichnung für Zeiträume verwendet werden, in denen manches stillliegt.

So steht beispielsweise in der Zeitung Niederösterreichischer Grenzbote vom 1. März 1925 zu lesen: In den Kriegsjahren war Brachzeit […] in den meisten Vereinen. Und am 7. Dezember 1931 findet sich im Salzburger Volksblatt eine kurze Notiz zu Lichtbildvorträgen in Badgastein über Bergfahrten im Berner Oberland und in der Hohen Tatra, die in der jetzigen touristischen und skiläuferischen Brachzeit besonderen Beifall fanden.

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Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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