Milch – Ein Wort für viele Flüssigkeiten

Frischmilch

Frischmilch im Milchtank | Foto: Karl Traintinger, Dorfbild

Mit dem Wort Milch bezeichnen wir üblicherweise die Kuhmilch. Daneben dient das Wort auch als Bezeichnung für Flüssigkeiten, die wie Milch aussehen oder an Milch erinnern.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Milch ist seit dem 8. Jahrhundert belegt und geht zurück auf germanisch meluk- „Milch“. Stammt die Milch von einem anderen Tier, wird dies durch Zusammensetzungen näher spezifiziert, wie beispielsweise Schafmilch, Eselsmilch, Stutenmilch, Kamelmilch oder Ziegenmilch. Ebenso wird Milch als Bezeichnung für andere Flüssigkeiten verwendet, die wie Milch aussehen, wie etwa Reinigungsmilch für Kosmetika, Sonnenmilch für Sonnenschutzmittel und Scheuermilch für Putzmittel. Das Schmelzwasser der Gletscher wird Gletschermilch genannt.

___STEADY_PAYWALL___

Auch die Milch, die Frauen nach der Geburt ihrer Kinder produzieren, wird näher spezifiziert als Muttermilch. Nach altem Volksglauben löse die Muttermilch bei Frauen die Wochenbettdepression aus, weil die Milch den Frauen in den Kopf steigen würde und dadurch Gemütskrankheiten bewirke. Das Wort Muttermilch findet sich auch in der Redewendung etwas mit der Muttermilch aufsaugen mit der wir Fertigkeiten und Verhaltensweisen umschreiben, die Menschen von frühester Kindheit an von ihren Eltern erlernen.

In vergangener Zeit wurden Kinder nicht nur von den Müttern gestillt, sondern auch von Ammen. Stillte eine Amme zur gleichen Zeit mehr als ein Kind, wurden diese Kinder als Milchbruder oder Milchschwester bezeichnet.

Und auch die Worte Milchzahn und Milchzähne beziehen sich auf die Stillzeit von Kindern. Die Worte begegnen ab dem 16. Jahrhundert und bezeichnen die ersten Zähne des Kindes, die wachsen, während das Kind noch gestillt wird.

Da mit Milch Säuglinge ernährt werden, steht Milch auch als Sinnbild für junge, unreife Menschen. Dies fand seinen sprachlichen Niederschlag in den Worten Milchbart, Milchgesicht und Milchbubi. Das Wort Milchbart begegnet ab Anfang des 18. Jahrhunderts und war zunächst eine Bezeichnung für die ersten hellen Barthaare. Im Zeitverlauf wurde daraus eine spöttische Bezeichnung für junge, unerfahrene Männer. Ein alternativer Ausdruck dazu ist das Wort Milchgesicht. Auch das Wort Milchbubi, das sich seit den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts findet, ist eine abwertende Bezeichnung für junge Männer mit der Bedeutung „Muttersöhnchen“.

Die Milch war, neben den Erträgen aus Landwirtschaft und Vieh, ein wichtiges Nahrungsmittel und Wirtschaftsprodukt, das der Abgabenpflicht unterlag.  Diese Steuern wurden Milchzins oder Milchzehnt genannt. Den Milchpfennig hingegen mussten Pfarrer an die Kirche als Strafe bezahlen für ihre unerlaubten Liebschaften und den daraus entstandenen Kindern. Mancherorts musste der Milchpfennig auch von den Frauen bezahlt werden.

Wenn Tiere keine Milch gaben, war dies existenzbedrohend. Als Grund dafür wurde häufig das Wirken von Hexen vermutet. Es herrschte der Glaube, Hexen würden sich in Schmetterlinge verwandeln und den Kühen die Milch entziehen. Wer als Milchdieb oder Milchdiebin bezeichnet wurde, musste im 16. und 17. Jahrhundert mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen und wurde zumeist als Hexe oder Zauberer geächtet.

Die Milch war auch ein Symbol des Wohlstands. Dies spiegelt sich in der Redewendung das Land, in dem Milch und Honig fließen wider. Die Redewendung entstammt der Bibel, in der Gott mit diesem Ausdruck dem Moses das Land beschrieb, in das er die Israeliten führen wollte. Heute wird die Redewendung als Beschreibung für paradiesische Zustände oder für Orte verwendet, an denen es sich gut leben lässt.

Das Wort Milchmädchenrechnung ist ein Ausdruck mit dem wir Erwartungen bezeichnen, die auf Illusionen, unsicheren Faktoren oder Trugschlüssen aufgebaut sind. Das Wort findet sich im Deutschen seit Ende des 19. Jahrhunderts und bezieht sich auf eine Fabel des französischen Dichters Jean de La Fontaine (1621-1695). Ein Milchmädchen will Milch auf dem Markt verkaufen und überlegt sich, was sie mit dem verdienten Geld machen wird und wie sie dadurch weitere Gewinne erzielt. Aus Freude über diese zukünftigen Gewinne fängt sie an zu hüpfen und verschüttet dadurch die Milch.

Diesen Artikel empfehlen. Teilen mit:

Dorfladen

Kommentar hinterlassen zu "Milch – Ein Wort für viele Flüssigkeiten"

Hinterlasse einen Kommentar