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„Die Zauberflöte“ – inklusive Probenszenarium

Zauberflöte

Im „Max Schlereth Saal“ (vormals Großes Studio) des Mozarteums stand als Abschlussproduktion Mozarts meistgespielte Oper „Die Zauberflöte“ auf dem Programm. Die vom Regieduo Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka erstellte neue Dialogfassung rückt die Arbeit am Werk in den Vordergrund. Probe und Aufführung verschmelzen und unterhalten mit Charme und Witz. Eine spritzige Inszenierung, die hervorragend zum jugendlichen, überaus spielfreudigen Ensemble passt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Kurz vor Probenbeginn herrscht lockere Atmosphäre im kargen Probensaal. Kleinigkeiten müssen noch geklärt werden: „Ist die Flöte schon da?“  – „Bring die Klavierauszüge mit!“ – „Hat sich die Requisite schon gemeldet?“ Der Darsteller des Tamino ist schwer verärgert, wurde er doch kurzfristig umbesetzt und muss sich nun mit der Rolle des Monostatos begnügen. Da ist doch tatsächlich ein Neuer aufgetaucht, eindeutig ein Protektionskind mit Verbindungen nach ganz oben, und hat ihm die Rolle weggeschnappt. Als die Regisseurin (Frau Stern) auftaucht, ist Schluss mit lustig, nun wird hart gearbeitet. Kaum hat die Königin der Nacht zu ihrer ersten großen Arie angesetzt, wird sie auch schon unterbrochen: „Du machst ja eine Zirkusnummer aus der Arie!“ Aus dem Orchestergraben kommen noch Phrasierungs-Tipps vom Dirigenten (Herrn Sonnig). Dann hebt sich die graue Wand des Probenraumes und gibt den Blick frei auf einen imposanten Weisheitstempel, der aus großen, verschiebbaren schwarz-weißen Kuben besteht. Doch auch hier geht nicht alles glatt, denn die Requisiten sind noch immer nicht da.

Zwischendurch wir noch eine Beleuchtungsprobe eingeschoben, da kann die Technik all ihre Möglichkeiten ausspielen. Leider bekommt der Tamino-Darsteller Starallüren. Er möchte am liebsten alles hinschmeißen: „Ich bin doch kein Beleuchtungsstatist!“ Um seine sängerischen Qualitäten kümmert sich eine Prüfungskommission und da setzen sich sehr zum Ärger von Frau Stern wieder einmal die Männer durch. Bei so viel Nebenhandlung musste natürlich ordentlich gekürzt werden. Da es keinen Chor der Priester gibt, wird zum Finale die Ouvertüre nachgereicht. Währenddessen geben die Studentinnen und Studenten noch rasch ihre Klavierauszüge ab und rauschen dann ab in die wohlverdienten Ferien.

In der Vorstellung am 24. Juni 2021 bewältigen die schweizerisch-rumänische Sopranistin Sophie Negoïta und der deutsche Tenor Niklas Mayer als fürstliches Paar Sarastros (stark Qi Wang) Prüfungen im strahlend hellen Tempel. Der ungarische Bariton Máté Herczeg gibt den Papageno, muss aber auch Frau Stern (sehr gestresst Ulrike Arp) als Regieassistent zur Seite stehen. Seine Papagena, die quirlige argentinische Sopranistin María Agustina Calderón, lernt er über Tinder kennen. Seung Hyun Kimüberzeugt als Königin der Nacht mit perfekten Koloraturen. Konstantin Igl lässt sich seinen Frust über die Umbesetzung nicht anmerken und glänzt als fieser, verschlagener Monostatos. Sophie Schneider, Þórhildur Steinunn Kristinsdóttir und Alicia Grünwald dürfen als „drei Knaben“ Hilfe leisten, wenn Tamino und Papageno nicht mehr weiter wissen. Gefühl- und humorvoll leitet Herr Sonnig (Kai Röhrig) das Orchester der Universität Mozarteum Salzburg.

Bei dieser ungewöhnlichen Inszenierung sollte man sich nicht von den vielen Unterbrechungen irritieren lassen, sondern die originelle Mixtur aus Oper und Probensituation sowie die frischen, jungen Stimmen einfach genießen.

„Die Zauberflöte“ – Wolfgang Amadeus Mozart. Eine deutsche Oper in zwei Aufzügen. Text von Emanuel Schikaneder. Dialogfassung von Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka. Eine Veranstaltung des Departments für Oper und Musiktheater in Kooperation mit dem Department für Gesang und mit dem Department für Bühnen- und Kostümgestaltung, Film- und Ausstellungsarchitektur. Eine Veranstaltung im Rahmen des Mozartforums 2021.

Musikalische Leitung: Kai Röhrig. Regie: Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka. Bühnenbild: Michael Hofer-Lenz. Kostüme: Magdolna Parditka, Jiale Zhu. Dramaturgie: Christian Arseni. Musikalische Einstudierung: Chariklia Aposto. Mit: Karolina Bengtsson/Sophie Negoïta, Regina Koncz/Seung Hyun Kim Donata Meyer-Kranixfeld, Emilie Christensen, Neelam Brader, María Agustina Calderón, Sophie Schneider, Þórhildur Steinunn Kristinsdóttir, Alicia Grünwald, Dagur Þorgrímsson/Niklas Mayer, Konstantin Igl, Jakob Hoffmann/Máté Herczeg, Qi Wang, Kuan-Ming Chen, Rodrigo Alegre Vargas, Kuan-Ming Chen, Ulrike Arp, Kai Röhrig, Andreas Macco. Volker Wahl. Orchester der Universität Mozarteum Salzburg. Fotos: Mozarteum