Die Schimpfwörter Fuchtel, Haderlump, Pack und Bagage

schimpfwörter

Worte, die zu Schimpfwörtern umgemünzt werden, können aus allen Bereichen unserer Sprache stammen. So finden sich Schimpfwörter, die ursprünglich Bezeichnungen für Gegenstände waren, wie beispielsweise Fuchtel, Haderlump, Pack und Bagage.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Fuchtel verwenden wir heute zumeist als abwertende Bezeichnung für eine herrische Frau. Das Wort ist seit dem 16. Jahrhundert belegt und bezeichnete ursprünglich einen Fechtdegen mit breiter Klinge. Die Fuchtel wurde jedoch nicht nur als Waffe genutzt. Sie war auch ein Instrument der Züchtigung für Offiziere, die sich etwas zu Schulden kommen ließen. Als Strafe wurde ihnen mit der flachen Seite der Fuchtel auf den Rücken geschlagen. Mit der Zeit erhielt das Wort Fuchtel dadurch die zusätzliche Bedeutung „strafender Schlag mit der flachen Klinge“ und wurde synonym für militärische Disziplinierung und strenge Erziehung. Heute findet sich das Wort Fuchtel noch in den Redewendungen unter der Fuchtel sein und unter der Fuchtel stehen mit der Bedeutung „jemanden streng beaufsichtigen, jemanden beherrschen“.

Ebenfalls im 16. Jahrhundert wurde die Tätigkeitsbezeichnung fuchteln gebildet mit der Bedeutung „mit der Fuchtel schlagen, durch Schläge mit der Fuchtel bestrafen“. Die Bedeutung von fuchteln wurde jedoch bald verallgemeinert zu „rasch hin und her schwingen“ und konnte auch für andere Gegenstände verwendet werden, wie beispielsweise die Hände. So sagen wir heute jemand fuchtelt mit den Händen herum, wenn jemand auffällig gestikuliert.

Ab dem 19. Jahrhundert wurde das Wort Fuchtel auch als Bezeichnung für Frauen verwendet mit der Bedeutung „flüchtige, leichtsinnige Frau“. Später kam dann das Bedeutungselement „alte Frau“ hinzu. Heute hat das Wort die Bedeutung „herrschsüchtige Frau“.

Das Wort Haderlump begegnet ab dem 15. Jahrhundert und ist eine Zusammensetzung aus den beiden Worten Hader und Lumpen, die beide die gleiche Bedeutung „abgerissene, zerfetzte Stücke Stoff, alte abgetragene Kleidungsstücke“ haben. Um auf sich aufmerksam zu machen, kündigten sich die Lumpensammler mit dem Ruf Hadern, Lumpen! an. Die Verwendung beider Worte mag in regionalen sprachlichen Unterschieden begründet gewesen sein. Schon bald wurden die beiden Worte zu Haderlump zusammengezogen. Das so neu entstandene Wort bezeichnete sowohl die Lumpen als auch die Lumpensammler. Durch den schlechten Ruf, den die Lumpensammler hatten, wurde das Wort zu einem Schimpfwort und hat heute die Bedeutung „Taugenichts, verkommenes Subjekt“.

Schimpfwörter finden sich nicht nur als Bezeichnungen für einzelne Personen, sondern auch für Gruppen, wie beispielsweise die Worte Pack und Bagage, die heute beide die Bedeutung „Gesindel“ haben. Ursprünglich waren die beiden Worte Bezeichnungen für Gepäck.

Das Wort Pack ist seit dem 13. Jahrhundert belegt, hatte ursprünglich die Bedeutung „Bündel, Ballen“ und stammt aus dem Sprachgebrauch des flämischen Wollhandels. Das Wort wurde im 16. Jahrhundert ins Niederdeutsche übernommen und erhielt dort die Bedeutung „Packen, Bündel, Gepäck“. Das Wort Bagage wurde im 16. Jahrhundert aus dem Französischen ins Deutsche übernommen. Das französische Wort bagage bezeichnete die Wagen des Militärs mit der Verpflegung und Munition, die der kämpfenden Truppe nachfuhren. Im Deutschen war für diese Verpflegungs- und Gepäckwagen die Bezeichnung Tross üblich. Auch das Wort Tross hatte ursprünglich die Bedeutung „Gepäck“, die sich zu „Heeresgepäck“ verengte. Mit der Zeit wurde die Bezeichnung Tross auf die Menschen übertragen, die mit dem Heeresgepäck der Truppe nachfolgten.

Für Material und Menschen, die der Truppe folgten, wurden die Worte Tross, Bagage und Pack gleichermaßen verwendet. Daher fand für die Worte Pack und Bagage der gleiche Übertragungsvorgang statt wie bei Tross. Dadurch wurde Pack und Bagage ebenfalls von Bezeichnungen für das Gepäck der Truppe zu Bezeichnungen für die Menschen im Tross. Da sich dem Tross häufig auch Schmarotzer und unlautere Gesellen anschlossen, erhielten die Worte Pack und Bagage mit der Zeit die heutige Bedeutung „Gesindel“.

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Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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