„Der eingebildete Kranke“ – ein spritziger Komödienklassiker

Mattsee

Vor einem Jahr bewies Regisseur Helmut Vitzthum wirklich Mut und brachte trotz Corona William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ am Schlossberg in Mattsee zur Aufführung. Heuer ist alles etwas leichter und so konnte die „Freie Bühne Salzburg“ am 23. Juli 2021 mit Molières Komödie über den Hypochonder Argan auf der romantischen Freiluftbühne Premiere feiern. Ein sommerlicher Spaß, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Herr Argan sitzt auf seinem Leibstuhl und kontrolliert die unverschämt hohen Rechnungen des Apothekers. Entsetzt über die horrende Summe fühlt er sich gleich noch viel kränker. Er beschließt, sein reizendes Töchterlein Angelique mit einem Arzt zu verheiraten, damit „ich einen Schwiegersohn habe, wie ich ihn brauche“. Thomas Diafoirus, der Neffe seines Hausarztes, passt da einfach perfekt. Womit er aber überhaupt nicht gerechnet hat, ist die Widerspenstigkeit der jungen Dame. Die hat sich nämlich schon selbst umgesehen und ist schwer verliebt. ___STEADY_PAYWALL___

Argan und seine geldgierige zweite Frau wollen sie zur Strafe in ein Kloster stecken. Dem Dienstmädchen Toinette und Argans Bruder Beralde gelingt es jedoch mit vielen Tricks und Verstellungen, dem eingebildeten Kranken die Augen zu öffnen. Unter dem Motto „Heraus aus der Angst und hinein ins Leben!“ beschließt Argan, selbst Arzt zu werden, und seine Tochter darf nun heiraten, wen sie will, Hauptsache er wird auch Arzt.

Hans-Jürgen Bertram leidet als unendlich kranker Argan wirklich schwer, ist er doch laut seinem Arzt energetisch schon so gut wie tot. In Pyjama und Morgenmantel wartet er ständig auf sein nächstes Klistier. Zwischendurch versucht er mit Hilfe von Yoga-Übungen, seine Blockaden zu lösen, wobei der herabschauende Hund zur Stärkung seiner Aura beitragen soll. Seine Gattin Belinde (Marianne Lesch) stolziert in einem grandios voluminösen, roten Kleid über die Bühne, heuchelt Mitleid, wirft dem Notar (Christian Zink) verliebte Blicke zu und denkt nur an die Erbschaft.

Doktor Purgon (Helmut Vitzthum) und sein Neffe Thomas (Christoph Mierl) erscheinen als Götter in Weiß und vertragen keinerlei Kritik. Ungeschickter als der etwas träge Thomas kann man sich bei einer Brautwerbung wohl nicht anstellen. Die zwei jungen Damen, Studierende an der Schauspielschule des Schauspielhauses Salzburg, sind ein echter Lichtblick. Julia Rajsp überzeugt als cooles Dienstmädchen Toinette, ist laut ihrem Herrn jedoch „ein freches, gefühlloses Ding, ein unverschämtes Luder“. Sehr emotional gibt sich Bianca Farthofer als Angelique, erst wirbelt sie kreischend vor Liebe über die Bühne, dann leidet sie ebenso laut und ausdrucksstark. Beralde (Hermann Lechner) gelingt es jedoch mit einer List, seinen egozentrischen Bruder zu kurieren.

Molières Satire über den Standesdünkel und die Arroganz der Ärzte brachte dem Autor viele Feinde ein. Vielleicht wird die 1673 entstandene Komödie aber gerade deswegen auch heute noch so gerne gespielt. Helmut Vitzthums turbulente, burleske Inszenierung unterhält mit reichlich Wortwitz. Ein Sonderlob an die Maske (Elisabeth Demel) für die dezent weiß geschminkten Gesichter. Die grandiosen, frechen Perücken und die grellbunten Kostüme sorgen für großartig humoristische Bilder. Wer da nicht mit blockadefreier Energie den Schlossberg in Mattsee verlässt, sollte dringend einen Arzt aufsuchen.

„Der eingebildete Kranke – nach Molière. Schlossbergspiele Mattsee. Regie: Helmut Vitzthum. Technik: Roland Lederer. Maske: Elisabeth Dehmel. Kostüme: Landestheater Salzburg. Mit: Hans-Jürgen Bertram, Julia Rajsp, Bianca Farthofer, Hermann Lechner, Marianne Lesch, Helmut Vitzthum, Christoph Mierl, Christian Zink.. Fotos: © Andreas Hechenberger/ Schlossbergspiel Mattsee

Dorfladen

Über den Autor

Elisabeth Pichler
“Theater war schon immer meine große Leidenschaft und scheinbar ist es mir auch gelungen, diese Begeisterung an meine Kinder weiterzugeben.” Elisabeth Pichler besucht für die Dorfzeitung Theateraufführungen und Konzerte und liest neue Bücher.

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