Schwanz – Was sich hin- und herbewegt

Lodronscher Wappenlöwe

Lodronscher Wappenlöwe mit einem besonders deutlich ausgeprägten Brezelschweif | Foto: Karl Traintinger, Dorfbild

Mit dem Wort Schwanz bezeichnen wir den Schweif von Tieren, eine lange Reihe oder endlose Abfolge und Menschen. Im Mittelalter wurde Schwanz auch als Bezeichnung für Kleider mit Schleppen und für Tanz verwendet.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Schwanz ist seit dem 13. Jahrhundert belegt und geht zurück auf mittelhochdeutsch swanzen „sich schwenkend bewegen, hin und her schwanken“. Im Mittelhochdeutschen war swanz „Schwanz“ eine Bezeichnung für schwenkende Bewegungen, für Schleppen und Schleppkleider und für die Schweife von Tieren, wie beispielsweise von Pferden, Kühen oder Drachen. Und auch der Schweif von Kometen konnte swanz genannt werden. Auf Basis der Grundbedeutung „was sich hin- und herbewegt“ entwickelte sich für swanz auch die Bedeutung „schwenkende, tanzartige oder tänzelnde Bewegung“. Dadurch wurde swanz zu einer Bezeichnung für Dinge, die hin und herschwenken oder sich hin- und herschwenkend bewegen ließen, wie beispielsweise die Schleppen von Kleidern oder auch Kleider mit Schleppen als Ganzes. So konnte im Mittelalter gesagt werden manec rîchlich swanz von schœnen frouwen wart gesehen „manch reicher Schwanz von schönen Frauen wurde gesehen“, wobei swanz hier die Bedeutung „Kleid mit Schleppe“ hat.

Ausgehend von der Bedeutung „schwenken“ erhielt Schwanz eine zusätzliche Bedeutung „Abweichen von der Rechtschaffenheit und Anständigkeit, Treulosigkeit“. Diese Bedeutung findet sich in der heute veralteten Redewendung einen Schwanz machen für „sein Wort brechen, treulos sein“. Und die Tätigkeitsbezeichnung etwas schwänzen hatte neben anderen Bedeutungen auch die Bedeutung „etwas heimlich und unerlaubt wegnehmen“.

Im übertragenen Sinn verwenden wir heute Schwanz auch für eine lange Reihe. So sagen wir ein Schwanz von Leuten für „eine lange Reihe von wartenden Menschen“. Oder wir sagen ein ganzer Schwanz von Vorschriften für „sehr viele Vorschriften“. Varianten zu diesen Redewendungen werden mit dem Wort Rattenschwanz gebildet, das im übertragenen Sinn die Bedeutung „eine endlose Folge unangenehmer Ereignisse“ hat, wie beispielsweise das zog einen Rattenschwanz von Problemen nach sich oder das produzierte einen ganzen Rattenschwanz von Folgekosten.

Die Tätigkeitsbezeichnung swanzen hatte im Mittelhochdeutschen die Grundbedeutung „sich schwenkend bewegen, hin und her schwanken“. Als Varianten zu swanzen finden sich auch swenzen „schwenken“ und swenzeln „schwenken“. Mit der Bedeutung „schwenken“ wurde schwänzen für verschiedene Tätigkeiten verwendet, wie etwa die Wäsche schwänzen „die Wäsche mit kaltem Wasser auswaschen“ oder ein Glas ausschwänzen „ein Glas auswaschen“.

Daneben hatte im Mittelalter swanzen auch die zusätzlichen Bedeutungen „sich zierlich oder geziert bewegen, besonders beim Tanz, einherstolzieren“ und „übermütiges und lärmendes Benehmen oder Reden“. Dazu finden sich die Varianten swanzieren „einherstolzieren“ und swenzelieren „sich zierlich bewegen, einherstolzieren“. Aber auch die Bedeutung „herumstolzieren“ ist für schwänzen belegt, wie etwa in einer Erklärung des Wortes Anfang des 17. Jahrhunderts: schwäntzen : wie ein pfaw stoltzieren „schwänzen : wie ein Pfau stolzieren“. Weiters finden sich die Worte umherschwanzen und herumschwanzen „müßig herumgehen, herumstolzieren“.

Nach dem Mittelalter veraltet schwanzen nach und nach. Und auch schwänzen verliert sich mit der Zeit, wird jedoch in der Studentensprache des 18. Jahrhunderts neu belebt. In der Gaunersprache hatte sich für schwänzen aus der Bedeutung „hin- und herbewegen“ die Bedeutung „schlendern, über Land gehen“ entwickelt. In der Studentensprache entstand dann daraus die Bedeutung „bummeln“ und in weiterer Folge die Bedeutung „dem Unterricht fernbleiben“.

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Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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