Wolke – Ein Ausdruck für Träumereien und Höhe

Wolken

Wolke | Foto: Karl Traintinger, Dorfbild

Mit dem Wort Wolke bezeichnen wir verdichtete Wassertropfengebilde, die wir am Himmel vorüberziehen sehen. Daneben verwenden wir das Wort auch als Ausdruck für Träumereien und Höhen.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Wolke ist seit dem 8. Jahrhundert belegt, geht zurück auf germanisch *wulkna- „Wolke“ und ist eine Bezeichnung für eine Ansammlung verdichteter Wassertropfen in der Atmosphäre. Aber auch Schwaden, die sich auf der Erde bilden, werden als Wolke bezeichnet, wie beispielsweise Dampfwolke, Rauchwolke, Staubwolke oder Smogwolke. Und wir verwenden das Wort Wolke für Dinge oder Ansammlungen, die wir dem Aussehen einer Wolke als ähnlich empfinden, wie etwa Giftgaswolke, Parfumwolke, Duftwolke, Wolke von Mücken, Kleid aus einer Wolke von Tüll. Aber auch für Musik und Geräuschkulissen wird das Wort Wolke verwendet – zumeist in der Zusammensetzung Klangwolke. Besondere Bekanntheit erlangte dieses Wort durch die Linzer Klangwolke, einer jährlich stattfindenden Musikveranstaltung, die mit Visualisierungen kombiniert ist.

Die Wolken wurden in vergangener Zeit als Aufenthaltsort Gottes, Christi, der Engel und der Seelen angesehen. Noch heute sagen wir – zumeist scherzhaft – er/sie wird dann auf einer Wolke sitzen und auf uns herabschauen. Aus dieser Vorstellung entwickelte sich der Gegensatz Wolken und Erde. Die Wolken, als Ort des Unwirklichen und Phantastischen und die Erde als Ort des Wirklichen und Realen.

Auf Basis dieser Vorstellung haben sich in unserem Sprachgebrauch verschiedene Redewendungen verfestigt, in denen Wolke und Wolken synonyme Ausdrücke für Träumereien und Irreales sind. So sagen wir beispielsweise jemand schwebt über den Wolken, wenn jemand ein Träumer und realitätsfern ist. Eine Variante dazu ist die Redewendung den Kopf in den Wolken haben. Und wir haben die Redewendung auf Wolke sieben schweben, wenn jemand sehr glücklich ist.

Ein Ausdruck für das Irreale ist auch das Wort Wolkenkuckucksheim. Dieser Ausdruck ist eine Übersetzung des griechischen Wortes nephelokokkygía, das eine Zusammensetzung aus griechisch nephélē „Wolke“ und kókkyx „Kuckuck“ ist. Der griechische Komödiendichter Aristophanes (um 445 v. Chr.- um 385 v. Chr.) kreierte dieses Wort in seiner Komödie Die Vögel, in der Vögel eine Stadt in der Luft erbauen. Mit dieser Komödie kritisierte und verspottete Aristophanes die Herrschenden und die Politik Athens. Im 19. Jahrhundert gelangte die Übersetzung von nephelokokkygía „Wolkenkuckucksheim“ ins Deutsche und ist heute ein Ausdruck für Phantasiegebilde und Phantasiewelten.

Ein dauerhafter Aufenthalt in der Welt der Träumereien und des Irrealen ist nur Wenigen gegönnt. Wenn wir wieder auf den Boden der Realität geholt werden, dann können wir dies mit der Redewendung aus allen Wolken fallen umschreiben. Diese Redewendung ist seit dem 18. Jahrhundert belegt und ist ein Ausdruck mit dem wir völlige Überraschung und plötzliche überraschende Konfrontation mit der Wirklichkeit umschreiben.

Wolken finden sich nicht nur in Redewendungen, die Träumereien und Irreales umschreiben, sondern stehen auch für heranziehendes Unheil. Der Ausdruck dunkle Wolken ziehen auf kann sich einerseits auf heranziehendes schlechtes Wetter beziehen und andererseits im übertragenen Sinn für sich ankündigende unheilvolle Ereignisse, Schwierigkeiten und Streit stehen.

Die Worte Wolke und Wolken wurden auch immer wieder als Bezeichnungen für besondere Höhen eines Gegenstands verwendet. So finden sich im 18. und 19. Jahrhundert für sehr hohe Berge die umbeschreibenden Bezeichnungen Wolkenberg, Wolkenbohrer oder Wolkengebirge. Ab dem 20. Jahrhundert begegnet dann das Wort Wolkenkratzer als Bezeichnung für sehr hohe Häuser. Dieses Wort ist eine freie Übersetzung der englisch-amerikanischen Bezeichnung skyscraper „Himmelkratzer“ für Hochhäuser.

Und schließlich stehen Wolken und der Raum über den Wolken für manche auch für grenzenlose Freiheit. Diesen Gedanken hat Reinhard Mey in seinem Lied Über den Wolken wundervoll verarbeitet

Dorfladen

Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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