Oktober, November, Dezember – Der achte, neunte und zehnte Monat

Herbst

Herbst | Foto: Karl Traintinger, Dorfbild

Die Namen der letzten drei Monate im Jahr entstammen dem altrömischen Kalender und haben die Bedeutung „der Achte“, „der Neunte“ und „der Zehnte“.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Die Monatsnamen Oktober, November und Dezember gehen zurück auf die lateinischen Monatsbezeichnungen mēnsis (Monat) Octōber „der achte Monat“, mēnsis November „der neunte Monat“ und mēnsis December „der zehnte Monat“. Im altrömischen Kalender begann das Jahr mit dem Monat März. Daher waren die Monate Oktober, November und Dezember die Monate Nummer acht, neun und zehn. Mit der von Gaius Iulius Caesar veranlassten julianischen Kalenderreform wurde der altrömische Mondkalender abgeschafft und durch den Sonnenkalender ersetzt, in dem der Monat Jänner an die erste Stelle der zwölf Monate rückte. Dadurch wurde der Oktober zum zehnten Monat, der November zum elften und der Dezember zum zwölften. Trotz dieser neuen Reihung wurden die Monatsnamen nicht geändert und weiterhin „der Achte“, „der Neunte“ und „der Zehnte“ genannt. ___STEADY_PAYWALL___

Die lateinischen Bezeichnungen für die drei letzten Monate im Jahr wurden zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert ins Deutsche übernommen. Der Monatsname Oktober begegnet im Deutschen ab dem 14. Jahrhundert, November ab dem 11. Jahrhundert und Dezember ab dem 13. Jahrhundert.

Bevor die lateinischen Monatsnamen übernommen worden waren, hatten die Monate im Deutschen andere Namen. Der Oktober wurde Weinmonat genannt, der November Windmonat und der Dezember Heiligmonat.

Der Name des Oktobers lautete in althochdeutscher Zeit windumemānōth „Weinmonat“ oder gekürzt windumānōth. Das Wort ist eine Zusammensetzung aus dem lateinischen Wort vīndēmia „Weinlese“ und dem althochdeutschen Wort mānōth „Monat“. Daraus ergibt sich die ursprüngliche Bedeutung „Monat, in dem die Weinlese stattfindet“. Der alte Monatsname Weinmonat wurde neben der Bezeichnung Oktober noch lange beibehalten und findet sich in Zeitungen und Journalen noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts.

Die Monate Oktober und November wurden, gemeinsam mit dem September, auch als Herbst bezeichnet. So war der September der erst herbst „der erste Herbst“, der Oktober der ander herbst „der andere Herbst“ und der November der drit herbst „der dritte Herbst“.

Der November wurde vor der Übernahme der lateinischen Bezeichnung Windmonat genannt. Bei diesem Monatsnamen handelt es sich um eine Entstellung von althochdeutsch windumānōth „Weinmonat“. Das Wort wurde von windumānōth zu windmānōth verkürzt und die Bedeutung des Wortteils wind- zu „Wind“ umgedeutet. So entstand die Bezeichnung Windmonat, die noch bis ins 18. Jahrhundert hinein in Verwendung war.

Den beiden Monaten November und Dezember sind die älteren Bezeichnungen Hartmonat und Wintermonat gemeinsam.

Den Namen Hartmonat erhielten die beiden Monate deshalb, weil der November und der Dezember die Zeit des Winters ist und die Erddecke durch die Kälte hart wird. In althochdeutscher Zeit bezeichnete hertimānōth nur den Dezember, der der Monat des harten Frosts ist. Im Mittelhochdeutschen hatte sich die Bedeutung erweitert und hartmânôt konnte sowohl den November als auch den Dezember bezeichnen. Ab dem ausgehenden Mittelalter veraltete das Wort und verschwand schließlich aus unserem Sprachgebrauch.

Der Name Wintermonat geht zurück auf die Einführung einheitlicher deutscher Monatsnamen durch Kaiser Karl den Großen (747/748-814 n. Chr.). Althochdeutsch wintarmānōth „Wintermonat“ war ursprünglich die Bezeichnung für den Jänner, jedoch wurde ab dem 12. Jahrhundert in einigen Regionen auch der November Wintermonat genannt. Ab dem 14. Jahrhundert findet sich Wintermonat zusätzlich auch als Bezeichnung für den Dezember.

Auch der althochdeutsche Name heilagmānōth „Heiligmonat“ für den Dezember geht auf die Einführung deutscher Monatsnamen durch Karl den Großen zurück. Der Name bezieht sich auf das christliche Weihnachtsfest, das im Dezember gefeiert wird.

Dorfladen

Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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