Pizza? Basta! – Landestheater Salzburg – Kammerfoyer

Elisabeth Pichler. Das Foyer der Kammerspiele, meist als Garderobenraum genutzt, hat zurzeit etwas ganz Besonderes zu bieten. Manuela Weilguni, die Ausstattungsleiterin des Salzburger Landestheaters, hat mit ein paar Requisiten und sehr viel Kitsch eine typisch italienische Pizzeria eingerichtet. Kleine Tischchen, eng zusammengeschoben, ein paar einfache Holzstühle, Netze mit Muscheln an den Wänden, eine zwar singende, doch manchmal auch etwas ruppige Bedienung und ein cholerischer Padrone, der für zusätzliches Chaos sorgt. Eine Atmosphäre wie beim Italiener von nebenan.

Valentina, die musikalisch hochbegabte Tochter des Chefs, will hier einfach nur raus, sie möchte Karriere machen. Immer wieder dürfen wir Kostproben ihres Könnens genießen. Ihr Vater hält von diesen Flausen nichts, er hat andere Sorgen. Der Laden steht knapp vor dem Ruin und heute sind auch noch der Herr vom Finanzamt und die Frau vom Gesundheitsamt zu Gast. Da ist es schon verständlich, dass er sich mit einigen Gläschen Grappa stärken muss.

Doch irgendwie läuft gerade heute alles schief. Der Koch, der eigentlich längst in der Küche sein und sich um den Pizzaofen kümmern sollte, trällert lieber zur Unterhaltung der Gäste ein paar Canzonettas und Lorenzo, der unzuverlässige Kellner, lässt auch auf sich warten. Um das Chaos komplett zu machen, explodiert dann auch noch der Pizzaofen. Doch wozu gibt es eigentlich einen Pizzalieferanten?

Poala Ponte (wer versteckt sich eigentlich hinter diesem Pseudonym?) hat sich eine witzige, turbulente Rahmenhandlung ausgedacht, die sämtliche Italien-Klischees bedient. Enzo Canzonetta (Christoph Wieschke), ist ein typisches Muttersöhnchen, das ständig seine Mama bzw. ihr Bild an der Wand anjammert. Wenn ihm etwas nicht passt, droht er stets mit der Mafia. Valentina (Shantia Ullmann), sein reizendes Töchterchen, hat er allerdings nicht im Griff. Temperamentvoll betört sie nicht nur den feschen, jungen Kellner Lorenzo (Peter Marton) und den Koch (Marco Dott), auch die Gäste im Publikum kommen auf ihre Kosten, denn sie ist wirklich ein erfrischender Anblick in ihrem im kessen Kleid mit Petticoat.

Immer wieder wird das Publikum in den Spielablauf eingebunden. So wird mit Sekt auf eine Verlobung angestoßen, dann wieder regnet es Rosen und auch die Pizzalieferung ist pünktlich zur Stelle. Südländische Lieder, mit Charme und Temperament vorgetragen, verbreiten italienische Lebenslust. Adrian Suciu am Klavier bereitete der Abend sichtlich ebenso viel Spaß und Freude wie dem Publikum. Einen Besuch in der hauseigenen Pizzeria des Landestheaters sollten Sie auf keinen Fall versäumen.

Pizza? Basta! – ein mediterraner Liederabend von Paola Ponte im Kammerfoyer / Inszenierung: Astrid Großgasteiger / Ausstattung: Manuela Weilguni / Arrangements: Oliver Krämer / Dramaturgie: Bettina Oberender / Mit: Christoph Wieschke, Shantia Ullmann, Marco Dott, Peter Marton, Adrian Suciu, Felix Mayrhofer / Fotos: Daniel Asher Smith


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