Saft – Von Pflanzenflüssigkeiten zu Körperflüssigkeiten

saft

Fruchtsäfte | Alle Fotos: Karl Traintinger, Dorfbild

Mit dem Wort Saft bezeichnen wir Flüssigkeiten von Pflanzen und Früchten, Getränke und auch Körperflüssigkeiten.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Saft ist seit dem 10. Jahrhundert belegt. Althochdeutsch saf bzw. sapf bezeichnete Flüssigkeiten in Pflanzen und Früchten, sowie die Getränke, die aus diesen Flüssigkeiten hergestellt wurden. Die heutige Wortform Saft findet sich erstmals um 1400 und wird im 16. Jahrhundert die bis heute gültige Form.

Um die verschiedenen Säfte sprachlich unterscheiden zu können, wurden bis in mittelhochdeutsche Zeit zahlreiche Zusammensetzungen mit saf gebildet, so etwa blûmensaf „Blumensaft“, lindensaf „Lindensaft“, apfelsaf „Apfelsaft“, bilsensaf „Bilsensaft“, minzensaf „Minzensaft“, rûtensaf „Rautensaft“, lakritzenzahersaf „Süßholzsaft“.

Neben diesen Bezeichnungen für Pflanzensäfte findet sich im Mittelhochdeutschen auch das Wort eitersaf „giftiger Saft, Gift“. Der erste Wortteil eiter hatte in althochdeutscher und mittelhochdeutscher Zeit die Bedeutung „Gift“ im Allgemeinen und „tierisches Gift“ im Speziellen, wie beispielsweise eines slangen eitersaf „einer Schlange Giftsaft“. Die Bedeutung „Eiter“ im heutigen Sinn entwickelte sich aufgrund der Vorstellung, bei Eiterbildungen handele es sich um vergiftetes Blut. ___STEADY_PAYWALL___

Tür zum Schlachthaus

Im Verlauf des Mittelalters wurde die Verwendungsmöglichkeit von saf zusätzlich als Bezeichnung für Körperflüssigkeiten erweitert, wie beispielsweise roter Saft für Blut und Augensaft für Tränen.

Die Bezeichnung von Körperflüssigkeiten als Säfte findet sich vor allem in der Vier-Säfte-Lehre, die in der Antike entwickelt und bis ins 19. Jahrhundert von vielen Medizinern als gültig angesehen wurde. Die Vier-Säfte-Lehre besagt, Gesundheit und Krankheit der Menschen würde von der richtigen Mischung der vier Körpersäfte gelbe Galle, schwarze Galle, Blut und Schleim abhängen. Diese vier Säfte wurden auch Leibessäfte oder Körpersäfte genannt. Sind die vier Säfte im Gleichgewicht so sei der Mensch gesund und kräftig. Wenn von einem oder mehreren Säften zu wenig oder zu viel vorhanden sei, dann würde der Mensch krank und kraftlos. Das Gleichgewicht der Säfte könne jedoch durch die richtige Ernährung gesteuert werden.

Saftladen in Salzburg

Ein später sprachlicher Nachklang der Vier-Säfte-Lehre findet sich in unserem heutigen Sprachgebrauch in den Redewendungen saft- und kraftlos „ohne Kraft, ohne Schwung“ und ohne Saft und Kraft „energielos, antriebslos, geschwächt“. Heute verwenden wir diese Redewendungen zumeist nicht mehr im medizinischen Sinn, sondern für Dinge oder Menschen, die antriebslos, schlaff oder träge sind.

Die Verwendung von Saft als Bezeichnung für Körperflüssigkeiten findet sich heute auch noch in den Worten Magensaft, Gallensaft und Verdauungssäfte. Das Wort Magensaft bezeichnet eine Flüssigkeit, die vom Magen für die Verdauung produziert wird. Das Wort Gallensaft benennt das Sekret der Galle. Und das Wort Verdauungssäfte ist ein Sammelbegriff für alle Sekrete, die vom Körper für die Verdauung produziert werden.

Ab dem 15. Jahrhundert begegnet das Wort saftig mit der Bedeutung „Saft enthaltend“ bezogen auf Pflanzen, deren Früchte und Obst, wie beispielsweise in den Ausdrücken saftiger Zweig, saftiger Apfel oder saftige Trauben. Im Zeitverlauf wurde die Verwendungsmöglichkeit von saftig erweitert zu „viel Flüssigkeit enthaltend, voll Saft sein“ und konnte nun auch für andere Nahrungsmittel verwendet werden, wie etwa ein saftiger Braten.

Würstel mit Saft

Zusätzlich erhielt saftig die Bedeutung „kräftig, stark, intensiv“. Diese Bedeutung begegnet in den Ausdrücken eine saftige Tracht Prügel, eine saftige Ohrfeige, eine saftige Strafe. Ab dem 18. Jahrhundert entwickelte sich aus der Bedeutung „kräftig“ die Bedeutung „derb, zotig“, wie beispielsweise ein saftiger Witz, ein saftiges Schimpfwort oder ein saftiges Lied. Und ebenfalls von der Bedeutung „kräftig, stark“ entwickelte sich das Bedeutungselement „hoch, teuer“. Mit dieser Bedeutung findet sich saftig in den Ausdrücken eine saftige Rechnung, saftige Preise oder saftige Gebühren.

Dorfladen

Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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