„Pool (no water)“ – Untertitel: „Ein Text für Performer“

No Water

Der englische Autor Mark Ravenhill ist bekannt für seine schwarzhumorigen Stücke und landete 1996 mit „Shoppen und Ficken“ seinen ersten großen Erfolg. In „Pool (no water)“ wird eine erfolglose Künstlergruppe von Neid und Missgunst zerfressen. Die Premiere fand am 21. Oktober 2021 im OFF Theater statt. Viel Jubel für ein provokantes Stück und ein hervorragendes Ensemble.  

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Auf der Kunstakademie waren sie eine verschworene Gruppe von Freunden. Zehn Jahre später sind zwei von ihnen tot und nur eine hat es tatsächlich geschafft. Sie ist berühmt, hatte Erfolg mit ihren Werken und besitzt jetzt eine Villa mit Pool, Poolboy, Personaltrainer und Koch. Unisono behauptet die erfolglose Truppe: „Wir lieben sie über alles.“ Doch ganz echt klingen ihre Lobeshymnen nicht, da schwingt eindeutig Eifersucht mit. Bei einer nächtlichen Fete in der Luxusvilla erinnert man sich der Zauberwörter aus vergangenen Zeiten „Nackt baden!“ und schon legen alle ihre Kleider ab. Die Hausherrin ist am schnellsten und stürzt sich als Erste in den Pool. Der Rest bewundert den „lachenden, fliegenden Engel“ und wartet leider vergeblich auf ein Platschen. 

Im Krankenhaus macht sich bei allen ein Gefühl der Erregung breit, sie finden die Verletzungen anziehend und verlockend. Mit einer Kamera halten sie die faszinierende, eindringliche Schönheit der komatösen Patientin fest. Sie arrangieren den deformierten Körper und sorgen für die beste Komposition. Diese Dokumentation des Heilungsverlaufs könnte für sie den Durchbruch bedeuten. Leider erwacht das Kunstobjekt und jetzt meldet sich doch das schlechte Gewissen. Sollen sie ihr die Bilder zeigen oder lieber doch nicht? 

Die namenlose Künstlergruppe (Alex Linse, Anja Clementi, Diana Paul und Thomas Pfertner) sehnt sich nach Erfolg und Anerkennung und sieht im Unglück ihrer erfolgreichen Freundin sogar eine ausgleichende Gerechtigkeit. Grandios, wie boshaft sie zu Beginn des Stückes über den Pool der Freundin lästern und wie selbstverständlich sie sich nach dem Unfall in der Luxusvilla einnisten. Hier können sie vergessen, dass sie alle vier in der Kunst falsch abgebogen sind. Florian Strohriegl (Bühnenbau) hat den Fußboden mit türkisen Fliesen ausgelegt, was hervorragend sowohl zum Pool als auch zum Krankenhaus passt. Hinter den weißen Stoffbahnen können Ärzte und Poolboy unerkannt vorbeihuschen.  

Caroline Richard konnte hier mit einem echten Künstlerkollektiv zusammenarbeiten und das merkt man der Inszenierung auch an. Denn die vier sind ein eingespieltes Team, gehören sie doch alle zum harten Kern des OFF-Theater-Ensembles. Mark Ravenhill zählt zu den Vertretern des britischen „In-yer-face-Theatre“, in dem Sex, Gewalt und Drogenkonsum gängige Motive sind und die Sprache roh, unverblümt und provokant ist. Ein Besuch dieser Salzburger Erstaufführung lohnt sich auf alle Fälle ebenso wie der Erwerb des absolut professionell und sehr informativ gestalteten Programmheftes.  

„Pool (no water) von Mark Ravenhill. Ein Text für Performer. Regie: Caroline Richards. Bühnenbau: Florian Strohriegl. Kostüm und Maske: Ensemble. Regieassistenz und Visuals: Jenny Szabo. Mit: Alex Linse, Anja Clementi, Diana Paul, Thomas Pfertner und der Stimme von Christiane Warnecke. Foto: OFF Theater

Dorfladen

Über den Autor

Elisabeth Pichler
“Theater war schon immer meine große Leidenschaft und scheinbar ist es mir auch gelungen, diese Begeisterung an meine Kinder weiterzugeben.” Elisabeth Pichler besucht für die Dorfzeitung Theateraufführungen und Konzerte und liest neue Bücher.

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