Feld – Flaches Land, Kampfplatz und Gebiet

Gedenkstein zur Erinnerung an die Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen

Gedenkstein zur Erinnerung an die Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen am 26. August 1278 zwischen Rudolf von Habsburg und Ottokar von Böhmen | Foto: Karl Traintinger

Das Wort Feld begegnet in landwirtschaftlichen Bezeichnungen, in militärischen Ausdrücken und zahlreichen Wortbildungen des allgemeinen Sprachgebrauchs.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Feld ist seit dem 8. Jahrhundert belegt, hatte in althochdeutscher Zeit die Bedeutung „Ebene, Flachland“ und bezeichnete ebenes, offenes, anbaufähiges Land im Unterschied zu Wiesen. Aber auch Weideland und Weiden wurden im Althochdeutschen Feld genannt. Zudem hatte Feld auch eine allgemeine Bedeutung „Fläche“ und konnte somit als Bezeichnung für Oberflächen von Dingen verwendet werden, als geometrischer Begriff und für abgegrenzte Stücke in Zeichnungen. Da Schlachten häufig in Ebenen und auf flachem Land geschlagen wurden, hatte Feld bereits in althochdeutscher Zeit zusätzlich die Bedeutung „Kampfplatz, Kampffeld“.

Im Mittelalter findet sich das Wort in landwirtschaftlichen Bezeichnungen, in Pflanzen- und Tiernamen und in militärischen Ausdrücken.

Zu den landwirtschaftlichen Bezeichnungen, den Pflanzen- und Tiernamen zählen im Mittelhochdeutschen die Ausdrücke vëltacker „Feldacker“, vëltgüsse „Feldbewässerung“ oder brâchvëlt „Brachfeld“, vëltbluome „Feld-, Wiesenblume“, vëltkümel „Feldkümmel“, vëltminze „Ackerminze“, vëltmûs „Feldmaus“ oder vëltspinne „Feldspinne.

Im Speziellen entwickelte sich für mittelhochdeutsch vëlt die Bedeutung „Turnierplatz, Kampfplatz, Schlachtfeld“. Im Kontext von Kampf und Krieg finden sich in mittelhochdeutscher Zeit bereits zahlreiche Zusammensetzungen, wie etwa vëltzuc „Feldzug“, vëltwal „Schlachtfeld“, vëltstrît „offene Feldschlacht“, vëltburc „Feldlager“, vëltvürste „Fürst im Feld“ oder vëltvlühtic „feld-, fahnenflüchtig“.

Ab dem 16. Jahrhundert werden auch Bezeichnungen für militärische Ränge mit dem Wort Feld gebildet, wie etwa Feldhauptmann, Feldmarschall oder Feldwebel.

Das Wort Feldwebel ist eine Verkürzung aus Feldweibel. Das Wort Weibel geht zurück auf althochdeutsch weibōn „sich hin- und herbewegen“, findet sich ab dem 11. Jahrhundert und war eine allgemeine Bezeichnung für untergeordnete Amts- und Gerichtsdiener, die Botengänge erledigten und in Amtsgeschäften unterwegs waren. Mit Feldweibel wurde ursprünglich eine untergeordnete Amtsperson im Krieg, im Feld bezeichnet. Mit der Zeit wandelte sich die Form von Feldweibel zu Feldwebel und wurde im 17. Jahrhundert ein Dienstgrad für Unteroffiziere.

Der Soldaten- und Landsknechtssprache des 16. Jahrhunderts entstammt der Ausdruck Springinsfeld. Springinsfeld ist eine Zusammenziehung des Satzes Spring in das Feld mit der ursprünglichen Bedeutung „eile in das Feld, in den Krieg“ und findet sich anfänglich als Bezeichnung für Landsknechte. Die heutige Bedeutung „junger, unbekümmerter Mensch, Leichtfuß“ entwickelte sich im Lauf des 17. Jahrhunderts.

Auch die Redewendungen gegen jemanden ins Feld ziehen, das Feld behaupten, das Feld verlieren, jemandem das Feld überlassen entstammen dem militärischen Sprachgebrauch. Gegen jemanden ins Feld ziehen bedeutete ursprünglich „gegen jemanden in den Krieg ziehen“, das Feld behaupten „die Schlacht gewinnen“, das Feld verlieren „die Schlacht verlieren“, das Feld räumen „zurückweichen“ und jemandem das Feld überlassen „sich vom Schlachtfeld zurückziehen“.

Nach dem Mittelalter weitete sich die Verwendungsmöglichkeit von Feld und begegnet in unserem heutigen Sprachgebrauch in unterschiedlichen Lebensbereichen.

Die Verwendung in landwirtschaftlichen Bezeichnungen hat sich bis heute erhalten. So finden sich die Ausdrücke Feldarbeit, Feldwirtschaft, Baumwollfeld, Brachfeld, Gemüsefeld, Getreidefeld, Haferfeld, Hopfenfeld, Kartoffelfeld, Kornfeld, Rapsfeld, Reisfeld, Roggenfeld, Rübenfeld, Saatfeld, Spargelfeld, Stoppelfeld, Weizenfeld, usw.

Ebenso hat sich die Verwendung von Feld im militärischen Sprachgebrauch erhalten, wie beispielsweise Feldartillerie, Feldbett, Feldhauptmann, Feldherr, Feldhospital, Feldkaplan, Feldküche, Feldlager, Feldlazarett, Feldmarschall, Feldpost, Feldübung, Felduniform, Feldwebel, Feldzug, Kampffeld, Schlachtfeld, Minenfeld.

Aber auch beim Sport findet sich das Wort Feld in den Worten Feldspiel, Fußballfeld, Mittelfeld, Spielfeld, Spitzenfeld, Starterfeld, Teilnehmerfeld.

Daneben begegnet Feld auch in Bezeichnungen für Gebiete, die mit Eis und Schnee bedeckt sind oder in denen sich Rohstoffe finden wie Eisfeld, Gletscherfeld, Schneefeld, Ölfeld, Gasfeld, Goldfeld.

Und Feld findet sich in allgemeinen Bezeichnungen mit der Bedeutung „Gebiet, Bereich“, wie beispielsweise Absatzfeld, Anwendungsfeld, Arbeitsfeld, Aufgabenfeld, Berufsfeld, Betätigungsfeld, Einsatzfeld; Forschungsfeld, Themenfeld.

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Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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