Allerheiligen

Friedhof Pax Natura bei Maria Plain

Friedhof Pax Natura bei Maria Plain | Titelbild: Karl Traintinger, alle anderen Fotos: Archiv Wolfgang Bauer

Das ist die Zeit, in der man sich auch an Leute erinnern sollte, die einmal eine große Rolle in unserer Gegend, dem nordwestlichen Flachgau, gespielt haben.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Sie waren einmal sehr bekannt in Kultur, Wirtschaft oder Politik, aber nur mehr wenige der jüngeren Leute wissen genaueres über sie.

Es ist nur eine kleine Auswahl an Personen und viele Andere hätten sich ebenfalls verdient, daß man sich ihrer erinnert.

Georg Rendl
Georg Rendl

Georg Rendl

Der Maler, Dichter und Großimker wurde 1903 in Zell am See geboren, lebte in der Jugend in Salzburg, leitete Bienenfarmen in Bürmoos und Scharfling am Mondsee und verbrachte seinen Lebensabend in St. Georgen in seinem „Haus in Gottes Hand“ wie er das Häuschen unterhalb der Kirche nannte, in dem er lebte.

Er schrieb über 50 Bücher, 180 Kurzgeschichten und über 1200 Gedichte, die aber nur teilweise veröffentlicht worden sind. Sein malerisches Werk umfaßt rund 200 Gemälde und ebenso viele Hinterglasbilder. Die von ihm betreuten Bienenfarmen hatten meist mehr als 100 Bienenstöcke.

Im Jahr 1972 starb Rendl in St. Georgen. Sein Grab befindet sich an der Mauer des Kirchturmes von St. Georgen.

Das Rendlgrab in St. Georgen

Ignaz Glaser

Ignaz Glaser

Der jüdische Kaufmann und Glasindustrielle, den man als eigentlichen Gründer des Ortes Bürmoos bezeichnen kann, wurde 1853 in Preitenstein bei Pilsen geboren.

Im Jahr 1881 erwarb er zusammen mit seinem Schwiegervater eine in Konkurs gegangene Glashütte in Bürmoos und begann 1882 mit der Tafelglasproduktion. Geheizt wurde, ebenso wie in der später gegründeten Fabrik in Hackenbuch mit dem Torf des Bürmooser Moores und des Ibmer Moores.

Es wurde eine der größten Tafelglasfabriken der ganzen Monarchie. Aus ganz Mitteleuropa kamen die Leute hierher um zu arbeiten, sowohl bei der Glaserzeugung, wie auch bei der Torfgewinnung oder beim Hopfenanbau.

Im Jahr 1916 starb er in seinem Haus in Salzburg und ist im jüdischen Friedhof in Salzburg Aigen begraben. (Das Grab ist nur nach Voranmeldung zu besuchen).

Das Glaser-Grab im Jüdischen Friedhof in Salzburg – Aigen

Pater Felix Osendorfer

Pater Felix Osendorfer

Der in Bad Aibling in Bayern geborene Sohn eines Malermeisters wurde auf den Namen Bruno getauft. Er studierte in Reimlingen, um Missionär zu werden, gab dieses Studium aber wieder auf. 1927 kam er mit den Benediktinern in Michaelbeuern in Kontakt und feierte 1932 seine Primiz.

Osendorfer-Grab in Michaelbeuern

Er wurde 1933 Kooperator in Lamprechtshausen und war dort für die Bürmooser Bevölkerung zuständig. Die nach dem Konkurs der Glashütte total verarmte Bevölkerung betreute er mit Hingabe, ging zu den Bauern für sie betteln und betreute die Kranken und Sterbenden bei der 1945 ausgebrochenen Typhusepidemie.

Sein Humor war unerschütterlich und immer war er auf der Seite der einfachen Leute. Er betrieb mit großem Einsatz auch die Errichtung einer eigenen Kirche für den Ort, ging wieder betteln um Bauholz, griff selbst zu Schaufel und Maurerkelle.

1955 war es soweit, daß die Kreuzsteckung der Kirche erfolgte. Aber nicht Pater Felix wurde Pfarrer, sondern er wurde nach Obersulz im Weinviertel versetzt – der „Apostel der Bürmooser“ war den Kirchenoberen zu volksnah gewesen. Es erfolgte ein Aufruhr und die Besuchszahlen bei den Messen gingen drastisch zurück.

Pater Felix starb 1971 und ist im Friedhof von Michaelbeuern bei den anderen Patres begraben.

Leopold Kohr

Leopold Kohr

In Oberndorf bei Salzburg am 5. 10. 1909 geboren, Volksschule in Oberndorf, akademisches Gymnasium Salzburg, studierte er in Wien, Innsbruck, London und Paris Rechts- und Staatswissenschaft und emigrierte 1938 nach Amerika. Sein Vater war der jüdische Arzt gleichen Namens in Oberndorf, der ab 1938 Berufsverbot hatte.

Leopold Kohr kam mit vielen der bedeutendsten Philosophen seiner Zeit zusammen. Er lehrte an den Universitäten Puerto Rico, Mexico City und Wales und propagierte die Parole „Small is beautiful“.

Der weltweit bekannte Nationalökonom erhielt viele Auszeichnungen und 1983 den alternativen Nobelpreis. Am 26. Februar 1994 starb er in seiner Wahlheimat Gloucester in England und seine Urne wurde im Familiengrab in Oberndorf beigesetzt.

Kohr-Grab in Oberndorf 2008

Axel Corti

Geboren am 7. Mai 1933 in Boulogne-Billancourt bei Paris als Leopold Karl Anatole Axel Fuhrmans; war ein österreichischer Regisseur und Publizist. Weil sein Vater im Widerstand arbeitete, mußte er schließlich mit seiner Mutter in die Schweiz emigrieren. Nach dem Krieg wurde die Familie aus der Schweiz ausgewiesen und erhielt durch einen Geistlichen einen Pass mit dem Namen Corti. Später lebte er in England und Deutschland, bevor er sich in Österreich niederließ.

Er arbeitete für den Hörfunk, wobei der wöchentliche „Schalldämpfer“ wohl damals jedem bekannt war. Viele anspruchsvolle Filme entstanden mit ihm als Regisseur, auch in der Staatsoper führte er Regie. Als Schauspieler kam er zu anspruchsvollen Rollen. All diese anspruchsvolle Kulturarbeit verhalf ihm zu einer Reihe von Auszeichnungen und Preisen.

In Arnsdorf hatte sich die Familie Corti das frühere Pfarrhaus gekauft und verbrachte viel Zeit dort. Am 29. Dezember 1993 starb Axel Corti und wurde in der Stille Nacht Gemeinde Arnsdorf an der Kirchenmauer begraben.

Corti-Grab an der Westseite der Wallfahrtskirche Maria im Mösl in Arnsdorf – Lamprechtshausen

Karl Zillner

Geboren 1926 in Laufen besuchte er die Volks- und die Hauptschule in Oberndorf und ging anschließend zu Bahn. 1943 – 1945 wurde er zum Militär eingezogen, dann arbeitete er wieder bei der Bahn.

Schon sehr jung trat er der SPÖ bei, wurde bald Ortsvorsitzender in St. Georgen. Durch seine blendende Rednergabe bald zum Mitglied des Landesparteivorstandes gewählt, bekleidete er schließlich ab 1974 die Funktion des zweiten Landtagspräsidenten.

1964 wurde er in der bis dahin tiefschwarzen Gemeinde St. Georgen zum Bürgermeister gewählt. Aus den beiden Gemeinden St. Georgen und Lamprechtshausen wurde 1967 eine kleine Fläche von rund 7 Quadratkilometer herausgelöst und eine eigene Gemeinde Bürmoos gebildet. Bei der ersten Gemeindewahl errang der inzwischen zum Bürmooser gewordene Zillner einen überwältigenden Wahlsieg und wurde Bürgermeister.

Man kann Karl Zillner als den Initiator einer modernen Industriegemeinde Bürmoos bezeichnen, der man anfangs keine große Überlebenschance gegeben hatte.

1983 schied er freiwillig aus dem Leben und ist im Ortsfriedhof Bürmoos begraben.

Zillner-Grab im Ortsfriedhof in Bürmoos

Anni Lemberger: Meine Gedanken zu Allerheiligen
Karl Traintinger: Allerheiligen im Dorf

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