Stein im Brett, Stein des Anstoßes und Stein der Weisen

Steinerne Kanonenkugel

Steinerne Kanonenkugeln auf der Festung Hohensalzburg | Foto: Karl Traintinger

Das Wort Stein verwenden wir nicht nur als Bezeichnung für ein festes, hartes, mineralisches Naturprodukt beliebiger Form. Das Wort findet sich in unserem Sprachgebrauch auch in formelhaften Ausdrücken und Redewendungen.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Der Ausdruck Stein im Brett findet sich ab dem 16. Jahrhundert und geht zurück auf ein mittelalterliches Brettspiel. Die Figuren von Brettspielen wurden in vergangener Zeit aus Stein oder Kristall gefertigt und nach dem Material benannt, aus dem hergestellt wurden – dem Stein. Mit der Zeit wurden Brettspielfiguren auch aus anderen Materialien gefertigt. Die Änderung des Materials bewirkte jedoch keine Änderung der Bezeichnung. Noch heute verwenden wir für Figuren oder flache Gegenstände bei Brettspielen die Bezeichnungen Stein oder Spielstein. ___STEADY_PAYWALL___

In dem mittelalterlichen Brettspiel Tricktrack bezeichnete der Ausdruck einen guten Stein im Brett haben eine vorteilhafte Stellung von Spielsteinen. Daraus entwickelte sich im allgemeinen Sprachgebrauch die Bedeutung „einen Vorteil haben, Ansehen, Beliebtheit haben“. So konnte jemand sagen ich habe einen guten Stein im Brett und damit ausdrücken „ich habe einen guten Vorteil“. Weiters konnte ein Stein im Brett auch eine Umschreibung für einen Gönner sein. Im weiteren Zeitverlauf wurde die Redewendung modifiziert und zu einen Stein im Brett bei jemanden haben gewandelt mit der Bedeutung „bei jemanden beliebt sein, jemandes Wohlwollen genießen“.

Die Redewendung Stein des Anstoßes ist mit der Bibelübersetzung von Martin Luther in unseren Sprachgebrauch gelangt. Der Ausdruck Stein des Anstoßes findet sich in einer Textstelle des Alten Testaments: Und er wird ein Heiligtum sein und ein Stein des Anstoßes und ein Feld des Ärgernisses für die beiden Häuser Israel, ein Fallstrick und eine Schlinge für die Bewohner Jerusalems, dass viele von ihnen sich daran stoßen, fallen zerschmettern, verstrickt und gefangen werden (Jesaja 8,14-15). In den folgenden Jahrhunderten wurde die Redewendung Stein des Anstoßes aus dem alttestamentlichen Kontext herausgelöst, in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen und mit einer allgemeinen Bedeutung „Sache, die ein Ärgernis verursacht“ versehen.

Der Ausdruck Stein der Weisen entstammt der Alchemie des Mittelalters und ist eine Übersetzung von lateinisch lapis philosophorum. Mit Alchemie wurde im Mittelalter die Lehre und Erforschung chemischer Prozesse bezeichnet und die Suche nach einer Möglichkeit zur Herstellung von Gold. Die Erforschung unterlag keinen wissenschaftlichen Kriterien, wie wir sie heute kennen, sondern war spekulativ und mystisch angehaucht. Teil dieser Forschung war die Vorstellung, unedle Metalle könnten zu Gold oder Silber umgewandelt werden. Deshalb wurde die Alchemie auch Goldmacherkunst genannt.

Die Lehre der Alchemisten besagte, es gäbe eine Substanz, mit der die Umwandlung unedler Metalle in Gold und Silber bewirkt werden könne und die eine Universalmedizin gegen Krankheiten sei. Diese Substanz nannten die Alchemisten lapis philosophorum oder zu Deutsch Stein der Weisen. Mit dem Entstehen der Naturwissenschaften im heutigen Sinn im 18. Jahrhundert verlor die Alchemie an Bedeutung, geriet in Verruf als Scharlatanerie und Betrügerei und wurde im Lauf der Zeit dem weiten Gebiet des Aberglaubens eingegliedert. Erhalten hat sich jedoch bis heute der Ausdruck Stein der Weisen. In unserem heutigen Sprachgebrauch verwenden wir Stein der Weisen als Umschreibung für „eine endgültige Lösung eines Problems“ zumeist in den Formeln den Stein der Weisen suchen oder den Stein der Weisen gefunden haben.

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Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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