Orpheus in der Unterwelt

Orpheus in der Unterwelt

Ein äußerst vergnüglicher Höllentrip

Leider war die erste Produktion der renommierten Regisseurin Rosamund Gilmor im Max Schlereth Saal der Universität Mozarteum nicht öffentlich, sondern nur für universitätsinterne Personen. Die Premiere von Jacques Offenbachs Opéra-Bouffon in zwei Akten, Version 1858, am 15. Dezember 2021 wurde jedoch aufgezeichnet und ist ab Jänner 2022 auf dem YouTube-Kanal der Universität Mozarteum zu sehen. Eine tolle Inszenierung, großartige junge Sängerinnen und Sänger, sehr zu empfehlen.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Die wenigen Zuseher ermöglichen es der Regie, die Bühne großzügig zu erweitern. Das Orchester spielt, umgeben von einem kreisrunden Pfad, mitten im Raum. Hier besingt Eurydike gerade ihren neuen Liebhaber, einen sehr agilen, Bienen züchtenden Schäfer. „Sagt nur davon nichts meinem Mann!“ DennOrpheus, ein Musiklehrer und Geiger, ist trotz ihrer offenen Beziehung ziemlich eifersüchtig. Kein Wunder, dass sich Eurydike bereitwillig von ihrem heißgeliebten Schäfer, der sich bald schon als Pluto zu erkennen gibt, in die Unterwelt entführen lässt. Als Orpheus ihren Abschiedsbrief findet, ist er begeistert, er fühlt sich endlich frei. Doch er hat zu früh jubiliert, denn die öffentliche Meinung will, dass er seine Gattin zurückholt.

Gemeinsam besteigen sie den Olymp und finden dort eine ziemlich zerstrittene Bande vor, die sich entsetzlich langweilt. Jupiter erklärt sich daher gerne bereit, ihnen zu helfen, denn auch er hat Interesse an der schöne Eurydike. So wandert die gesamte Götterschar begeistert in Plutos Höllenreich. Pluto hat seine Eroberung, bewacht von seinem stets betrunkenen Diener Styx, vorsichtshalber weggesperrt. Jupiter weiß sich jedoch zu helfen und schlüpft in Gestalt einer Biene durchs Schlüsselloch. So steht einer heißen Liebesnacht nichts mehr im Wege. Währenddessen feiert die göttliche Gesellschaft ein höllisches Fest. Nur ungern gibt Jupiter seine neue Flamme Orpheus zurück. So beginnt also der Marsch in Richtung Oberwelt. Im letzten Moment schleudert Jupiter jedoch einen Blitz und Orpheus dreht sich erschrocken um. Damit hat er seine Frau für immer verloren. Aber auch Pluto soll Eurydike nicht bekommen und so bestimmt Jupiter: „Nein, eine Bacchantin mach’ ich jetzt aus ihr.“

In der Aufführung am 15.12. überzeugte Niklas Mayer als eifersüchtiger Orpheus, der seine Gattin eigentlich gar nicht zurückhaben will. Eurydike (Regina Koncz) hält ihn für einen unerträglichen Spießer und folgt Pluto nur allzu gerne in die Hölle. Johannes Hubmer darf als leidenschaftlicher, sexy Pluto seine schauspielerischen Fähigkeiten voll ausleben. Jakob Mitterrutzner kann als betrunkener Styx nur noch davon träumen bzw. singen, dass er einst Prinz war von Arkadien. Im Olymp hat Jupiter (Jakob Hoffmann) nicht wirklich viel zu melden. Seine Frau Juno, Venus, Diana Minerva, Bacchus, Mars, Merkur und Cupido machen sich wegen seiner vielen Liebschaften nur lustig über ihr „Jupilein“. Halb Frau, halb Mann zwingt die öffentliche Meinung (Constantin Zimmermann) Orpheus dazu, seine Frau zurückzuholen.

Jiale Zhu hat die Bühne nur als Bild genutzt, als weißen, sauberen Ort der Götter. Im Hades hingegen, in dessen Mitte das Kammerorchester der Universität Mozarteum Salzburg unter dem Dirigat Kai Röhrigs musiziert, ist alles rot und wirkt wie eine frivole Bar. Grandios auch die Lichtgestaltung von Michael Becke, der mit der über dem Orchester befindlichen riesigen, kreisrunden Lampe für höllische Atmosphäre sorgt. Wie gut den Göttern die Unterwelt gefällt, sieht man an ihren Kostümen (Jisu Park), denn die langweiligen, weißen Togen werden in der Unterwelt schnell gegen Party-Klamotten im Muster der Höllentapeten eingetauscht.

In einem Interview in den Uni-Nachrichten vom 11. Dezember 2021 ist Regisseurin Rosamund Gilmore voll des Lobes über ihre Studenten: „Die Disziplin und Konzentration bei den Studierenden ist fantastisch, der Enthusiasmus hoch. Sie sind spielfreudig, sehr offen für meine Arbeit und kommen nicht mit Vorbildern, wie sie sein wollen.“

Nach der Vorstellung meinte ein Besucher: „Großartig, ein Vergnügen – so etwas braucht man in Zeiten wie diesen!“

„Orpheus in der Unterwelt“ – Opéra-Buffon in 2 Akten/4 Bildern. Libretto von Hector Crémieux in Zusammenarbeit mit Ludovic Halévy. Musik von Jacques Offenbach, Version 1858 – in deutscher Sprache. Eine Veranstaltung des Departments für Oper und Musiktheater in Kooperation mit dem Department für Gesang und dem Department für Bühnen- und Kostümgestaltung, Film und Ausstellungsarchitektur. Musikalische Leitung: Kai Röhrig. Regie: Rosamund Gilmore. Bühne: Jiale Zhu. Kostüme: Jisu Park. Mit: Niklas Mayer/ Dagur Þorgrímsson, Regina Koncz/Maria Agustina Calderon, Jakob Hoffmann/Máté Herczeg, Dares Hutawattana, Yekaterina Badeso/Donata Meyer-Kranixfeld, Donata Meyer-Kranixfeld/Yekaterina Badeso, Heekyung Park/Emilie Christensen, Dominik Schumertl, Máté Herczeg/Jakob Hoffmann, Dagur Þorgrímsson/Niklas Mayer, Emilie Christensen/Heekyung Park, Constantin Zimmermann, Johannes Hubmer, Jakob Mitterrutzner. Kammerorchester der Universität Mozarteum. Fotos: Mozarteum/ Christian Schneider

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Dorfladen

Über den Autor

Elisabeth Pichler
“Theater war schon immer meine große Leidenschaft und scheinbar ist es mir auch gelungen, diese Begeisterung an meine Kinder weiterzugeben.” Elisabeth Pichler besucht für die Dorfzeitung Theateraufführungen und Konzerte und liest neue Bücher.

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