Corona 2022: Kultur und Inklusion

Kunstbox

Wir können uns als öffentlicher Kulturverein und Veranstaltungshaus nicht über geltendes Recht hinwegsetzen, aber wir können unsere Position darlegen und einen Diskurs über eine zutiefst ungerechte Ausgrenzung einer gesellschaftlichen Gruppe im Kulturbetrieb anregen. Und wir können versuchen, für all die Menschen, die uns und der Kultur seit Jahren die Treue halten und die jetzt wahrscheinlich kerngesund, aber coronaungeimpft zu Hause weggesperrt sind, Brücken zu bauen. Digital und niederschwellig. 

Leo Fellinger

Von Leo Fellinger

Was viele Menschen zurzeit am meisten erhoffen, ist, dass Corona bald „vorbei sein wird” und alles wieder zur Normalität zurückkehrt. Wenn man Matthias Horx Glauben schenkt, sieht das anders aus: „Niemals. Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Wir nennen sie Tiefenkrisen. Diese Zeiten sind jetzt. Die Welt „die wir kennen“ löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest erahnen können. Und schon jetzt mitgestalten.“ 

Corona hat tiefe Brüche zwischen den Menschen erzeugt, das war so nicht vorauszusehen. Dieses „Gegeneinander“, das wir gerade erleben, ist das Gegenteil dessen, was Viele sich erhofft haben und an dem Viele gearbeitet haben: Eine „inklusive“ Welt. Diese soziale Inklusion ist dann verwirklicht, wenn jeder Mensch in seiner Individualität von der Gesellschaft akzeptiert wird und die Möglichkeit hat, in vollem Umfang an ihr teilzuhaben oder teilzunehmen. Die Gesellschaft selbst entsteht aus den unermesslich vielen Ichs, die alle etwas Eigenes und Einzigartiges in die Waagschale werfen, und das einzelne Ich findet Anklang in einer Gesellschaft, die in ihren Institutionen, Gewohnheiten und Übereinkünften die Impulse, Ideen und Initiativen ihrer Mitglieder widerspiegelt. 

An dieser Stelle sei festgehalten, dass das Prinzip der Inklusion als Menschenrecht unteilbar ist, und es beschränkt sich nicht allein auf die Rechte von Menschen mit Behinderungen, sondern gilt für alle Menschen und hat zum Ziel, alle Formen der Ausgrenzung (Exklusion) zu beseitigen.

Also: Jeder Mensch wird akzeptiert und ist gleichberechtigt und selbstbestimmt – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft, von Religionszugehörigkeit oder Bildung, von eventuellen Behinderungen, Krankheiten oder sonstigen individuellen Merkmalen. In der inklusiven Gesellschaft gibt es keine definierte Normalität, die jedes Mitglied dieser Gesellschaft anzustreben oder zu erfüllen hat. Normal ist allein die Tatsache, dass Unterschiede vorhanden sind. Diese Unterschiede werden als Bereicherung aufgefasst und haben keine Auswirkungen auf das selbstverständliche Recht der Individuen auf Teilhabe. Aufgabe der Gesellschaft ist es, in allen Lebensbereichen Strukturen zu schaffen, die es den Mitgliedern dieser Gesellschaft ermöglichen, sich frei darin zu bewegen. 

Diese Position sehen wir als gemeinnütziger Kulturverein extrem gefährdet. Der Ausschluss von Menschen am kulturellen Leben, an der kulturellen Teilhabe ist ein grenzwertiger Verstoß gegen alles, für das wir unsere demokratische Gesellschaftsform bis jetzt verstanden haben. Dass dies auch zurzeit schon Formen der Normalität annimmt, muss bei Jedem/Jeder die Alarmglocken schrillen lassen. 

Wir achten geltende Gesetze, aber wir wollen unsere Position darlegen und einen Diskurs anregen. Über diese Neugestaltung der Gesellschaft und der unwiderrufbaren Rückkehr des Prinzips der Inklusion. Und wir möchten klarstellen, dass uns auch dieses ausgeschlossene Drittel der Bevölkerung gleich viel wert ist wie alle anderen. Und wir können versuchen, Brücken zu bauen für all die Menschen, die uns und der Kultur seit Jahren die Treue halten und die jetzt wahrscheinlich kerngesund, aber ungeimpft zu Hause weggesperrt sind.

Die kleinste Brücke ist eine digitale, die werden wir sofort angehen und umsetzen: 

Kunstbox online

Wir werden ab sofort für diese Gäste alle (streamingfähigen) Veranstaltungen kostenfrei in deren Wohnzimmer streamen. Der Vorgang ist einfach: Bei der registrierten Ticketreservierung für die gewünschte Veranstaltung auf www.kunstbox.at hinterlässt man in den Bemerkungen das Wort „Stream“, man erhält dann 30 Minuten vor dem Beginn der Veranstaltung den Link und den Zugangscode.

Das gilt im Jänner für folgende Veranstaltungen:

8.1. Manu Delago
13.1. Weltbilder Neuseeland
21.1. Anette Postel
22.1. Sinfonia de Carneval
17.1. Lukas Lauermann
28.1. Sophie Abraham

DIE VERANSTALTUNGEN FINDEN NATURGEMÄSS NUR STATT, WENN ES IM JÄNNER NICHT WIEDER ZU EINEM LOCKDOWN KOMMT.

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