Elling

In einer psychiatrischen Klinik lernen sich die beiden Sonderlinge Elling und Kjell Bjarne kennen. Als sie entlassen werden, sollen sie gemeinsam eine Wohnung beziehen und sich wieder an das normale Leben gewöhnen. Der Sozialarbeiter Frank ist zunächst nicht zufrieden mit seinen verstörten Stubenhockern.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Auf den ersten Blick ist ersichtlich: Das ist ein seltsames Paar. Ein kleiner, neurotisch wirkender Mann im schwarzen Anzug mit oranger Krawatte und ein stämmiger Handwerker mit schwerem Werkzeugkoffer. Doch trotz der optischen Unterschiede merkt man sofort, die beiden haben ähnlich gelagerte Probleme: Sie kommen mit der normalen, hektischen Umwelt nicht zurecht, sie verkriechen sich am liebsten in ihrer kleinen Sozialwohnung. Sogar die getrennten Schlafzimmer bereiten Schwierigkeiten. Schnell stellen sie ihre Betten wieder in einem Zimmer auf und sind begeistert: Wie in der Klinik. Doch Frank der Sozialhelfer will mehr, Kontakte mit der Außenwelt müssen her.

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Und so dürfen wir sie auf ihrem Weg in die Normalität begleiten. Denn Schritt für Schritt schaffen Sie es, sich der Außenwelt zu stellen, sie lernen einkaufen, telefonieren und sogar den Besuch eines Gasthauses. Rührend ist ihre kindliche Freude, als sie zwei Goldfische als Haustiere aufnehmen dürfen.

Die große Herausforderung kommt in Gestalt einer schwangeren Hausbewohnerin auf sie zu. Kjell Bjarne ist begeistert. Er lernt zum ersten Mal eine Frau kennen und verliebt sich auf der Stelle. Elling jedoch ist total verwirrt, er kommt mit der neuen Situation nur schlecht zurecht, seine Eifersucht erwacht. Doch in dieser Extremsituation wachsen die beiden „Helden“ über sich hinaus.

Alexander Kratzer und Edi Jäger zeichnen diese beiden liebenswürdigen Anti-Helden mit ihren vielen Ängsten aber auch Boshaftigkeiten mit Witz aber auch mit Weisheit. Wenn Jon F.Kutil als Sozialarbeiter die Wohnung betritt, bereitet dieser Einbruch der Außenwelt in die behagliche Zweisamkeit selbst dem Zuseher Schmerz. Doch was er nicht schafft, gelingt Anita Köcher als betrunkener und rauchender Schwangerer.

Elling ist ein amüsantes Kammerspiel von liebenswerter Frische, Boulevard mit Tiefgang. Nach Innsbruck wird sicherlich auch Salzburg dieses Stück begeistert aufnehmen, denn es bietet einen rundum gelungenen Theaterabend, der auch Theatermuffel begeistern kann. Das Premierenpublikum im Kleinen Theater war sichtlich sehr angetan.

Axel Hellstenius – Elling / KLEINES THEATER SALZBURG – PREMIERE: 24. SEPTMBER 2008 / MIT: ALEXANDER KRATZER, EDI JÄGER, JOHN F. KUTIL, ANITA KÖCHL / REGIE: ALOIS ROHRMOSER / BÜHNE: KLAUS GASPERI / Schauspiel von Axel Hellstenius nach dem Roman „Blutsbrüder“ von Ingvar Amjornen. Der gleichnamige oscarnominierte Kinofilm wurde zum erfolgreichsten norwegischen Film aller Zeiten. Fotos: Kleines Theater

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Dorfladen

Über den Autor

Elisabeth Pichler
Geboren 1946 in Salzburg, Volksschule in der Schwarzstraße bei den Klosterschwestern. 1964 Matura im Realgymnasium. Abiturientenlehrgang HAK, anschließend bei verschiedenen Salzburger Banken tätig. 2000 Ausbildung zur ehrenamtlichen Bibliothekarin und seither in der öffentlichen Bibliothek Hallwang tätig. “Theater war schon immer meine große Leidenschaft und scheinbar ist es mir auch gelungen, diese Begeisterung an meine Kinder weiterzugeben.” Elisabeth Pichler besucht für die Dorfzeitung Theateraufführungen und Konzerte und liest neue Bücher.

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