Konferenz der Frauen – Frauenpower in der ARGEkultur

Konferenz der Frauen

Wenn alle Männer in Machtpositionen abdanken würden, könnten dann die Frauen die Welt retten? Diese Frage stellt sich das Theaterkollektiv Chromosom XX in seiner neuen Produktion. Zehn Künstlerinnen beleuchten in einer heiter-ironischen, sehr aufwendigen Revue mit Musik, Puppen, Video und Tanz die Problematik von vielen Seiten. Ein Theaterabend, der zum Nachdenken anregt, aber keine Lösungen verspricht. Bei der Premiere am 13. Jänner 2022 zeigten sich Männer und Frauen gleichermaßen begeistert.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Vor Spielbeginn werden auf einer riesigen Leinwand Interviews von Philosophinnen, Schauspielerinnen, aber auch einfachen Hausfrauen jeglichen Alters eingespielt, die ihre Meinung zu Frauenfragen auf unterschiedliche Weise ausführen. Zehn Künstlerinnen haben von der Regierung einen offiziellen Brief erhalten. Es wurde ihnen mitgeteilt, dass die Männer abgedankt und ein Schlamassel hinterlassen haben, darum seien sie jetzt dran, um es besser zu machen. Sie setzen sich an einen riesigen Konferenztisch und müssen schon bald feststellen, dass es nicht so einfach ist, all die unterschiedlichen Ansichten auf einen Nenner zu bringen. Sie einigen sich schließlich auf fünf Säulen einer neuen Ordnung: Klima, Bildung, Wirtschaft, Gemeinwohl und Menschenrechte, wobei das Wort Säule für sie eindeutig zu phallisch rüberkommt. Auch der Wunsch, die Männer mindestens die nächsten 50 Jahre zu unterdrücken, „damit sie es auch spüren“, kommt auf.

Die ehemals mächtigen Männer beobachten und kommentieren als Puppen das Treiben der Damen. Sie sind sichtlich erleichtert, dass sie sich rechtzeitig vor der Apokalypse zurückgezogen haben und nun den „Profi-Aufräumerinnen“ die Arbeit überlassen dürfen. Bei den Frauen geht es nur langsam voran, denn die globalen Probleme lassen sich eben nicht so einfach lösen. Da erscheint eine alte Dame, die zwar nicht eingeladen ist, aber wirklich eine tolle Idee hat. Ihr Vorschlag, die Tische wegzuräumen, umzudrehen und dann als Gondeln zu benützen, wird sofort umgesetzt. Nur so kann es aufwärts gehen zu neuen Höhen, nur so lässt sich das System verändern und das Patriarchat kann endlich zu Grabe getragen werden.

Während der gesamten Produktion malt die bildende Künstlerin Maria Morschitzky an einem riesigen Gemälde, das sich durch Videoprojektionen ständig verändert. Besonders imposant wirkt es als Flammenmeer, das eine riesige, dreiköpfige Fetzenhexe umspielt. Diese ist mit den Aktionen der Damen nicht recht zufrieden und macht ihnen heftige Vorwürfe. Die trockene Konferenz-Atmosphäre wird immer wieder durch mitreißend choreografierte Tänze aufgelockert. Für die musikalische Untermalung sorgt Nihan Devecioglu am Keyboard und begeistert mit ihren Vokalimprovisationen zu einem hinreißenden Gipfeltanz. Caroline Richards und Bernadette Heidegger teilen sich die Regie, haben aber das Stück gemeinsam mit den Darstellerinnen entwickelt und so die Kreativität von allen genutzt.

Die alte Dame (Myrto Dimitradou) hat das letzte Wort. Sie sei nur eine Frau mit zwölf Enkelkindern, doch weiß sie genau, wie es weitergeht für die Damen mit der großen Verantwortung: „Wenn es nicht klappt, treten sie ab.“

„Konferenz der Frauen“ – The Future is female – Chromosom XX. Von und mit Felicitas Biller, Nihan Devecioglu, Myrto Dimitradou, Lisa Furtner, Marion Hackl, Elke Hartmann, Maria Morschitzky, Katharina Pizzera, Talin Seigmann, Jenny Szabo. Regie: Caroline Richards, Bernadette Heidegger. Musik: Nihan Devecioglu. Video: Talin Seigmann. Bühnenbild: Maria Morschitzky. Puppentrainerin: Michaela Studeny. Fotos: ARGEkultur/ Wolfgang Lienbacher

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Über den Autor

Elisabeth Pichler
“Theater war schon immer meine große Leidenschaft und scheinbar ist es mir auch gelungen, diese Begeisterung an meine Kinder weiterzugeben.” Elisabeth Pichler besucht für die Dorfzeitung Theateraufführungen und Konzerte und liest neue Bücher.

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