Nagel – Hornplatte am Finger und Metallstift

Finger eines Saxophonspielers

Finger eines Saxophonspielers | Foto: Karl Traintinger, Dorfbild

Mit dem Wort Nagel bezeichnen wir nicht nur die Hornplatte, die sich auf den letzten Gliedern von Fingern und Zehen befindet, sondern auch Metallstifte, die als Verbindungs- und Befestigungselemente von Holzteilen verwendet werden.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Nagel geht zurück auf germanisch *nagla‑ „Nagel“, ist seit dem 8. Jahrhundert belegt und bezeichnete zunächst nur die Hornplatte auf den letzten Fingergliedern von Menschen und die Krallen und Klauen von Tieren. Das Wort wurde jedoch schon früh auch als Bezeichnung für Holz- und Metallstifte verwendet. So konnte althochdeutsch nagal Finger- und Zehennägel, Eisennägel, Pflöcke und Pfähle oder auch Haken bezeichnen. Wie es zu der übertragenen Verwendung des Wortes Nagel als Bezeichnung für Holz- und Metallstifte kam, ist nicht sicher geklärt. Vermutet wird ein Vergleich zwischen den verbreiteten Enden von Nägeln mit den Fingernägeln. Wenn ein Metallnagel mit einem Hammer zur Gänze ins Holz eingeschlagen wird, ist nur mehr das verbreitete Ende des Nagels zu sehen und daher optisch einem Fingernagel vergleichbar.

Fingernägel, insbesondere lange Fingernägel, galten in vergangener Zeit als diebisch. Dies spiegelt sich in der heute nicht mehr verwendeten Redewendung lange Nägel machen „stehlen“ wider. Auf dieser Vorstellung des Diebischen beruht auch die Redewendung sich etwas unter den Nagel reißen „sich etwas aneignen, in fragwürdiger Weise in Besitz nehmen“.

Der Fingernagel des linken Daumens spielte bei der Nagelprobe eine Rolle. Das Wort Nagelprobe verwenden wir heute mit der Bedeutung „eine Sache einer genauen, wichtigen Prüfung unterziehen“. Ursprünglich entstammt das Wort jedoch alten Trinksitten. Die Nagelprobe bestand darin, das ausgetrunkene Glas auf den linken Daumennagel zu kippen als Beweis dafür, dass das Glas völlig gelehrt wurde und kein Tropfen übriggeblieben war.

Metallstifte, die mit den Wort Nagel bezeichnet werden, dienen nicht nur als Verbindungs- und Befestigungsstücke von Holzteilen, sondern werden auch in Wände eingeschlagen, um daran Gegenstände aufzuhängen. In vergangener Zeit wurde Arbeitsgerät und Arbeitskleidung nach getaner Arbeit an solchen Wandnägeln aufgehängt. Darauf geht die Redewendung etwas an den Nagel hängen zurück, die ursprünglich „die Arbeit beendet haben“ bedeutete. Mit der Zeit wurde die Bedeutung verallgemeinert zu „eine Tätigkeit beenden“. Heute verwenden wir diese Redewendung überwiegend mit der Bedeutung „eine Tätigkeit aufgeben“, wie beispielsweise er/sie hat den Job an den Nagel gehängt „er/sie hat den Job aufgegeben“.

Die Redewendung den Nagel auf den Kopf treffen entstammt vermutlich dem Sprachgebrauch der Schützen. Im Mittelalter waren in der Mitte der Schilde vier Nägel eingeschlagen, die das Ziel waren, auf das die Ritter beim Turnierkampf ihren Stoß richteten. Später wurde in der Mitte von Zielscheiben ein Nagel eingeschlagen, den es zu treffen galt. So war der Armbrustschütze, der den Nagel traf und spaltete, der beste Schütze, denn er hatte den besten Schuss gemacht. Heute verwenden wir die Redewendung den Nagel auf den Kopf treffen mit der Bedeutung „etwas treffend beschreiben, etwas auf den Punkt bringen“.

Das Wort nagelneu begegnet ab dem 15. Jahrhundert. Das spätmittelhochdeutsche Wort nagelniuwe hatte ursprünglich die Bedeutung „neu genagelt; neu mit Nägeln angefertigt, beschlagen“. Jedoch wurde das Wort schon im Mittelalter im übertragenen Sinn mit der Bedeutung „ganz neu“ verwendet. Neben nagelneu kursierte auch das Wort funkelneu „so neu, dass es noch funkelt“. Im 18. Jahrhundert wurden die beiden Worte zusammengezogen, wodurch unser heutiges Wort funkelnagelneu entstand.

Dorfladen

Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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