Silent Evolution 2010

Am Mittwoch, den 20.10.2010, um 17 Uhr traf ich als Juchten-Marienkäfer verkleidet vor der Stillen-Nacht-Kapelle in Oberndorf/ Salzach ein, um als Marienkäferlein einen “Bildungsbaum” zu pflanzen, frei unter dem Motto “Silent Evolution 2010”.

Mit dieser Aktion wollte ich auf die Bedeutung der Bildung als Keim unserer Gesellschaft aufmerksam machen, indem ich Zitate des alternativen Nobelpreisträgers und gebürtigen Oberndorfers Leopold Kohr vortrug und als Denkzettel zum Pflücken auf den Baum gehängt habe.

Denn: BILDUNG = EVOLUTION.

Die Aktion begann bereits am Morgen am Mozartplatz in der Stadt Salzburg, wo der Juchten-Marienkäfer seinen Käfertanz aufführte. Anschließend begab ich mich auf den Wege nach Oberndorf.

Ich glaube an die Philosophie, die Kohr vertritt: Die Aktion soll aufzeigen, dass wir zurück zum menschlichen Maß gehen sollen, dass die Bildung der Schlüssel zur menschlichen Evolution ist. Die Strecke von Salzburg nach Oberndorf ist 23 km lang, dies entspricht damit einem “Kohr”, der Einheit eines Tagesfußmarsches, die nach dem aus Oberndorf stammenden Philosophen benannt ist.

Hintergrund:

Mit meiner Aktion will ich auf das geistige Erbe von Leopold Kohr aufmerksam machen, dessen Überlegungen Lösungsstrategien auf aktuelle gesellschaftspolitische Probleme bieten.

Kohr prognostizierte bereits vor mehr als 50 Jahren eine gefährliche Veränderung unserer Gesellschaft: Die Entmenschlichung. Städte quellen über, Verkehrschaos, Hektik und Raserei.

Die notwendige Veränderung unseres Lebensstils kann nur vom einzelnen Menschen ausgehen. Es geht also um einen Bewusstseinswandel, der, sofern er sich im Individuum vollzieht, entscheidend dazu beiträgt, dass die Menschheit einen evolutionären Entwicklungsschritt durchläuft. Und dieser “Evolutionsbaum 2010” soll diesen Entwicklungsprozess symbolisieren, der langsam und unscheinbar ist, aber eines Tages Frucht bringen wird…

Der “Leopold-Kohr-Verein” in Oberndorf gab Anlass zur Durchführung dieser Aktion, indem eine Diskussion zur Errichtung eines Denkmals im Geiste von Leopold Kohr angeregt wurde. Der “Evolutionsbaum 2010” mit seinen Denkzetteln wird diesen eingeleiteten Diskurs begleiten.

Christoph Kendlbacher, Proformance-Künstler und Aktivist

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2 Kommentare zu "Silent Evolution 2010"

  1. Super Aktion! Es ist wirklich zum Weinen, was mit den Österreichischen Univiversitäten passiert! Totsparen ist angesagt und das Schlimmste, die Politiker kapieren es nicht einmal. Da hört man im Radio von den schwierigen Diskussionen um das Budget, im Wirklichkeit werden die Herren Damen und Herren von der Regierung und vom Parlament genau für diese Arbeit fürstlich bezahlt! Wie lange läßt sich der Steuerzahler noch vorführen und bezahlt willig die Wahlzuckerl? Wie lange wird das Goldene Kalb in Brüssel noch im jetzigen Ausmaß hofiert? Gottseidank läßt sich die Jugend nicht alles gefallen, ja die UNI BRENNT! Und wie es ausschaut, noch immer zuwenig. In der Bildung aller Bürger liegt die Zukunft und nicht in großkotzigen Parteibonzen und beamteten Gewerkschaftern, die in der Regierung sitzen und die die großen Visionäre spielen!

  2. Leopold Kohr zurück nach Oberndorf gebracht

    An den Ort der Kindheit, der Kinderweihnacht zurückgebracht, hat der Kunstaktivist und Initiator des Festivals Junger Kunst K., der unermüdliche und charmante Parteigänger für mehr direkte Demokratie den Weltbürger Leopold Kohr. Scheinbar unscheinbar hat er vor der Mozart Statue in Salzburg den Prozess der EVOLUTION gestartet – am 20.10.2010

    Evolution, das ist: Solidarität, Nachhaltigkeit, Nächstenliebe, Ökologie…das ist: Leopold Kohr.

    (So was muss offensichtlich von außen kommen). Im schweren Gepäck ein Bäumchen, das er nach Oberndorf trägt zusammen mit allerlei Requisiten. Und vor der Stille Nacht Kapelle, dort wo die Selbstüberschätzung des Kohr Heimatortes ihren technischen Anspruch markiert – vor der live webcam entfaltet Christoph Kendlbacher dann um 17 Uhr seine kleine Weltbühne – nach hinten monumental geschützt, nach vorne multimedial vernetzt.

    Der “Juchtenmarienkäfer” betritt diese Bühne unscheinbar und magisch, beiläufig und konzentriert – und er formuliert in vieldeutigen Posen den Anspruch der Evolution, den Anspruch der geistigen Welt vor dem Materialismus – soviel verstehe ich unmittelbar, den Anspruch organischer überschaubarer Prozesse und so weiter.

    Oberndorf hat davon vermutlich nicht viel bemerkt – Oberndorf wäre eingeladen, die “Blätter” am Evolutionsbaum zu pflücken, deren Innenseite mit Zitaten Leopold Kohrs beschriftet sind. Nun steht der Baum über den Winter in der Ateliergemeinschaft Kreisverkehr und zeigt uns, wie engagierte Kunst stattfindet: Eigentlich ganz ähnlich wie “Stille Nacht”. Zwei ähnlich Gesinnte haben sich gefunden, aus dem Dialog entstand die Idee und die Form; das Missgeschick der kaputten Orgel und andere widrige Umstände gerieten letztlich zum Vorteil für die Uraufführung und die Verbreitung des Liedes.

    Kreisverkehr dankt dem Joseph Beuys des Jahres 2010.
    Es wird sich ein Platz für den Evolutionsbaum finden – hoffentlich an der Kohrpromenade.

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