„Das Interview“ – Theater (Off)ensive

Foto: Theater (Off)ensive

In der „Bühne im Posthof“ (Kaigasse 43) fand  am 21.10.2010 die Salzburger Erstaufführung der Theaterfassung von Theo van Goghs vorletztem Film „Das Interview“ in der Übersetzung und Bearbeitung von Stephan Lack statt.  Ein intimes Kammerspiel über die Macht der Medien, in dem die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit verschwimmen.

Der holländische Regisseur Theo van Gogh, ein Urgroßneffe des Malers Vincent van Gogh, war bekannt als Enfant terrible, als politischer Provokateur. Nach seinem letzten Film über die Misshandlungen islamischer Frauen wurde er 2004 von einem Fanatiker mitten in Amsterdam auf offener Straße ermordet. In seinem vorletzten Film „Das Interview“ (2003) enttarnte Van Gogh mit Drehbuchautor Theodor Holman die schöne neue Medienwelt und zeigte die Demoralisierung ihrer Bewohner.

Pierre ist ein seriöser politischer Journalist und steht vor der für ihn äußerst unangenehmen Aufgabe, eine „Königin der Leinwand“, eine junge Frau, die sich mehr durch ihre äußeren Reize als durch ihre schauspielerischen Qualitäten einen Namen gemacht hat, zu interviewen. Da läuft von Beginn an so ziemlich alles schief. Er ist lustlos und absolut nicht vorbereitet, außerdem lässt sie ihn eine Stunde warten. Was eigentlich ein Interview hätte werden sollen, wird schnell zur heißen Schlacht, denn Katja hat eine „arrogante Schwuchtel“ aus dem Kulturressort erwartet und nicht einen frustrierten Kriegsberichterstatter, der es absolut nicht als seine Aufgabe ansieht, nett zu sein. Er ist beleidigend und arrogant, doch Katja entpuppt sich als ebenbürtige Gegnerin, denn auch sie versteht es, zu verletzten. Bald muss Pierre einsehen, dass sie mehr als „Luft, Sägemehl und Silikon“ im Kopf hat.

Das Publikum sitzt an diesem sehr intimen Spielort im Untergeschoss des Posthofs fast auf der Bühne. Geschickt wird mit Hilfe eines dünnen Gazevorhangs ein wenig Distanz geschaffen. Es hat schon etwas Beängstigendes, wenn sich Katja und Pierre, wie Raubtiere in einem engen Käfig, erst vorsichtig abtasten, um dann die Verletzlichkeit des anderen auszunutzen und jede Wunde, die sie geschlagen haben, zu instrumentalisieren. Eva Maria Frank und Detlef Trippel glänzen in diesem Verführungs- und Vernichtungsspiel. Während sie versucht, erotische Spannung aufzubauen, setzt er mehr auf Arroganz. Der Zuschauer kann nie ganz hinter ihre Masken blicken, bis zum bitteren Ende ist man verunsichert, was ist Wahrheit und was ist Lüge. Wird es am Ende einen Sieger geben?

Ein faszinierend bösartiges Kammerspiel (Regie: Alex Linse), ein 90-minütiger Machtkampf zweier Menschen, die einander herausfordern, bis es richtig weh tut, denen jedes Mittel recht ist, um sich in der Mediengesellschaft zu behaupten.

„Das Interview“ – Theodor Holman/Theo van Gogh/ Stephan Lack, Salzburger Erstaufführung / Regie: Alex Linse / Mit: Eva Maria Frank und Detlef Trippel / Bühne im Posthof (Kaigasse 43) / Weitere Vorstellungen: 23.,28.,30. Oktober und 5.,6.,14.,17.,18.,19. und 23. November 2010, Beginn: jeweils 19.30

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Dorfladen

1 Kommentar zu "„Das Interview“ – Theater (Off)ensive"

  1. Wir besuchten die zweite Vorstellung – welche sich mehr Zuschauer verdient hätte – und waren begeistert. Die junge Schauspielerin Eva-Maria Frank zeigte uns von ihrem Können sehr unterschiedliche Facetten, welche sie mit Bravour und vollem Körpereinsatz dem Publikum vermittelte. Wir hoffen, dieses junge Talent auch bald an größeren Bühnen bewundern zu können.

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