Garten – Das eingezäunte Land

Papagena

Papagena - Bronze von Josef Magnus vor der Orangerie im Mirabellgarten | Foto: Karl Traintinger, Dorfbild.at

Das Wort Garten bezeichnete ursprünglich ein eingezäuntes Areal für den Anbau von Nutzpflanzen und für die Haltung von Tieren.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Garten ist seit dem 8. Jahrhundert belegt, leitet sich von urgermanisch *garđa- ab, das auf indogermanisch *ghortó- „eingezäunter Ort“ zurückgeht. Das althochdeutsche Wort garto bezeichnete eingezäunte Grundstücke, umfriedete Plätze oder Umhegungen, die für Pflanzungen und für die Haltung von Tieren verwendet wurden.

So bezeichnete beispielsweise in althochdeutscher Zeit das Wort tiorgarto „Tiergarten“ ein eingehegtes Gehölz für wilde Tiere. Das Wort Tiergarten hat sich bis heute in unserem Sprachgebrauch mit einer erweiterten Bedeutung erhalten. Heute bezeichnen wir mit Tiergarten ein zumeist großes Gelände, in dem viele Tierarten in verschiedenen Gehegen gehalten und öffentlich gezeigt werden.

Im 16., 17. und 18. Jahrhundert finden sich dann auch Ausdrücke wie Kaninchengarten für ein Gehege zur Kaninchenzucht, Wolfsgarten für Wolfsfallen, um Wölfe lebendig zu fangen, oder Stutgarten für ein Gestüt.

Mit der Übernahme der Obstzucht von den Römern begannen die Germanen Nutzgärten mit Obstbäumen anzulegen. Diese Gärten wurden althochdeutsch boumgarto „Baumgarten“ oder obazgarto „Obstgarten“ genannt. Es finden sich aber auch spezifischere Bezeichnungen, die sich auf die Pflanzen beziehen, die in dem jeweiligen Garten angebaut wurden, wie biragarto „Birnengarten“, kurbizgarto „Kürbisgarten“, nuzgarto „Nussgarten“ oder wîngarto „Weingarten“. Um die Obstgärten vor Diebstahl zu schützen, wurden diese bewacht und für die Wächter eigene Wach- und Schutzhütten, althochdeutsch obazhutta „Obsthütte“, errichtet. Schon in den Gesetzen aus dem 5.-8. Jahrhundert sind für Obstdiebstahl Geldstrafen festgelegt. Aber auch in späteren Jahrhunderten war Obstdiebstahl oder der Diebstahl von Nutzpflanzen aus Gärten kein Kavaliersdelikt. So ist in den deutschen Polizeigesetzen von 1765 zu lesen: die obstdieberey, garten- und feldentwendung, so bey nachtzeit geschiehet, wird mit leibesstrafe belegt.

Neben den Nutzpflanzungen wurden im Mittelalter auf eingezäunten Flächen auch Blumen angepflanzt, wie die Worte rosgarto „Rosengarten“ oder vîolgarto „Veilchengarten“ belegen.

Im Mittelalter waren bei Höfen und Dörfern Gemüsegärten angelegt, die Krautgarten genannt wurden, in denen Erbsen, Bohnen, Rüben, Zwiebel, Kohl, Mohn und Hanf gepflanzt wurde. Die Bezeichnung Krautgarten begründet sich aus der ursprünglichen Bedeutung des Wortes Kraut, das in althochdeutscher Zeit ein Sammelbegriff für kleinere grüne Blätterpflanzen war, die essbar sind. Mit althochdeutschen krūt wurden Gemüse, im speziellen Gemüsekohl und Kopfsalat, Gras, Würz- und Heilkräuter bezeichnet. Daneben wurde krūt auch als Bezeichnung der grünen Blätter und Stängel von Nutzpflanzen verwendet. Bis in mittelhochdeutsche Zeit hatte sich dann die Bedeutung „Gemüse, Kraut, Kräuter“ entwickelt. Daher war das krûtbette ein Gemüsebeet, der krûtgarte ein Gemüsegarten.

Neben Einzäunungen für Pflanzungen gab es auch Einzäunungen für Wiesen, die Wiesengarten genannt wurden. In deutschen Landen war es jedoch nicht jedem erlaubt, Land einzuzäunen. Die Berechtigungen dafür waren gesetzlich festgelegt. Die entsprechenden Bestimmungen wurden Gartenrecht genannt. Wer in deutschen Landen das Gartenrecht hatte, war berechtigt einen Platz oder ein Stück Land einzuzäunen.

Auch die Höhe der Zäune unterlag mancherorts gesetzlichen Regelungen. So finden sich hierfür Formulierungen wie Gartenzaun bis zur Brust hoch oder Feldzaun nur bis zum Gürtel.

In unserem heutigen Sprachgebrauch wird das Wort Garten nicht mehr nur für eingezäunte bepflanzte Flächen oder Tiergehege verwendet, sondern findet sich auch in Zusammensetzungen, die einen abgegrenzten Aufenthaltsraum für Menschen bezeichnen, wie beispielsweise Biergarten, Gastgarten, Kindergarten oder Schanigarten.

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