Drei Mal Leben

Leben

Alle Fotos: FN/Birgit Kaltenböck

Drei Versionen einer missglückten Abendeinladung

Die Komödie der französischen Schriftstellerin Yasmina Reza bietet die Möglichkeit, eine verpatzte Situation drei Mal neu zu beginnen. Das Aufeinandertreffen von zwei Paaren aus der gut situierten Mittelschicht gerät dabei immer etwas außer Kontrolle. Nach Aufführungen in Henndorf und Oberndorf war die Theatertruppe um Regisseurin Waltraud Gregor am 8. und 9. April 2022 im Literaturhaus Salzburg zu Gast. Ein überaus vergnüglicher Abend in einem geschmackvollen Ambiente.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Richtig gemütlich ist der Theatersaal im Literaturhaus, denn man sitzt an kleinen Tischen und die Bühne mit den zwei schwarzen Ledersofas ist zum Greifen nahe. Das Ehepaar Henry und Sonja freut sich auf einen geruhsamen Abend, doch der sechsjährige Sohn quengelt ständig. Er verlangt noch einen Keks und das nach dem Zähneputzen. Sonja will hart bleiben, doch Henry ist konsequent inkonsequent. Völlig hektisch wird es aber, als Henrys Chef, der berühmte Astrophysiker Hubert Finidori, und seine etwas unbedarft wirkende Gattin Ines vor der Tür stehen. Sollte man sich wirklich im Datum geirrt haben? War das gemeinsame Abendessen nicht erst für morgen geplant? Dabei war diese Einladung wirklich wichtig, sollte doch Hubert Henrys stockende Karriere wieder in Gang bringen. Nach drei langen Jahren ist nun endlich sein Artikel „On the flatness of galaxy halos“ bereit zur Veröffentlichung. Hubert berichtet jedoch süffisant von einem bereits veröffentlichten wissenschaftlichen Artikel eines mexikanischen Forschers zu demselben Thema. Das würde aber Henrys wissenschaftlichen Tod bedeuten. Leider gibt es nur ein paar alte Kekse und lächerliche Appetithäppchen, dafür aber jede Menge Alkohol. Alkohol spielt auch bei der zweiten und dritten Variation dieses abendlichen Zusammentreffens eine große Rolle. In wechselnden Koalitionen wird ordentlich ausgeteilt und zwar auf pointierte und geniale Art und Weise, wie man es von Yasmina Reza gewöhnt ist.

Johannes Köstler gibt den beruflich erfolglosen Astrophysiker, dem seine Gattin Sonja (Waltraud Gregor) ganz schön zusetzt. Sie gibt offen zu, dass sie sein „serviles Lachen“ und seine unterwürfige, kriecherische Art seinem Chef gegenüber nur schwer erträgt. Bei dem zweiten Ehepaar mimt Hubert (Karsten Grigo) den widerlichen Macho. Kein Wunder, dass seine Frau Sonja (Anna Witzlinger) ständig zur Flasche greift. Eines haben die beiden Ehepaare aber gemeinsam: Sie genießen es, den Partner zu demütigen. Ein Abend, an dem vieles zur Sprache kommt, von Kindererziehung bis zur Bedeutung von Karriere und Erfolg.

Der intime Rahmen und das intensive Spiel verleihen dem Stück eine Authentizität, die auf großen Bühnen oft nicht so leicht zu schaffen ist. Gratulation an das ganze Team rund um Regisseurin Waltraud Gregor, deren Theaterleidenschaft wohl ansteckend ist, denn das bewies schon im Vorjahr ein großartiger „Schinderhannes“ auf dem Waldfestgelände in Henndorf. Am 23. und 24. April 2022 ist die Komödie noch einmal zu Gast in der Aula der Mittelschule in Henndorf.

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Über den Autor

Elisabeth Pichler
“Theater war schon immer meine große Leidenschaft und scheinbar ist es mir auch gelungen, diese Begeisterung an meine Kinder weiterzugeben.” Elisabeth Pichler besucht für die Dorfzeitung Theateraufführungen und Konzerte und liest neue Bücher.

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