„akte : mayröcker : 1 – 31“ – der Start

Marionettentheater

Foto: Marionettentheater

Der Verein „OHNETITEL“, ein Netzwerk von Kunstschaffenden aus verschiedenen Sparten, ist bekannt für seine außergewöhnlichen Theater- und Kunstprojekte an ungewöhnlichen Orten. Nun wird in Kooperation mit den unterschiedlichsten Kulturinstitutionen einen ganzen Monat lang der „Kosmos Mayröcker“ erkundet. In 31 Tagen wird es 31 Premieren in Stadt und Land Salzburg geben.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Am 1. Mai 2022 fand mit „Akte 1: Interviews“ im Salzburger Marionettentheater der Startschuss für diesen Mayröcker-Marathon statt. Die Performance wird am 8. Mai um 11 und 13 Uhr wiederholt. Sehr empfehlenswert!

Arthur Zgubic begrüßt das Publikum direkt vor der Garderobe. Er ersucht um volle Konzentration während des 40-minütigen Stationen-Theaters, denn „auch die Wege sind Stücke“. Dann hebt sich der Vorhang des Kassenhäuschens und Dorit Ehlers rezitiert Mayröcker-Texte. Es handelt sich dabei um kunstvolle Sprachgewebe, eine Mischung aus Prosa und Lyrik. Dann hören wir Ausschnitte eines Interviews, das Friederike Mayröcker (1924 – 2021), die Grande Dame der österreichischen Literatur, im Dezember 2020 gegeben hat.

„Ich möchte mich irgendwo verstecken.“

„Ich kann nur zu Hause schreiben, nicht auf Urlaub.“

„Meine eigenen Texte kann ich ganz gut lesen, ja.“

Dann geht es weiter auf die Hinterbühne, wo eine winzig kleine Mayröcker-Marionette (bewegt von Michaela Obermayr) auf einer winzig kleinen Bank sitzt. Wenn Mayröcker gehört hätte, wie wunderbar ihre Texte von Dorit Ehlers vorgetragen werden, wäre sie sicherlich begeistert gewesen. Zwischendurch kommt sie immer wieder selbst zu Wort:

„Die Sprache macht mit mir, dass ich berauscht bin.“

Sie weiß allerdings, dass oft behauptet wird, ihre Bücher seien schwer zu lesen. Das macht sie ganz traurig, denn „ich habe das Gefühl, das versteht doch jeder“. Dann dürfen wir auf der großen Bühne Platz nehmen, während die entzückende Mayröcker-Marionette ganz verloren im leeren Zuschauerraum Platz nimmt. Dorit Ehlers unterhält uns passend zum Ambiente mit einer „Bildlegende zu einem absurden Puppentheater“. Das Finale findet im Foyer mit Yoko Yagihara vom Toihaus am Klavier statt.

„Ich denk mir oft, vielleicht sollte man nicht so alt werden. Vielleicht sollte man ein bissl früher sterben. Aber gleich meldet sich dann das Gegenteil, und das Gegenteil sagt, na ja, aber dann hättest du ja gar nicht die jüngsten Bücher geschrieben. Also so hab ich auch etwas Gutes mit meinem hohen Alter, dass ich eben die Bücher noch schreiben konnte.“

Der Vorhang ist nun also geöffnet für 31 Mal Akte Mayröcker, 31 künstlerische Interventionen, vom Trickfilm bis hin zu performativen Installationen im öffentlichen Raum, von Plakatkunst bis zum Musiksalon. Das gesamte Programm findet sich hier: www.aktemayröcker.at in kalendarischer Übersicht. Zugleich entsteht eine Dokumentation aller Programmbeiträge, täglich aktualisiert.

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Über den Autor

Elisabeth Pichler
“Theater war schon immer meine große Leidenschaft und scheinbar ist es mir auch gelungen, diese Begeisterung an meine Kinder weiterzugeben.” Elisabeth Pichler besucht für die Dorfzeitung Theateraufführungen und Konzerte und liest neue Bücher.

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