„3 × Chopin“ – ein dreiteiliger Ballettabend

3 x Chopin

3x Chopin | Alle Fotos: SLT © Anna-Maria Löffelberger

Dem Ballettdirektor des Salzburger Landestheaters, Reginaldo Oliveira, ist es gelungen, drei ganz unterschiedliche Künstler für einen Frédéric Chopin (1810-1849) gewidmeten Ballettabend zu gewinnen. Kristína Paulin, Kristian Lever und Nadav Zelner haben sich mit Musik und Gefühlswelt des legendären Klaviervirtuosen und Komponisten auseinandergesetzt und drei spannende Choreographien kreiert. Die Uraufführung der drei Stücke fand im Probenzentrum Aigen statt und wurde am Premierenabend (26. Mai 2022) stürmisch gefeiert.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Kristína Paulin, die über zehn Spielzeiten Tänzerin des Hamburger Balletts war, macht aus der ungewöhnlichen Liebesbeziehung zwischen Chopin und der berühmten französischen Schriftstellerin George Sand ein kleines, aber feines Handlungsballett, das tief in die Gefühle der Liebenden eintaucht.

Chopin verbrachte den Winter 1836 in einem verlassenen Kartäuserkloster in Valldemossa auf Mallorca und fror in den feuchten Mauern fürchterlich. In „Dezemberregen“ sieht es zu Beginn so aus, als läge Chopin hier bereits im Sterben und ließe sein Leben in Visionen an sich vorbeiziehen. Die wechselhafte Beziehung zu George Sand und seine chronische Lungenkrankheit setzen ihm mächtig zu. Es gibt aber auch lichte Momente, wenn Erinnerungen an fröhliche Zeiten und tolle Feste auftauchen. George Sand und Chopin (Harriet Mills und Flavio Salamanka) schreiben oft Briefe, doch es scheinen meist Abschiedsbriefe zu sein. Diego da Cunha und Iure de Castro verkörpern muskelbepackt, mit langen schwarzen Röcken sehr eindringlich die stets drohende Gefahr.

Nach einer Pause serviert uns Tänzer und Choreograph Kristian Lever eine zeitgenössische Tanzaufführung, eigentlich fast ein Theaterstück, denn es wird relativ viel gesprochen. In „Grüneres Gras“ beobachten Georgie (Larissa Mota) und Fred (Flavio Salamanka) von ihrem Wohnzimmer aus die Liebesspiele eines gegenüber wohnenden, schwer verliebten junges Pärchens (Valbona Bushkola und Klevis Neza). Ein Fernglas ist stets griffbereit, der Blick durchs Fenster wird fast zur Sucht. Plötzlich ändert sich alles, denn der junge Mann wird schwer krank. Chopin bietet die passende Musik für Tänze voll Schmerz und Trauer.

Wesentlich schwungvoller geht es der israelische Choreograph Nadav Zelner in „Frédéric Superstar“ an. Wenn die Truppe in violetten, sehr eigenwilligen, futuristisch anmutenden Kostümen im Dämmerlicht auf die Bühne tänzelt, ist man versucht, diese befremdlichen Gestalten zu verorten. Sind es nun Elfen und Kobolde aus dem „Sommernachtstraum“, Außerirdische oder gar Götter? Ihre Körpersprache ist in Solos und Ensembleszenen so eigenwillig und faszinierend, dass sie mit der aufwühlenden Musik elektrisierend wirkt. Zelners einzigartige Tanzsprache erzeugt einen absoluten Wow-Effekt.

Die drei völlig unterschiedlichen Choreographien zeigen die große Vielfalt der tänzerischen Möglichkeiten auf. Ein absolut gelungenes, spannendes und sehr aufwändiges Projekt, das sicherlich nicht nur Ballettliebhaber zu begeistern weiß.

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Über den Autor

Elisabeth Pichler
“Theater war schon immer meine große Leidenschaft und scheinbar ist es mir auch gelungen, diese Begeisterung an meine Kinder weiterzugeben.” Elisabeth Pichler besucht für die Dorfzeitung Theateraufführungen und Konzerte und liest neue Bücher.

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