Zopf – Haarflechte, Symbol für Rückständigkeit und Gebäck

Cornrows, Zöpfe

Cornrows. Es ist dies die Bezeichnung einer aus Afrika stammende Flechtfrisur. Synonym wird auch die Bezeichnung Canerows verwendet. Cornrows werden von Frauen und Männern getragen. Der Haarstil kommt aus dem nördlichen Subsahara-Afrika (Wikipedia) | Fotos: Karl Traintinger, Dorfbild

Mit dem Wort Zopf bezeichnen wir Haare, die zusammengeflochten sind. Daneben verwenden wir Zopf auch als Bezeichnung für Gebäck.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Zopf ist seit dem 12. Jahrhundert belegt und bedeutete ursprünglich „Haarlocke, Haarbüschel“. Im Speziellen bezeichnete Zopf die am Scheitel oder am Hinterkopf zusammengebundenen Haare. Ab dem 12. Jahrhundert wird es Mode, die Haare zu flechten und Zopf erhält die Bedeutung „geflochtenes Haarbüschel, Haarflechte, umwickelte Haarsträhne“.

Im Mittelalter trugen nicht nur Frauen Zöpfe. In gehobenen Gesellschaftsschichten flochten eine Zeit lang auch Männer ihre langen Haare zu Zöpfen. Damit die Zöpfe beim Schwertkampf nicht vom Gegner abgeschlagen werden konnten, steckten die Männer ihre Zöpfe in metallene Schutzhüllen. In höfischer Gesellschaft flochten Frauen und Männer in ihre Zöpfe auch Goldborten und Schmuckbänder ein. War der Haarwuchs nicht ausreichend, um lange Zöpfe zu flechten, wurden abgeschnittene Haare eingeflochten, die von anderen Menschen stammten oder von Toten. ___STEADY_PAYWALL___

Kleinen Mädchen werden oft Zöpfe geflochten.

Im 18. Jahrhundert wurde der Zopf ein typisches Merkmal der männlichen Haartracht. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts befahl der preußische König Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) seinen Soldaten, ihre langen Haare zu einem Zopf zusammenzubinden und mit einem schwarzen Band zu umwickeln. Die Gründe für diese Anordnung waren keine modischen Überlegungen. Hierbei ging es um die Sicherheit der Soldaten, die mit Luntengewehren ausgerüstet waren. Luntengewehre gehören zu den Feuerwaffen, bei denen mit einer brennenden Lunte das Schießpulver entzündet wurde. Da die Soldaten deshalb ständig mit Feuer hantierten, bestand die Gefahr, dass die langen Haare Feuer fingen. Deshalb war es geboten, die Haare zusammenzubinden. Dieser Zopf wurde der preußische Zopf, Soldatenzopf oder Musketierzopf genannt. Mit der Zeit wurde diese Haartracht auch von Zivilisten übernommen und war ab Mitte des 18. Jahrhunderts allgemein üblich.

In der Zeit nach der französischen Revolution, Anfang des 19. Jahrhunderts, wurde der Zopf als männliche Haartracht unmodern und nur noch in konservativen Kreisen getragen. Für diejenigen, die politische und gesellschaftliche Veränderungen anstrebten, wurde der Zopf dadurch zu einem Symbol für politische und gesellschaftliche Missstände überkommener Herrschaftssysteme. Der Zopf war nun ein Symbol für Rückständigkeit, für überholte und veraltete Zustände geworden.

Ein Striezel oder Butterzopf

Das Wort Zopf erhielt dadurch Anfang des 19. Jahrhunderts eine negative Bedeutung. Alles was als rückständig, veraltet, überholt und unliebsam angesehen wurde, erhielt die Bezeichnung Zopf.

Es wurden auch fast schon inflationär Zusammensetzungen gebildet, in denen Zopf einem Wort vorangestellt wurde und damit zu einer abwertenden, verächtlichen Bezeichnung, wie beispielsweise Zopfgelehrsamkeit, Zopfbürger, Zopfstil, Zopfzeit, Zopfdichter, Zopfkunst, Zopfgesellschaft, Zopfmonarch, usw.

Besonders die Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts wurde nun abwertend als Zopfzeit bezeichnet, der Baustil dieser Jahrhunderte als Zopfstil und die Bauten und Kunstwerke aus jener Zeit als zopfig „altmodisch“. Mit zopfig konnte aber auch ganz allgemein alles, was als veraltet galt, benannt werden. Aus dieser Zeit stammt auch die Redewendung das ist ein alter Zopf mit der Bedeutung „das ist unmodern, das ist veraltet“.

Mit dem Wort Zopf wurden aber nicht nur geflochtene Haarsträhnen bezeichnet. Bereits im Mittelalter wurde das Wort Zopf auch als Bezeichnung für zopfförmig geflochtenes Backwerk verwendet. Dieser Gebrauch des Wortes ist heute noch üblich und findet sich beispielsweise in den Zusammensetzungen Butterzopf, Hefezopf, Mohnzopf oder Osterzopf.

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Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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