Oh, what a night!

stimmLOS

stimmLOS | Text: Markus Weilch, Alle Fotos: Albert Moser

Es gibt einige wenige Termine im Jahr, auf die freut man sich lange vorher. Ein Stimmlos-Konzert ist ein solcher. Wie nur wenige Formationen – gleich welcher Couleur – haben sich die acht Herren im schwarzen Anzug einen Ruf ersungen, der nichts anders als Vorfreude zulässt. Man freut sich auf einen durch und durch entspannten Abend, gefüllt mit feinsten A-Cappella-Klängen und humorvollem Entertainment. Und so kommt es auch. Immer!

Ein Stimmlos-Konzert ist das, was man gemeinhin „eine Bank“ nennt. Zwar ahnt der geneigte Zuhörer und Stammfan wie es so ungefähr sein wird und doch ist jeder Abend anders. Neue Facetten, ein neuer roter Faden, neue Lieder und die hinreißende Kombination von so feinfühligen und durchdachten Arrangements und großartigem Entertainment machen einen Abend mit den 8 MiB jedes einzelne Mal zu einer Genussstrecke, in die man sich mit leichtem Herz und gespitztem Ohr so sehr fallen lassen kann. Nicht anders die Stimmlos-Jubiläumstour 2022.

„Breaking up is“ eben nicht immer „hard to do“. Obgleich Neil Sedaka das anders gemeint hat, die Eröffnung der Stimmlosen klingt nur wenig nach beenden, sondern mehr nach dem „jetzt geht’s los“ Schlachtruf einer Formation, die in den nächsten zwei Stunden das Herz des Publikums im Sturm erobern wird, schließlich ist man „Happy together“ (schmelz). Und schon ist es da, diese unvergleichliche Stimmlos-Feeling mit akustischem Sahnehäubchen, das einen die Welt vergessen lässt. So „Lonely At The Top“ es auch sein mag, bei den Stimmlosen ist man mittendrin statt nur dabei. Erst recht, wenn Paul Herbst, seines Zeichens Conférencier der Herren in Schwarz, sich anschickt, die gemeinsame 26 ½-jährige Vergangenheit der Gruppe, unterstützt durch allerlei vergilbtes Bildmaterial, noch einmal lebendig werden zu lassen. Der Vorher-Nachher Vergleich der damals beinahe milchbebärteten Bubis mit den standfesten Herren von Heute löst kleine Spasmen in den Mundwinkeln aus. Ist das alles schon so lange her? Es ist! Zum Beweis bringen die Stimmlosen eine Zeitreise in Form eines Barbershop-Medleys zu Gehör, das die Zuhörerschaft in ehrliches Erstaunen versetzt. Das war doch gerade…und das ist jetzt…nein, warte, das ist doch…und eh man es sich versieht, sind 25 Jahre in wenigen Minuten vorbei. Das Publikum klappt kollektiv die Kinnlade wieder nach oben und tobt.

Es steht jetzt auch fest, dass Mary Lou zumindest eine Nacht mit Ludwig Hirsch in einem ehrenwerten Haus verbracht hat. Wer’s nicht glaubt, soll doch in den Gatsch hupfen! Und es steht fest – so geht A-Cappella-Gesang vom Allerfeinsten. Die Pausenräumlichkeiten des Emailwerk füllen sich mit selig lächelnden Gesichtern…

Roman Öschlberger obliegt es als Leiter des Ensembles die beiden ersten Lieder im zweiten Teil maßgeblich gestalten zu dürfen. „Goodbye Yello Brick Road“ und „More Than Words“, die zwei Herzensnummern umspielt der Tenor mit der Engelsstimme so sanft, dass man alles rundherum vergisst. Dass Paul Herbst danach eine Aufwärmrunde ankündigt, dient wohl mehr dem seelischen Gleichgewicht des Publikums, denn wenn Erich – The Hip – Pötzelsberger zu „Schmidchen Schleicher“ ansetzt, dann ist mit der Sensibilität Ende Gelände. Jetzt gibt’s akustischen und optischen Witz mit der groben Kelle und das Publikum bricht während des Songs immer wieder in Gelächter aus. Ja – bei Stimmlos darf man das.

Der weitere Abend gehört voll und ganz den Rittern in schwarzer Wehr. Einerlei, wer sich solistisch in Szene setzt und wessen Geistes Kind das Liedgut ist, es wird applaudiert, gejohlt und gelacht, was Hände, Stimme und Zwerchfell hergeben. Mit Liedern wie „When I’m 64“, „Schuld war nur der Bossa Nova“ oder „Coconut Women“ toben die Stimmlosen durch den Saal und versetzen jeden einzelnen Gast in einen emotionalen Ausnahmezustand zwischen Aufregung und Entgleisung, die acht Midlifer sind nicht mehr zu bremsen und liefern ein vokales Gustostückerl nach dem nächsten, immer vermischt mit brillanter Moderation und dem einen oder anderen Bonmot aus vergangenen Tagen – so wie es sich für ein Jubiläum gehört. Trotzdem weder die Sänger noch die begeisterten Zuhörer ernsthaft davon ausgegangen sind, der Abend wäre mit dem offiziellen Programm beendet, war es doch erstaunlich, dass beide Parteien noch genug Energie übrig hatten, um sich bis zu dritten Zugabe anzufeuern. Irgendwie wollte niemand wirklich aufhören. Aber die 25jährige Bühnenerfahrung von Stimmlos und vielleicht die Weisheit des Alters sahen dies kommen und so sang man das aufgeheizte Publikum mit einem sanften und beruhigenden „Gut Nacht Die Damen“ beim Saal hinaus. Auch die schönsten Abende haben ein Ende…leider…

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