Haus – Gebäude, Familie und Parlament

Das Ö Parlament in Wien

Das Österr. Parlament in Wien | Fotos: Karl Traintinger, Dorfbild

Das Wort Haus verwenden wir als Sammelbezeichnung für Gebäude und als Bezeichnung für Dynastien und Adelsfamilien. Daneben dient Haus auch als Bezeichnung für das Parlament.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Haus ist seit dem 8. Jahrhundert belegt und geht zurück auf germanisch *hūsa- „Haus“. Die Herkunft des Wortes ist nicht eindeutig geklärt. Bis in althochdeutsche Zeit hatte sich der Bedeutungsumfang von Haus erweitert. So konnte althochdeutsch hūs „Haus, Gebäude, Hütte, Zelt, Wohnung, Behausung, Unterkunft“, „Hauswesen“ oder „Familie, Geschlecht“ bedeuten. ___STEADY_PAYWALL___

Das breite Bedeutungsspektrum von althochdeutsch hūs begründet sich in der Bauweise der germanischen Häuser, die ursprünglich nur einen Raum hatten. Deshalb wurden für unterschiedliche Zwecke verschiedene Gebäude errichtet. Es gab ein Wohnhaus, in dem die Familie wohnte, eine Unterkunft für das Gesinde, Ställe für das Vieh und eigene Vorratshäuser, Wirtschaftsgebäude und Werkstätten. Die Fürsten errichteten zusätzlich ein eigenes Haus zur Repräsentation, in dem sie Hof hielten, Gäste empfingen und bewirteten. So entstanden mit der Zeit größere Anlagen und das Wort Haus entwickelte sich zu einer Bezeichnung für die Summe der Gebäude und die Menschen, die in diesen Anlagen wohnten, bzw. für die jeweilige Familie, zu deren Besitz die Gebäude gehörten. So verwenden wir heute noch das Wort Haus in den Zusammensetzungen Fürstenhaus, Königshaus und Kaiserhaus als Bezeichnung für Dynastien, Fürstengeschlechter und Königs- und Kaiserfamilien.

Die breite Verwendung von Haus fand auch ihren Niederschlag in den aufkeimenden Städten des Mittelalters, in denen Bauten für das Gemeinwesen als Haus bezeichnet wurden. Zur genaueren Unterscheidung der verschiedenen Häuser wurden Zusammensetzungen gebildet, wie beispielsweise Rathaus, Stadthaus, Gemeindehaus, Gerichtshaus oder Zunfthaus. Ebenso ist bereits Ende des 8. Jahrhunderts das althochdeutsche Wort huorhûs „Hurenhaus“ belegt.

Eins der ältersten Salzburger „Etablissements“ in der Herrengasse unweit der Festung

Heute findet sich Haus auch in der feststehenden Formel Hohes Haus als Bezeichnung für das Parlament bzw. als Anrede für die Parlamentsabgeordneten. Diese Bedeutung wurde aus dem Englischen ins Deutsche übernommen und geht zurück auf das britische Parlament, das seit dem 14. Jahrhundert aus zwei Kammern besteht, die House of Lords (Oberhaus) und House of Commons (Unterhaus) genannt werden.

Seit dem 17. Jahrhundert ist die Verkleinerungsform Häuschen belegt, die uns heute zumeist in den Redewendungen aus dem Häuschen geraten oder aus dem Häuschen sein begegnet. Diese beiden Redewendungen finden sich ab Anfang des 19. Jahrhunderts und gehen vermutlich auf eine französische Redewendung zurück. Ein Pariser Spital mit einer Irrenanstalt trug den Namen Petites-Maisons „kleine Häuser“. Die französische Redewendung être un échappé des Petites-Maisons bedeutete „sich wie ein aus dem Irrenhaus Entkommener aufführen“. Im Deutschen wurde daraus aus dem Häuschen sein mit der ursprünglichen Bedeutung „aus der Irrenanstalt sein; irre sein“. Mit der Zeit wurde die Redewendung verallgemeinert und hat heute die Bedeutung „aufgeregt sein, außer sich sein“.

Die Tätigkeitsbezeichnung hausieren „von Haus zu Haus gehen und Waren zum Kauf anbieten“ entstand im 15. Jahrhundert. Ab dem 16. Jahrhundert findet sich dann für die Menschen, die diese Tätigkeit ausübten, die Bezeichnung Hausierer. Beim Hausieren dürften wohl mancherorts unehrliche Händler unterwegs gewesen sein. So sah sich der Salzburger Fürsterzbischof Wolf Dietrich (1559-1617) veranlasst, das Hausieren auf dem Land zu verbieten:

Es soll auch kain cramer oder cramerin noch sonst iemand ander im land hausieren und inen niemand abkaufen, sonder vor der kürchen und auf offnen markt, damit niemand betrogen werd „Es soll auch kein Krämer oder Krämerin, noch sonst jemand anderes, im Land hausieren und ihnen niemand (etwas) abkaufen, sondern vor der Kirche und auf (dem) offenen Markt, damit niemand betrogen werde“.

Heute verwenden wir das Wort hausieren zumeist abwertend nur noch mit der übertragenen Bedeutung „etwas überall aufdringlich anbieten“, wie beispielweise sie geht mit ihrem Anliegen bei jedem hausieren oder er geht mit seinen Ideen überall hausieren.

Diesen Artikel empfehlen. Teilen mit:

Dorfladen

Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

Kommentar hinterlassen zu "Haus – Gebäude, Familie und Parlament"

Hinterlasse einen Kommentar