Post – Von der Pferdewechselstelle zur Nachricht

Pferdegespann vor der Siegmundsschwemme in Salzburg | Foto: Karl Traintinger| Dorfbild.at

Das Wort Post entstammt dem Italienischen und bezeichnete ursprünglich eine Pferdewechselstelle auf Reisewegen.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Post wurde im 16. Jahrhundert aus dem Italienischen ins Deutsche übernommen. Das italienische Wort posta geht zurück auf lateinisch posita „festgelegt“ und bezeichnete festgelegte Stationen, an denen Pferde und Boten gewechselt wurden. Im Deutschen hatte das Wort Post bereits im 16. Jahrhundert mehrere Bedeutungen. Post konnte die Haltepunkte für die Post- und Personenbeförderung auf Handels- und Fernreisewegen bezeichnen, die auch Poststelle oder Posthaus genannt wurden. Weiters wurde Post als Bezeichnung für die Institution verwendet, die Nachrichten und Personen beförderte. Und auch die Gefährte, mit denen Sendungen oder Personen transportiert wurden, sowie die zu transportierenden Briefe, Schriftstücke oder Pakete wurden Post genannt. ___STEADY_PAYWALL___

Die Poststationen wurden von einem Vorsteher verwaltet, der Posthalter oder Postmeister genannt wurde. Das Wort Postmeister hatte ursprünglich die Bedeutung „Vorsteher einer Pferdewechselstelle“ und ist eine Übersetzung des italienischen Ausdrucks maestro delle poste. Wichtigste Aufgabe des Postmeisters war es dafür zu sorgen, dass jederzeit frische und geeignete Pferde für den Posttransport zur Verfügung standen. Im Laufe der Zeit erweiterten sich die Pflichten des Postmeisters. Nun oblag es ihm zusätzlich den Fahrpreis von den Fahrgästen für ihren Transport einzuheben und ein Postbuch über die Briefe, Sendungen und Frachtzettel zu führen, die ihm zum Transport übergeben wurden. Dadurch veränderte sich auch die Bedeutung des Wortes Postmeister von „Vorsteher einer Pferdewechselstelle“ hin zu „Leiter eines Postamts“ im heutigen Sinn.

Die Fahrer der Postkutschen wurden Postillion bzw. Postillon genannt. Diese Bezeichnung findet sich im Deutschen ab dem 16. Jahrhundert und geht zurück auf das französische Wort postillon bzw. auf das italienische Wort postiglione „Postknecht“. Im Deutschen hatte Postillon zunächst die Bedeutung „Kurier“. Mit der Entwicklung des Postkutschenwesens wurde die Bezeichnung auf die Fahrer der Postkutschen übertragen.

Postkasten im Weinberg in der Südsteiermark
Postkasten im Weinberg in der Südsteiermark

Das Wort postwendend hat seinen Ursprung in der Zeit, als Briefe noch mit der Postkutsche transportiert wurden und ist eine Zusammenziehung des Ausdrucks mit wendender Post. Post steht hier als Bezeichnung für die Postkutsche oder den Postwagen. Wenn jemand einen Brief mit der Postkutsche erhielt, diesen sofort beantwortete und das Antwortschreiben der gewendeten und zurückfahrenden Postkutsche mitgab, wurde dies mit wendender Post genannt, wie beispielsweise bitte sende mir Deine Antwort mit wendender Post. Mit der Zeit wurde der Ausdruck mit wendender Post zusammengezogen, zu postwendend verkürzt und mit der heutigen Bedeutung „sofort, umgehend“ versehen.

Trotz aller Bemühungen dürfte der Posttransport doch nicht immer so schnell von statten gegangen sein, wie sich dies manche wünschten. Denn schon im 17. Jahrhundert begegnet das Wort Schneckenpost als Bezeichnung für ein sehr langsames Verkehrsmittel.

Im 16. Jahrhundert wurde im Deutschen mit Post neben der Einrichtung zur Beförderung von Nachrichten und Menschen auch die Nachricht selbst als Post bezeichnet. So bedeutete beispielsweise eine Post ausrichten „eine Nachricht ausrichten“ oder eine Post hören „eine Nachricht hören“. Nachklänge der Bedeutung „Nachricht“ von Post finden sich bis heute in den Namen deutscher Zeitungen, wie beispielsweise Berliner Morgenpost, Hamburger Morgenpost, Rheinische Post oder Schwäbische Post.

Und auch in der Zusammensetzung Flaschenpost ist die Bedeutung „Nachricht“ noch erhalten. Mit Flaschenpost bezeichnen wir ein Stück Papier mit einer Nachricht, das in eine Flasche hineingesteckt wird. Anschließend wird die verschlossene Flasche zur weiteren Beförderung ins Meer geworfen.

Dorfladen

Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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