Markt – Handelsplatz und Ortsbezeichnung

Flohmarkt in der Pariser Rue Rambuteau 2017

Flohmarkt in der Pariser Rue Rambuteau 2017 | Foto: Karl Traintinger

Das Wort Markt verwenden wir als Bezeichnung für einen Handelsplatz, für den Verkauf von Waren und als Ortsbezeichnung.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Markt begegnet im Deutschen seit dem 8. Jahrhundert und geht zurück auf das spätlateinische Wort marcātus, einer Variante von lateinisch mercātus „Kauf, Markt“, das sich von der lateinischen Tätigkeitsbezeichnung mercārī „Handel treiben“ ableitet. Althochdeutsch marcāt bezeichnete einen Markt oder Marktplatz, sowie eine Verkaufsstelle oder Laden. Bis in mittelhochdeutsche Zeit wurde das Wort zunächst zu market umgeformt und im weiteren Verlauf zur heutigen Form Markt gekürzt.

Die Märkte waren im Mittelalter nicht nur Orte des Handels, sondern in deutschen Landen auch Orte, an denen Rechtshandlungen durchgeführt wurden, die öffentlich stattfinden mussten, wie beispielsweise Gerichtsverhandlungen, Amtseinsetzungen, Versteigerungen oder Strafvollstreckungen.

Die Wochenmärkte waren nach Waren sortiert und entsprechend unterschiedlich benannt, wie beispielsweise Milchmarkt, Krautmarkt, Kohlmarkt, Geflügelmarkt, Eiermarkt, Fischmarkt.  Ungefähr seit Mitte des 18. Jahrhunderts findet sich das Wort Viktualienmarkt, das heute noch der Name eines bekannten Markts in München ist. Das Wort Viktualien „Lebensmittel“ wurde im 17. Jahrhundert aus dem Lateinischen ins Deutsche übernommen, geht zurück auf das spätlateinische Wort vīctuālia, das sich von spätlateinisch vīctuālis „zum Lebensunterhalt gehörig“ ableitet.

Viktualienmarkt München 2017

Viktualienmarkt München 2017 | Foto: Karl Traintinger

Mit der Zeit wurde die Bezeichnung Markt mancherorts auch zu einem Namen für den Platz, auf dem ein regelmäßiger Markt stattfand. Prominentes Beispiel dafür ist der Name Alter Markt für einen Platz in der Altstadt Salzburgs, der über viele Jahrhunderte der Marktplatz für den Wochenmarkt war. Als im Jahr 1857 dieser Markt auf den Universitätsplatz umgesiedelt wurde, entstand in der Umgangssprache für den früheren Marktplatz die Bezeichnung Alter Marktplatz, die im Jahr 1927 vom Gemeinderat offiziell zum Namen Alter Markt gekürzt wurde.

Würstelstand am Alten Markt in Salzburg 2000

Würstelstand am Alten Markt in Salzburg 2000 | Foto: Karl Traintinger

Die Bezeichnung Flohmarkt findet sich seit dem späten 19. Jahrhundert für einen Markt, auf dem gebrauchte Gegenstände verkauft werden. Das Wort Flohmarkt geht vermutlich auf den französischen Ausdruck marché aux puces (puces = Flöhe) zurück, mit dem die Pariser einen Marktplatz im Quartier du Temple bezeichneten, auf dem Altkleider verkauft wurden.

Märkte durften nicht beliebig betrieben werden, sondern benötigten eine Genehmigung des Landesherrn. Diese Genehmigung wurde Marktfreiheit genannt und beinhaltete die Befugnis, einen Markt einzurichten, zu betreiben, dafür Abgaben zu erheben, sowie die Rechtsordnung, die für den Marktort einzuhalten war. Die Gesetze für den Handel auf Märkten wurden Marktrecht genannt. Im Marktrecht war festgelegt, wer etwas auf den Markt bringen durfte und welche Abgaben geleistet werden mussten, wenn jemand auf einem Markt seine Waren anbot. Diese Abgaben wurden Marktstandgeld, Budengeld, Marktzins, Marktzoll oder Marktsteuer genannt. Damit auf den Märkten alles mit rechten Dingen zuging, wurden die Märkte von Marktaufsehern kontrolliert, die Marktmeister, Marktvogt oder Marktaufseher genannt wurden.

Naschmarkt Wien 2012

Naschmarkt Wien 2012 | Foto: Karl Traintinger

In vergangener Zeit waren die Händler auf den Märkten bemüht, ihre Waren möglichst wirksam anzupreisen. Häufig geschah dies durch lautes Schreien. So entstand im 17. Jahrhundert die Wortprägung Marktschreier für jene Händler, die auf Märkten ihre Waren unüberhörbar schreiend und aufdringlich anpriesen. Doch nicht jeder, der seine Waren lautstark anpries, war auch mit Ehrlichkeit gesegnet. So erhielt das Wort Marktschreier sehr bald eine abwertende Bedeutung und war schon im 17. Jahrhundert ein Synonym für jene, die in betrügerischer Absicht ihre Waren anpriesen. Mancherorts wurden diese Händler deshalb von den Märkten verbannt. So heißt es in der Polizeiordnung von Bremen aus dem Jahr 1692:

Die umblauffende Marckschreyer, Zahnbrecher, Gauckler, Possenreisser, Seil- und Schwerdt-Täntzer, imgleichen Taschenspieler und dergleichen unnützes Gesindel, welches den armen, einfältigen Leuten, durch allerhand Teuscherey und Betrug, das Ihrige abzuzwacken pfleget, wollen wir fernerhin auf solchen Jahrmärckten nicht geduldet noch gelitten wissen, […]. „Die herumlaufenden Marktschreier, Zahnbrecher, Gaukler, Possenreißer, Seil- und Schwerttänzer, desgleichen Taschenspieler und dergleichen unnützes Gesindel, welches den armen, einfältigen Leuten durch allerhand Täuscherei und Betrug das ihrige abzuzwacken pflegen, wollen wir fernerhin auf solchen Jahrmärkten nicht geduldet noch gelitten wissen“.

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Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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