Kirche – Gebäude, Glaubensgemeinschaft und Institution

Pfarrkirche Seeham

Pfarrkirche Seeham | Foto: Karl Traintinger

Mit dem Wort Kirche bezeichnen wir christliche Gebäude für Gottesdienst und Gebet, christliche Glaubensgemeinschaften und deren Institutionen, die von zumeist geistlichen Amtsträgern repräsentiert werden.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Kirche ist seit dem 8. Jahrhundert belegt und wurde aus dem Spätgriechischen ins Deutsche übernommen. Das spätgriechische Wort kyrikón „Gotteshaus“ findet sich ab dem 4. Jahrhundert und leitet sich von kyriakón bzw. kyriakós „dem Herrn gehörig“ ab. Griechisch kýrios bedeutete „Herr, Herrscher“ und wurde von den frühen Christen als Bezeichnung für Gott und für Christus verwendet. Daraus leitete sich auch die christlich-griechische Bezeichnung für Sonntag kyriakḗ „Tag des Herrn“ ab.

Althochdeutsch kirihha bezeichnete Kirchengebäude, christliche Stätten für den Gottesdienst und Heiligtümer. Daneben bedeutete kirihha aber auch „christliche Gemeinschaft, Gemeinschaft der Gläubigen“ und „Kirche als Institution“. Diese verschiedenen Bedeutungen haben sich bis heute erhalten. Aufgrund verschiedener Kirchenspaltungen in den vergangenen Jahrhunderten, bezeichnet das Wort Kirche heute jedoch nicht mehr nur die Institution der römischen Kirche. Deshalb werden zur Unterscheidung der verschiedenen christlichen Glaubensgemeinschaften und ihrer Institutionen dem Wort Kirche Beiwörter vorangestellt, wie beispielsweise römisch-katholische Kirche, griechisch-orthodoxe Kirche, anglikanische Kirche oder evangelische Kirche.

Evangelische Kirche Frauenkopf Stuttgart
Kirchturm der Evangelischen Kirche am Frauenkopf in Stuttgart

Bereits in althochdeutscher Zeit findet sich das Wort Kirchweihe. Althochdeutsch kirihwīha begegnet ab dem 9. Jahrhundert und bedeutete „Einweihung der Kirche“. Später wurde dann das jährliche Fest zur Erinnerung an die Kirchenweihe ebenfalls Kirchweih genannt. Da bei solchen Festen zumeist auch ein Festmarkt stattfand, erhielt Kirchweih mit der Zeit die Bedeutung „Fest, Jahrmarkt“.

Ein alternativer Ausdruck für Kirchweih ist das Wort Kirmes, das sich ab dem 15. Jahrhundert vor allem im Mitteldeutschen findet. Kirmes ist eine Verkürzung des mittelhochdeutschen Wortes kirchmësse, das ursprünglich die Messe zur Kirchenweihe bezeichnete. Bei den jährlichen Erinnerungsfeiern an die Kirchenweihe war die Messe ein Teil der Feierlichkeiten. So konnte sich die Bedeutung von Kirchmesse bzw. der verkürzten Form Kirmes zu „Fest am Jahrestag der Kirchweihe“ entwickeln und später verallgemeinern zu „Volksfest, Jahrmarkt“.

Ein anderes Wort, das in der europäischen Geschichte lange Zeit von großer Bedeutung war, ist das Wort Kirchenbann. Wer vom Papst mit dem Kirchenbann belegt wurde, war aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen. Dies war für alle Gläubigen die schlimmste Strafe, denn sie bedeutete ewiges Höllenfeuer. Beim Kirchenbann ging es jedoch nicht immer nur um Glaubensfragen. Für die Päpste war der Kirchenbann über lange Zeit ein nützliches, politisches Instrument und Druckmittel im Machtkampf mit Fürsten, Königen und Kaisern.

Kirchen in Salzburg
Franziskanerkirche, Salzburger Dom, Stiftskirche St. Peter

In Zeiten als es noch kein Radio, Fernsehen, Internet oder Zeitungen gab, war es üblich, öffentliche behördliche Bekanntmachungen durch den Pfarrer oder einen weltlichen Beamten entweder in der Kirche oder vor der Kirchentür verkünden zu lassen. Diese Form der Bekanntmachung wurde in deutschen Landen Kirchenruf oder Kirchengebot genannt. Da alle Menschen verpflichtet waren, am Sonntag in die Kirche zu gehen, war dies ein guter Ort für öffentliche Bekanntmachungen. Mancherorts wurde die Kirchentür auch als Anschlagtafel genutzt. Berühmtes Beispiel hierfür sind die 95 Thesen von Martin Luther gegen den Ablasshandel der katholischen Kirche, die er 1517 an die Kirchentür in Wittenberg angeschlagen haben soll und damit den Beginn der Reformation auslöste.

Seit dem 18. Jahrhundert findet sich das Wort Kirchenmaus – zumeist in der Redewendung arm wie eine Kirchenmaus. Mäuse halten sich häufig in Speichern oder Vorratskammern auf, wo sie reichlich Nahrung finden. Eine Kirchenmaus hingegen befindet sich in einem Raum, in dem es keine Vorräte gibt – nämlich in der Kirche. Daher ist die Redewendung arm wie eine Kirchenmaus eine Umschreibung für sehr arm oder mittellos.

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Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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