Kurze Geschichte des neuen brasilianischen Unheils

Urwald

Verglichen mit Presidente Bolsonaro ist Graf Dracula ein belesener Gentleman. Wie kam es zu dieser Katastrophe?

Anfang dieses Jahrhunderts entdeckte die Petrobras das riesige Pre-Salt-Ölvorkommen vor der Küste Brasiliens. Ingenieure des halbstaatlichen Mineralölunternehmens entwickelten die zweckmäßige und unentbehrliche Technik, um Öl und Gas aus mehreren tausend Metern Tiefe mit garantierter Sicherheit an Land zu pumpen.

Reinhard Lackinger

Von Reinhard Lackinger, Salvador, Brasilien

Die damaligen Arbeiterpartei-Regierungen Lula und Dilma sahen vor, den Pre-Salt-Reichtum zur Gänze der Gesundheit und der Erziehung des Volkes zugutekommen zu lassen. Dazu kam es aber nicht!

Die internationalen Vampire saugen längst kein Blut mehr, sondern saufen Erdöl. Millionen Barrels, wo immer sie ihre Klauen nach dem Schwarzen Gold ausstrecken. Das Unheil begann mit Barack Obama, der die Direktoren der Petrobras und die Presidenta Dilma bespitzeln und ausspionieren ließ.

In der Folge wurde Dilma grundlos abgesetzt. Nach dem illegitimen Staatsstreich kam es mithilfe der CIA zu einem verlogenen Prozess gegen den klaren Favoriten Lula, der 580 Tage eingekerkert, nicht an den Präsidentschaftswahlen 2018 teilnehmen durfte.

Perfide Manöver, einschließlich millionenfach per Computer verteilte Fake-News brachten uns das abscheuliche, schmutzige, stupide und bösartige Monster, das auf den Namen Jair Messias Bolsonaro hört.

Drei Söhne Bolsonaros, bis zu jenem Zeitpunkt unbeachtete Politiker, gewannen durch ihren Vater Bedeutung und Macht. Sowohl unter den Milizen, die in Rio de Janeiro ihr Unwesen treiben, als auch auf nationaler Ebene und in Brasilia.

Um sich gegen rechtliche und politische Belästigungen zu schützen, belegte Bolsonaro etwa tausend Regierungsposten mit Generälen und anderen Offizieren, ernannte einen korrupten Generalprokuristen, befreundete Polizeichefs, zwei evangelikale Juristen für den Obersten Gerichtshof und verteilte einige Milliarden Reais an treue Abgeordnete und Senatoren.

Der Zerstörung Brasiliens stand nun nichts mehr im Wege.

Bolsonaro wird der Genozid an indigenen Völkern, das Bewaffnen von Milizen, das Fördern der Entwaldung am Amazonas und in andern Ökozonen Brasiliens sowie das Abschirmen aller Art rechtswidriger Interessen vorgeworfen.

Die vorsätzliche Schwächung und der systematische Abbau staatlicher Kontrollen ermunterte, wie vorgesehen, illegale Ochsenfarmer, Sägewerker, Jäger, Fischer und vor allem Goldgräber und drängen die autochthonen Ethnien ins Verderben.

Der „gebratene Quecksilberfisch“ der Fürstenfelder Musikband STS wird noch lange auf dem Speisezettel der brasilianischen Ribeirinhos, der Bewohner der Flussufer aufscheinen.  

Bolsonaro ist auch für mindestens 400.000 der beinahe 690.000 Covid-19-Todesopfer verantwortlich.

Er negierte seit dem ersten Moment die Gefährlichkeit der Krankheit, sabotierte sämtliche, von der WHO empfohlenen Vorbeugungsmaßnahmen wie die Massenquarantäne. Brasilien könne nicht stillstehen, sagte er und beschimpfte die auf überfüllte, öffentliche Verkehrsmittel angewiesenen Arbeitnehmer.

Impfgegner Bolsonaro ging unter das Volk, verzichtete dabei auf eine Gesichtsmaske, schnäuzte sich, ohne ein Taschentuch zu verwenden und berührte danach die Hände seiner Parteigänger. Bolsonaro setzte auf unwirksame Medikamente, verweigerte und bremste die Anschaffung von Impfstoffen.

Eine parlamentarische Kommission prüfte, analysierte und dokumentierte das Verhalten der Regierung während der Covid-19-Pandemie. Der Generalprokurist machte es sich auf dem Bericht bequem, der Presidente Bolsonaro und seinen engeren Mitarbeitern verfassungswidrige Handlungen und Unterlassungen vorwirft.

Darunter der inkompetente „nicht-Mediziner“ General Eduardo Pazuello, Bolsonaros dritter Gesundheitsminister.

Der Psychopath Bolsonaro lügt und lügt und es ist ihm nicht beizukommen. Weder mit Knoblauch noch mit Rosenkranz oder Tageslicht. Mit Bibel und Kruzifix schon gar nicht, denn Bolsonaros Schildhalter und Wähler sind vorwiegend fanatische Evangelikale, aber auch erzkonservative Katholiken.

Die Mehrheit der Vampir-Gruselfilme spielt sich, wie wir alle wissen, in der Epoche der von Pferden gezogenen Fuhrwerke, Kutschen und Schlitten ab. Der junge Karl Marx wurde auf feudale Blutsauger aufmerksam, als ihm das Leben das Wort „Kapitalismus“ in den Mund legte.

Mit dem technischen Fortschritt der damals aufblühenden Industrialisierung veränderte sich auch die Beziehung zwischen Lohnarbeit und Kapital, zwischen Arbeitern und Kapitalisten, aber auch zwischen Ländern, die Rohstoffe produzierten und Nationen, die damit solide Arbeitsstellen schafften und fertige Produkte erzeugten.

Brasilien ist so ein Land, das hauptsächlich vom Export sogenannter Commodities lebt.

Das Pre-Salt-Erdöl, das ursprünglich Brasilianern dienlich sein sollte, fließt mithilfe treuer Gehilfen postmoderner Vampire ins Ausland und das geplünderte und benachteiligte Volk sieht weiterhin Schiffe, wie das Sprichwort sagt:“ficamos a ver navios“!

Ist es das erste Mal, dass die Weltmächtigen in fremdem Kontinent zu Erdöl kommen, ohne auch nur eine einzige Bombe abwerfen zu müssen? Ich glaube ja!

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